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Es geht auch ohne staatlich finanzierte Neugründungen
Staatliches Risiko(-kapital)?Es geht auch ohne staatlich finanzierte Neugründungen

Staatliches Risiko(-kapital)?

Es geht auch ohne staatlich finanzierte Neugründungen
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Die Bundespolitik liebäugelt damit, Neugründungen in der Wachstumsphase finanziell zu fördern. Doch eine Analyse von Avenir Suisse zeigt: Es fließt bereits mehr und mehr Wagniskapital (Risikokapital) in die Schweizer Jungunternehmen – ganz ohne staatliche Unterstützung. Um die Innovationskraft des Landes zu stärken, sollte der Bund besser bestehende Hürden abbauen.  

Die Schweiz zählt zu den weltweit führenden Innovationsstandorten. An Hochschulen wie den Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) entstehen jährlich Dutzende neuer Firmen, und das Ökosystem für Neugründungen wächst. Doch bei der Finanzierung stoßen Jungunternehmen teilweise auf Probleme. Politiker aus diversen Parteien fordern deshalb, der Staat solle als Wagniskapitalgeber auftreten.

Ein entwickelter Wagniskapitalmarkt ist wichtig für die Schweiz. Er fördert die Gründung innovativer Firmen und trägt so zur Erneuerungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Hochlohnlandes bei. Drei Gründe sprechen aber gegen ein staatliches Eingreifen:

Vielversprechende Entwicklung

Der Schweizer Wagniskapitalmarkt ist jung. Drei Viertel der aktiven Fonds existieren seit weniger als zehn Jahren. Die Marktreife nimmt jedoch stetig zu: 2024 flossen 2,5 Mrd. Fr. an Wagniskapitalinvestitionen in Neugründungen – fünfmal mehr als zehn Jahre zuvor. Damit liegen diese Investitionen ähnlich hoch wie in anderen europäischen Ländern mit einer lebendigen Szene für Jungunternehmen.

Übertriebene Abwanderungssorgen

Schweizer Neugründungen auf Kapitalsuche wandern nicht im großen Stil ab. Gemäß neuen Schätzungen von Avenir Suisse verlegt nur rund eines von 20 Jungunternehmen seinen Hauptsitz ins Ausland. Die starke Präsenz internationaler Investoren zeigt vielmehr, wie attraktiv Schweizer Neugründungen sind. Sie erhalten dadurch Zugang zu internationalem Fachwissen (Know-how) und globalen Märkten.

Ernüchternde Erfahrungen in Europa

Schließlich wird behauptet, staatlich gefördertes Wagniskapital sei nötig, um Wettbewerbsnachteile gegenüber europäischen Ländern auszugleichen. Dort tritt der Staat seit rund 20 Jahren verstärkt als Wagniskapitalgeber auf. Der erhoffte Innovationsschub blieb indes aus. Öffentliche Fonds schneiden oft schlechter ab als private, verdrängen Investitionen und lenken Kapital in potentiell weniger ertragreiche Bereiche.

Erfolgreiche Innovationspolitik fortsetzen

Statt den Staat zum Wagniskapitalgeber zu machen, sollte er sich besser auf seine Kernkompetenz konzentrieren. So ist es zentral, daß die Wissens- und Forschungsbasis im Land stark bleibt und die Rahmenbedingungen für Neugründungen verbessert werden.

Die Schweiz sollte deshalb erstens an den Schwerpunkten ihrer Forschungs- und Innovationspolitik festhalten. Sie sollte weiterhin vor allem in die Grundlagenforschung investieren und dabei den Fokus auf die MINT- und Lebenswissenschaften («Life Science»)-Bereiche legen. Viele Innovationen beruhen auf Fortschritten in diesen Disziplinen.

Zweitens sollte der Bund drei Reformen in Angriff nehmen, um die Rahmenbedingungen zu stärken:

Stempelsteuer abschaffen

Die Emissionsabgabe auf Eigenkapital verteuert Kapitalerhöhungen und behindert damit besonders größere Finanzierungsrunden.

Neugründungen Zugang zum globalen Talentbestand (Talent-Pool) eröffnen

Im internationalen Wettbewerb um Talente sollte die Schweiz attraktiver werden: Es braucht Jungunternehmervisum und Vereinfachungen für hochqualifizierte Hochschulabsolventen aus Drittstaaten.

Arbeitsgesetz modernisieren

Der flexible Arbeitsmarkt ist zentral für den Schweizer Wohlstand. Deshalb braucht es flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine vereinfachte Erfassung der Arbeitszeiten für eine digitale Gesellschaft.

Studienautor Lukas Schmid betont: «Für die Kommerzialisierung guter Ideen braucht es Wagniskapital – aber nicht vom Staat. Wer wirklich Neugründungen fördern will, setzt daher auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wie der Abschaffung der Stempelsteuer.»

Publikation: «Staatliches Risiko(-kapital)?», Lukas Schmid und Noa Reggiani, im Netz (online) abrufbar ab Dienstag, 3. Februar 2026, um 5:00 Uhr auf avenir-suisse.ch.

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