
Aufschlußreicher Energieanlaß „Photovoltaik auf Parkplätzen“Großes Potential für Solaranlagen auf öffentlichen und privaten Parkplätzen
Am 15. März 2024 luden die AEE Valais/Wallis und die Oberwalliser Gruppe Umwelt und Verkehr zu einem Energieanlaß unter dem Titel «Photovoltaik auf Parkplätzen» ein.
Rund 60 Interessierte fanden den Weg ins «La Poste» in Visp und folgten den Ausführungen verschiedener Fachleute über Nutzen, Anforderungen und Kosten von PV-Anlagen auf Parkplätzen.
Die Organisatoren waren mit der Premiere eines solchen Energieforums sehr zufrieden.
Große Photovoltaikanlagen sind zurzeit in aller Munde. Ein beträchtliches Potential besteht auf Parkplätzen.
Dieses wird insbesondere im Wallis aber noch kaum genutzt.
In mehreren Kurzvorträgen gehen ausgewiesene Fachleute der Frage nach, wo und wie öffentliche und private Parkplätze für Photovoltaik genutzt werden können, welche Erfahrungen an anderen Orten gemacht wurden, und welche Herausforderungen dabei gemeistert werden müssen.

Max Zumstein von der Firma Solarcarport präsentierte aktuelle Beispiele aus der Praxis: Bei der Planung und dem Bau eines Solarcarports seien diverse Punkte zu beachten: Er zeigte die Vor- und Nachteile der verschiedenen Carport Varianten, mögliche Dacheindeckungen, die optimale Fundamentierung und geeignete Baumaterialien auf.
Standard sind heute bifaziale Solarpaneele, die Strom aus Licht von oben und unten produzieren. Gewisse Solarpaneele lassen einen Teil des Lichts durch. Überdachanlagen müssen erhöhten Sicherheitsanforderungen genügen. Das Material für die Stützen ist Metall, für die Dachkonstruktion kann auch Holz eingesetzt werden.
Grössere Parkplätze lassen sich kostengünstig erschließen. Zumstein spricht von CHF 6500.- Kosten pro Parkplatz. Eine Überdeckung wird üblicherweise mit der gleichzeitigen Erschließung der Parkfelder für zukünftige Ladestationen kombiniert. So fliesst der Strom aus dem Dach direkt ins Elektroauto.
Carmen Scheuber, Leiterin Markt bei „dhp technology AG“ in Zizers (GR) wagte via Videoübertragung die Aussage, daß jede Parkfläche mit dem Solarfaltdach ein Solarkraftwerk werden kann, und dies ohne irgendeine Einschränkung der primären Nutzung.
Weshalb ein faltbares Solardach gegenüber einer fixen Installation vorzuziehen ist, wurde anhand eines Beispiels auf dem Besucherparkplatz der Luftseilbahn Jakobsbad-Kronberg im Appenzellerland aufgezeigt.
Die beteiligten Bergbahnen profitieren vom erzeugten Solarstrom, die Gäste von den kühlen Fahrzeugen dank der Beschattung. Die Faltdächer sind laut Scheuber interessant bei Parkplatzflächen ab 1500 m2.

Christoph Ellert von der HES-SO bettete diese Anwendung auf Parkplätzen in die Situation im Wallis ein und ging auf PV-Anlagen auf verschiedenen bestehenden Infrastrukturen ein.
So bieten sich auch Stützmauern, Stauseen oder Industriedächer dafür an. Herausfordernd ist der Anspruch, hohe Solarstromerträge im Winter zu produzieren. Häufig wird der Ertrag durch Beschattung durch Berge eingeschränkt.
Ellert ging auch auf das neue Stromgesetz ein, über das die Schweiz am 9. Juni 2024 abstimmen wird: es bringt Neuerungen in Sachen dezentraler Stromversorgung, neue Fördergelder, verbesserte Situation für die Verwendung des eigenen Stroms innerhalb der Gemeinde. Das Problem der saisonalen Verteilung des Stromanfalls wird bei weiterem Zubau von PV Anlagen das Thema Speicher ins Zentrum stellen, meinte Ellert, oder wie lässt sich der Überschuss im Sommer sinnvoll speichern oder nutzen?
