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Romy Biner, treten Sie zurück!
Der gute Ruf von Zermatt ist beschädigtRomy Biner, treten Sie zurück!

Der gute Ruf von Zermatt ist beschädigt

Romy Biner, treten Sie zurück!
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Ein Kommentar von Thomas Baumann

In Zermatt ist Kommunikation Chefsache. Nicht-Kommunikation ebenfalls. 

Es soll hier nicht um das ungenügende Kommunikationsverhalten der PR-Fachperson Biner-Hauser gehen. Wer aber in Personalunion Gemeindepräsidentin und Chefkommunikatorin ist, kann die Verantwortung nicht so leicht von sich weisen.

Es geht auch nicht darum, dass Zermatt beschlossen hat, in der Abfallentsorgung neue bzw. neue alte Wege zu gehen. Das ist nicht verboten.

Die Glaubwürdigkeit Zermatts wurde vielmehr durch die ganze Heimlichtuerei beschädigt.

Denn bereits im Sommer 2021 war es beschlossene Sache: Die Abfallentsorgung wird grossmehrheitlich wieder in die Hände gelegt, welche sie schon seit jeher als ihre Pfründe betrachteten. Denn dumm sind die Dorfkönige durchaus nicht. Wenn sie eine Firma gründen, die ausschliesslich dem Zweck dient, in der Abfallentsorgung Zermatts mitzumischen, dann tun sie das nicht, ohne vorgängig Gewissheit zu besitzen.

Eine Firma, die nur in Zermatt aktiv ist

Diese Firma wurde im Sommer 2021 gegründet und zeige nie irgendwelche – Null Komma Null Null – Anstalten, irgendwo sonst ausser in Zermatt im Abfallgeschäft mitmischen zu wollen. Sie ist quasi wie eine Werkzeugfirma, die Werkzeuge nur für Zermatt herstellt. Offenbar lohnt es sich für die Firma, sich auf Zermatt zu beschränken. (Obwohl man Werkzeuge ja auch anderswo verkaufen und damit theoretisch sogar von Skalenerträgen profitieren könnte.)

Wenn eine Firma in einem Geschäft, das schweizweit betrieben werden kann, sich freiwillig auf eine einzige Gemeinde beschränkt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die von der betreffenden Firma angebotenen Entsorgungslösungen auf dem schweizerischen freien Markt offensichtlich nicht konkurrenzfähig sind.

Eine Firma versucht bekanntermassen, überall dort Gewinn zu erzielen, wo sich ein Gewinn erzielen lässt. Dass die Firma Recycling Zermatt AG sich bewusst auf den Heimmarkt Zermatt beschränkt, ist ein klares Indiz, dass sie nicht erwartet, irgendwo ausser in Zermatt Gewinn erzielen zu können.

Wenn eine Firma ausserhalb ihrer Heimatgemeinde überall Verlust einfahren würde, nicht aber in ihrer Heimatgemeinde, dann kann davon ausgegangen werden, dass sie eine Form von “Heimatschutz” geniesst. Oder mit anderen Worten: Die Gemeinde Zermatt hat Leistungen einer auf dem freien Markt nicht konkurrenzfähigen Firma zu überhöhten Preisen eingekauft.

Diese Zeitung weiss selbstverständlich nicht, wieviel Zermatt an Recycling Zermatt AG zahlen wird – Heimlichtuerei der Gemeinde sei Dank.

Da die Firma aber offensichtlich auf dem freien Markt nicht konkurrenzfähig ist – denn warum sollte sie sonst darauf verzichten, ihre Leistungen auch anderswo anzubieten? – gibt es idealtypisch nur zwei denkbare Möglichkeiten:

1. Die Firma Recycling Zermatt AG offeriert ihre Dienstleistungen in Zermatt zu den üblichen Marktpreisen und fährt einen Verlust ein;

2. Die Firma Recycling Zermatt darf zu überhöhten, nicht marktkonformen, Preisen liefern.

Wie schon Milton Friedman bemerkte: “the business of business is business”. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass eine Firma bewusst und mit voller Absicht einen Verlust einfährt. Verbleibt also die Hypothese des “Heimatschutzes”.

