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Erforschung von Naturrisiken im Gebirge
Neuer Lehrstuhl der UNIGEErforschung von Naturrisiken im Gebirge

Neuer Lehrstuhl der UNIGE

Erforschung von Naturrisiken im Gebirge
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Die UNIGE etabliert mit Unterstützung der Axa-Stiftung für menschlichen Fortschritt einen Lehrstuhl für die Erforschung klimabedingter und anderer Naturrisiken im Gebirge und die Entwicklung von Minderungsstrategien im europäischen Alpenraum.

Mit dem Klimawandel nehmen Naturrisiken im Alpenraum deutlich zu. Schmelzende Gletscher, die schrumpfende Schneedecke und der tauende Permafrost destabilisieren die Gebirge. Die Folge: mehr Felsstürze, Murgänge und Kaskadeneffekte, die Siedlungen und Infrastruktur bedrohen. Zugleich führen heißere Sommer und heftigere Stürme vermehrt zu plötzlichen folgenschweren Ereignissen wie Überschwemmungen. Um die zunehmenden Risiken zu adressieren, hat die Universität Genf (UNIGE) mit Unterstützung der Axa-Stiftung (“Axa Foundation”) für menschlichen Fortschritt einen neuen Lehrstuhl eingerichtet, der die Veränderung von Naturrisiken im Gebirge untersuchen soll. Forschungsschwerpunkt sind insbesondere Murgänge und ihre Folgen im Alpenraum – von der Schweiz bis Frankreich, Österreich, Deutschland und Italien.

Murgänge können sich plötzlich, schnell – mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 km/h – und mit großer Zerstörungskraft talwärts bewegen. Dabei reißt die Masse aus Wasser, Geröll, Erde und Gestein auch Felsblöcke und Baumstämme mit sich. Murgänge treten auf, wenn Wasser Lockermaterial an steilen Berghängen mit einem Gefälle von mindestens 25 Prozent mobilisiert. Besonders häufig kommen sie im Sommer und Herbst vor. Oft werden sie von heftigen Gewittern oder Starkregen ausgelöst. Verstärkt durch den Klimawandel stellen diese Phänomene eine wachsende Gefahr für die Infrastruktur und die im Gebirge lebende Bevölkerung dar.

In den europäischen Alpen führen Murgänge häufig zu Todesfällen und verursachen Schäden im Wert von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken. Im Sommer 2024 beispielsweise lösten mehrere heftige Unwetter in den Alpen zerstörerische Murgänge aus. Betroffen waren die Südschweiz (Val Bavona, Valle Maggia), Norditalien (Aostatal und Piemont) sowie Teile Österreichs und Deutschlands. Die Unwetter verursachten großflächige Schäden: Straßen wurden verschüttet, Brücken beschädigt sowie Häuser und Energieinfrastruktur zerstört.

Der neue Axa-Lehrstuhl für die Erforschung von Naturrisiken im Gebirge an der UNIGE wird erforschen, wie die Klimaerwärmung, veränderte Niederschlagsmuster, der Rückzug der Gletscher und das Abtauen des Permafrosts die Häufigkeit, Schwere und Auswirkungen verschiedener Arten gravitationsbedingter Naturrisiken in Gebirgsregionen beeinflussen. Er wird einen umfassenden Ansatz verfolgen, um künftige Risiken durch Massenbewegungen zu quantifizieren und zu analysieren. Gemeinsam mit öffentlichen und privaten Akteuren sollen zudem Strategien entwickelt werden, um in Zukunft Verluste und Schäden zu begrenzen.

Der Auftrag unserer Universität geht über die reine Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse hinaus. Sie muß auch Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit entwickeln, allen voran für den Klimawandel. Mit der Schaffung dieses neuen Lehrstuhls kommen wir diesem zweifachen Anspruch vollumfänglich nach“, so Audrey Leuba, Rektorin der UNIGE.

Im Kern besteht der Zweck der Axa darin, das zu schützen, was wirklich wichtig ist. Mit der Unterstützung dieses neuen Lehrstuhls tragen wir dazu bei, daß Risiken frühzeitig identifiziert werden. Nur mit diesem Wissen können die richtigen Maßnahmen getroffen werden, um die Auswirkungen dieser Risiken auf Umwelt und Gesellschaft zu minimieren“, so Monika Wieneke, Leiterin Risiko, Versicherungsmathematik und Sicherheit sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Axa Schweiz.

Wir sind stolz darauf, die innovative Forschung des neuen Lehrstuhls an der UNIGE zu unterstützen. Sie wird wertvolle Erkenntnisse liefern, die zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften vor Ort beitragen – heute und für die nächsten Generationen“, ergänzt Clément Rouxel, Generaldelegierter der Axa-Stiftung für menschlichen Fortschritt.

Lehrstuhlinhaber ist UNIGE-Professor Markus Stoffel, ein Spezialist für klimabedingte Risiken. Unter seiner Leitung sollen – aufbauend auf 20 Jahren Erfahrung – Feldbeobachtungen, Fernerkundung und Prozeßmodellierung kombiniert werden, um ein besseres Verständnis davon zu erlangen, wo und wann Hänge instabil werden, wie weit zerstörerische Massen sich bewegen können und welche Folgen dies für betroffene Gemeinden und kritische Infrastruktur hat.

Der im Bereich Erd- und Umweltwissenschaften der naturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelte Lehrstuhl wird von der Axa-Stiftung für menschlichen Fortschritt, dem Förderfonds der Gesellschaften von Axa Mutuelles d’Assurances und der Axa-Gruppe fünf Jahre lang mit EUR 200 000 jährlich unterstützt. Er wird in Zusammenarbeit mit dem Departement F.-A. Forel für Umwelt- und Wasserwissenschaften, dem Departement Erdwissenschaften und dem Institut für Umweltwissenschaften (ISE) entwickelt. Am Lehrstuhl werden drei Doktoranden sowie zwei wissenschaftliche Mitarbeiter, einer davon zu 50 Prozent, tätig sein.

„Der neue Lehrstuhl bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Auswirkungen der sich verändernden Klimabedingungen auf die Risiken von Massenbewegungen im europäischen Alpenraum zu erforschen. Der Fels- und Eisrutsch in Blatten im vergangenen Jahr und die tödlichen Murgänge im Sommer 2024 zeigen nur zu deutlich, wie dringend diese Prozesse und ihre Dynamik genauer erforscht werden müssen. Daß solche Phänomene in Zukunft auftreten, können wir nicht verhindern – aber wir können ganz sicher die daraus resultierenden Schäden mindern“, so Markus Stoffel.

Im Rahmen der Säule „Wissenschaft“ der Axa-Stiftung für menschlichen Fortschritt werden innovative Forschungsprogramme gefördert, die zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen. Die Mittel für den neuen Lehrstuhl wurden nach einer wettbewerbsintensiven Ausschreibung der Stiftung unter Aufsicht eines wissenschaftlichen Ausschusses vergeben. Das Projekt von Markus Stoffel wurde aus mehr als 100 Bewerbungen ausgewählt.

(rm, pd)
(Bild: UNIGE)

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