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In der Nahaufnahme verwildern wir - das ganze Buch
Festival für Neue Musik Forum Wallis 2026: LyrikmarathonIn der Nahaufnahme verwildern wir - das ganze Buch

Festival für Neue Musik Forum Wallis 2026: Lyrikmarathon

In der Nahaufnahme verwildern wir - das ganze Buch
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Heute Sonntag, am 7. Juni, schließen die Experimentellen am diesjährigen Forum Wallis in Münster im Goms mit einem Lyrikmarathon ab: Der spanische Komponist und Perkussionist Luis Tabuenca gibt zusammen mit dem Neue-Musik-Duo UMS’nJIP (Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen) im Gemeindesaal in Münster, gleich gegenüber der Pfarrkirche, ein vierteiliges Konzert, das sich insgesamt über den ganzen Tag erstreckt.

Hierbei werden nacheinander alle vier Zyklen aus dem Lyrikband In der Nahaufnahme verwildern wir von Rolf Hermann musikalisch umgesetzt. Um 11.30 Uhr Im Störgarten, um 13.30 Uhr Entwendete Fenster, um 17.00 Uhr Neophyten (mit Luis Tabuenca) und um 19.30 Uhr das Langgedicht eins.

Das Einmalige dabei: Das Publikum kann einen ganzen Gedichtband als Kollektiv am Stück erleben, und das im Beisein des Dichters. Zwischen den einzelnen Teilen gibt es immer mindestens eine Stunde Pause. Der Eintritt zu den vier Konzerten ist frei (Kollekte).

„Als UMS’nJIP Ende 2021 auf Schloss Leuk an der Buchvernissage von Rolf Hermanns In der Nahaufnahme verwildern wir teilnahmen, war noch nicht abzusehen, was das für eine wundersame Wendung nehmen würde: die Vertonung eines ganzen Lyrikbandes“, so die Veranstalter des Forum Wallis.

Dessen Sprachrhythmus, Musikalität, Formensprache, Konzept und Inhalt haben das Duo elektrisiert. Vier abendfüllende Programme seien sozusagen schlafwandlerisch in vier Jahren entstanden. Und damit kristallisierte sich ein weiterer Traum: Was, wenn das Konzertpublikum im Verlaufe eines ganzen Tages diesen Gedichtband integral zusammen erlebt, hört, liest, teilt? Was, wenn diese vier Zyklen an einem Tag nacheinander gespielt würden?

Gedichte zu lesen ist eher eine punktuelle Angelegenheit als eine Langzeitübung. Ein Gedicht hier, eines da: Schweifen, Hin- und Herblättern – die Erfahrung bleibt in der Regel im Minutenbereich. Hier haben wir es mit einer grundsätzlich anderen Erfahrung zu tun: Mehrstündige Aufführungen üben eine große Faszination aus. Sie sind wie eine Mehrtageswanderung: unvergesslich.

Man durchläuft alle Gemüts- und Wetterlagen, aber die Zeit arbeitet ebenfalls: Sie ordnet diese wieder in eine Metaebene ein. Es sind nicht nur die Einmaligkeit und die physische wie zeitliche Dimension des Erlebnisses, welche lange nachhallen, es kommt einer spirituellen Erfahrung gleich. Gemeinsam Zeit zu teilen und sich gestalteter Sprache, Klang und Musik hinzugeben, das ist das Angebot dieses Programms.

Zu den einzelnen Zyklen:

Ein rauschhaftes, urbanes Langgedicht (eins), in dem die Ampeln sinnentleert blinken und die Zufallsbegegnung mit einem Marder die Hoffnung auf eine Verschmelzung von Mensch und Natur nährt. Ein Bildschirm, der flimmert, ein Fenster, das aufpoppt – und die Zeilen werden zu einem Eintrittsort, zu einer Schnittstelle zwischen Virtualität und unmittelbarer Erfahrung (Entwendete Fenster).

Anderswo schleudern Neophyten ihre Samenkugeln durch die Luft und breiten sich rasend schnell aus: ein brasilianisches Tausendblatt, ein Götterbaum, ein Schmetterlingsstrauch. Migrierende Pflanzen, Sprache in Verwandlung, Klänge, die Neuland für sich einnehmen.

Und schließlich ein Gang durch einen längst verschwundenen Obstgarten, einem nun industriell überbauten Sehnsuchtsort der Jugend, in dem selbst die Luftpartikel träge geworden sind ob ihres uralten Gewichts (Im Störgarten).

Ausgehend von vier Zyklen, die Rainer Maria Rilke am Ende seines Lebens im Château Muzot im Wallis auf Französisch geschrieben hat, zoomt Rolf Hermann mit seinen Gedichten mitten hinein in unsere Lebenswelt. Zusammen mit Luis Tabuenca begegnen UMS’nJIP diesen Gedichten mit vielseitigen und fantasievollen Kompositionsverfahren: zart, sensibel, wach und mit einem stupenden Sinn für kammermusikalische Farben.

Das Forum Wallis ist ein Festival für Neue Musik, das 2026 sein 20-jähriges Bestehen feiert. Im Laufe seiner Geschichte hat es die Werke von über 500 Komponistinnen und Komponisten vorgestellt (davon über 70 aus dem Wallis) und mehr als 350 Uraufführungen mitgeneriert. Das Festival wird von der Walliser Ortssektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik IGNM/ISCM, der IGNM-VS, geführt.

Alle weiteren Programminformationen sind unter ForumWallis.ch zu finden.

Bild oben: Rolf Hermann, Bild: Dirk Skiba.

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