Penetrante Heimlichtuerei der Gemeinde

Obwohl schon im Sommer 2021 klar wer, welche Firma in der Abfallentsorgung in Zermatt mitmischen wird, spielte der Gemeinderat von Zermatt die unschuldige Jungfrau vom Lande.

Im März 2022 kommunizierte die Gemeinde erstmals öffentlich, der Gemeinderat habe angeblich an seiner Sitzung vom 9. Dezember 2021 beschlossen, die Ausschreibung abzubrechen “und die Realisierung eine Projekts ‘Kreislauf-bewirtschaftung Public Private Partnership (PPP)’ zu prüfen.” Dabei war der Entscheid offiziell bereits im September 2021 gefällt – und entsprechend auch gegenüber dem Mitbewerber Schwendimann AG kommuniziert worden.

Man “prüfe eine Public Private Partnership” hiess es noch im März. Drei Monate später wurde die Katze dann aus dem Sack gelassen: “Mit einem Public-Private-Partnership möchten wir zukünftig ausserdem das Wertstoff­management zusammen mit einem privaten Unternehmen vorwärts­bringen.” Voila, da ist es doch!

Und gleich anschliessend: “Dieses Vorgehen ist derzeit in der Erarbeitung und Überprüfung und wird anschlies­send gemäss den Bestim­mungen des öffent­lichen Beschaffungs­wesens öffentlich ausge­schrieben werden.” Natürlich: Es wird so ausgeschrieben werden, wie bereits die Beschaffung des Inventars ausgeschrieben wurde – nämlich gar nicht.

Denn dass die Dorfkönige ihre Pfründe nach dem zehnjährigen Hiatus durch Auswärtige wieder zurückerhalten werden, war ja schon im Sommer 2021 beschlossene Sache. Jetzt geht es nur noch darum, ein Theaterstück aufzuführen, in dem dieses abgekartete Spiel so dargestellt wird, dass dadurch der Anschein erweckt wird, es wäre der dramatische Ausgang eines epischen Ringens zwischen Gut und Böse, zwischen David und Goliath gewesen.

Wie aus einer billigen Telenovela

Das ganze Drehbuch könnte einer schlechten Telenovela entlehnt sein: Die arme, missbrauchte Gemeinde, die sich im Klauengriff eines raffgierigen Monopolisten befindet. Sie kann sich endlich daraus befreien, indem sie in einem dramatischen Akt der Verzweiflung die öffentliche Ausschreibung abbricht. Dieser Bösewicht versuchte zum Schluss gar noch, der armen Gemeinde Zermatt das Inventar zu überrissenen Preisen anzudrehen, was die Gemeinde schweren Herzens – “leider” – ablehnen musste. Wie er – der Schluss des Publikums ist schnell gezogen – wohl schon immer mit gezinkten Karten gespielt und seit jeher bloss versucht hat, die arme, unschuldige Gemeinde abzuzocken.

Doch frohe Botschaft naht: “Über mögliche Kosten­einspa­rungen der neuen Lösung kann nach den Erfahrungen im ersten Jahr informiert werden, denn noch sind nicht alle Verträge unter­schrieben und nicht alle nötigen Materialien bestellt.” Hurrah, Zermatt muss nicht mehr ihr sauer verdientes Geld im Übermass in den gierigen Rachen dieser Üsserschwiizer werfen! Ungesagt bleibt: Wo Kosteneinsparungen eine Möglichkeit sind, sind es mit gleichem Recht auch Kostenüberschreitungen. Ja, so lenkt der Regisseur, die Regisseurin geschickt die Emotionen des Publikums. Und sollte in einem Jahr eben doch ein Verlust zu Buche stehen, dann kann man getrost darauf hinweisen, man hätte ja nur von “möglichen Kosteneinsparungen” gesprochen.