Patrick Hofer-Noser wagte klare Aussagen über die Entwicklung der PV-Stromerzeugung: ein sinnvolles Management der Produktion und Verwendung des Solarstroms werde zentral. Seit über 20 Jahre ist die Solarindustrie in Thun zu Hause. Aus Meyer-Burger wurde 2018 die Firma 3S Solar Solutions AG.
Dann ging Hofer-Noser direkt auf die technischen Anforderungen an die Solarpaneele auf Parkplätzen ein. Er empfahl ebenfalls bifaziale Solarpaneel-Typen. Im alpinen Raum könne Schnee auf flachen Paneel-Dächern allerdings einschränken.
Da seien Fassaden- oder Balkonkonstruktionen ideal. Hofer-Noser zeigte Bilder von einigen gelungenen Anlagen im Wallis. Er verwies auf die vielen Farbvarianten, die für die gleichen Solarpaneelen von 3S verfügbar sind, als Gestaltungschance für Architekturbüros.
Fabian Schmidhalter vom regionalen Stromversorger EnAlpin verwies auf bereits 50 eigener PV-Anlagen. Seit 2011 hat Enalpin große Dachflächen gesucht, gemietet und mit Paneelen bedeckt.
Der Dacheigner könne den Strom vom Dach selber verwenden und erhalte einen Mietzins. Während 25 Jahren betreibt EnAlpin dann solche Anlagen. Vorab prüft Enalpin die Eignung von Flachdächern aus statischer und qualitativer Sicht.
Ebenso ist die vorhandene Erschließung im Stromnetz wichtig und kostenrelevant. Veränderte regulatorische Voraussetzungen können in den „Contracting-Verträgen“ aufgenommen werden. Schmidhalter sieht gutes Potential an Fassaden; gerade an Parkhäusern. EnAlpin arbeitet für Parkplatzanlagen mit Partnern in der Schweiz zusammen. Überdachungen der neuen Autobahn, bspw. in Raron, böten sich ebenso an, meinte Schmidhalter.
Jan Petrig von Aurinko Energy arbeitet wie EnAlpin an Lösungen für Personen oder Unternehmen, die freie Flächen haben, aber weder die Planung noch die Finanzierung übernehmen wollen.
Die Verwendung des Solarstroms vom eigenen Dach wird optimiert.
Kunden profitieren ebenfalls von stabilen Stromkosten. Aurinko arbeitet zusammen mit der Firma VS Solarstrom AG von Christoph Stoffel. Aurinko will alleiniger Ansprechpartner sein, der alle mit PV Stromerzeugung verbundenen Herausforderungen für Liegenschaftsbesitzer abdecken kann. Petrig erläuterte 1:1 den Prozeß, wie ein Aurinko Kunde vom ersten Kontakt zur fertigen Anlage kommt.
In der anschließenden Diskussion kamen unter anderem Fragen zu finanziellen Aspekten auf. Unter welchen Umständen rentierten PV Anlagen über Parkplätzen? Die Antwort ist komplexer als erwartet.
So wurde schnell klar, daß feste Installationen über 1000 m ü. M. erhebliche Schneelasten tragen müssen, und während dieser Zeit keinen Winterstrom produzieren können.
Eine Lösung bietet die Firma dhp technology AG mit dem Faltdach, das sich bei Wind und Schnee zurückzieht und schützt. Ein weiterer Diskussionspunkt war die naheliegende Kombination von Solarabdeckungen und Ladestationen, die in den kommenden Jahren an Bedeutung dazu gewinnen wird. Im Anschluß ging die Diskussion angeregt bei einem Schluck Sonnenenergie weiter.
(pd, rm)
(Fotos: zVg)