Auch in Sachen Service Public brechen goldene Zeiten an. Es bieten sich “neue Chancen” und “zukünftige Verbesserungen” sind garantiert – einziger kleiner Schwachpunkt: sie können nicht alle (!) “auf Anhieb umgesetzt werden”. Vielleicht auch keine einzige – das wurde ja durch die Formulierung nicht ausgeschlossen. Auf jeden Fall sollen “zukünftig auch bislang schwer zugängliche Standorte bedient werden.” Man sieht: Verbesserungen über Verbesserungen – aber alle irgendwann in der unbestimmten Zukunft. Der Zermatter Gemeinderat hat sich offensichtlich der Ankündigungspolitik verschrieben.

Wo Verbesserungen noch reine Zukunftsmusik sind, ist der Abbau des Service Public bereits Realität. Doch mit dem Abbau der Molok-Sammelstellen “soll das nur für diese fünf Standorte notwendige und aufwendige Sammel­system eliminiert werden.” Dieser böse Schwendimann! Versuchte seinem armen unschuldigen ‘Mündel’ Zermatt auch noch ein offensichtlich unwirtschaftliches Sammelsystem aufschwatzen. Gut, wird das endlich “eliminiert”!

Doch Rettung naht, in Form eines weissen Ritters: “ein sehr kompetenter Logistiker” wird der Gemeinde in Zukunft beistehen. Zwar sind noch “nicht alle Verträge unterschrieben” – aber der Logistiker ist auf jeden Fall schon bestimmt. Und Ziel ist es keinesfalls, das “Wertstoff­management zusammen mit einem privaten Unternehmen” bloss zu betreiben – nein, man will es “vorwärtsbringen”. Raus aus dem tiefen Mittelalter der Knechtschaft durch den Berner Entsorgungsdienstleister mit seinem retardierten Entsorgungssystem! Es wird Zeit, dass es nach all den Jahren der Stagnation endlich wieder “vorwärtsgeht”.

Der ganzen Welt ein Theater vorgespielt

Wir erinnern uns an die ehemalige Bundesrätin Elisabeth Kopp: Diese musste seinerzeit nicht deswegen zurücktreten, weil sie ihren Ehemann angerufen hatte – sondern weil sie den Anruf abstritt. Oder mit anderen Worten: Weil sie gelogen hat.

Der Zermatter Gemeinderat hingegen hat in den letzten 12-15 Monaten der ganzen Welt ein Theater vorgespielt. Die Truppe spielte die Nichtsahnenden, unschlüssig und verunsichert über den in Zukunft einzuschlagenden Weg – obwohl das ganze Drehbuch von Anfang an feststand. Über ein Jahr lang wurde der Fakt vertuscht, dass es schon von Anfang an beschlossene Sache war, den Auftrag den ‘copains’ aus dem eigenen Dorf zuzuschanzen.

Elisabeth Kopp musste zurücktreten wegen eines einzigen Vertuschungsversuchs.

So auch im Fall Zermatt: Ob es gute Gründe gab, den Auftrag den ‘copains’ aus dem Dorf zuzuhalten, vermag diese Zeitung nicht zu beurteilen, obwohl nicht wenige Indizien dagegen sprechen. Genauso wenig, wie sie zu beurteilen vermag, ob der Anruf von Bundesrätin Kopp an ihren Ehegatten gerechtfertigt war oder nicht. Aber der über einjährige Vertuschungsversuch eines abgekarteten Spiels, diese ganze Theateraufführung hat die Glaubwürdigkeit des Zermatter Gemeinderats schwer beschädigt – und damit auch den guten Ruf der Gemeinde.

Romy Biner-Hauser als Verantwortliche und Hauptdarstellerin sollte daher in Zukunft dort tätig sein, wo sie ihr komödiantisches Talent optimal zur Geltung bringen kann: In einem Laientheater. Im Gemeindepräsidium von Zermatt ist sie schlicht und einfach am falschen Ort.


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Ergänzung: Die Gemeinde Zermatt wurde vom Kantonsgericht später verurteilt weil sie die Regeln für Ausschreibungen nicht eingehalten hat.

Abfall-Kabale von Zermatt

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