100 Jahre Brig–Disentis: Jubiläum einer Pionierleistung, die bis heute verbindetDampfbahn-Furka-Bergstrecke: Eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte
Heute vor 100 Jahren wurde zwischen Brig und Disentis eine Bahnstrecke in Betrieb genommen, die unter schwierigsten Bedingungen gebaut wurde. Getragen von Mut, Zusammenarbeit und dem klaren Ziel, die Regionen der Alpen miteinander zu verbinden, wurde die durchgehende Strecke am 3. Juli 1926 eröffnet.
Der Bau der Strecke war von großen Herausforderungen geprägt. Technische Schwierigkeiten, finanzielle Engpässe und die anspruchsvolle Topografie verlangten den Verantwortlichen alles ab.
Nach der Gründung der «Compagnie Suisse du Chemin de fer de la Furka (BFD)» 1910 begann 1911 der Bau der Strecke. Bereits 1914 konnte der Abschnitt Brig–Gletsch eröffnet werden. Doch aufgrund von Geldmangel und technischen Problemen im Furka-Scheiteltunnel blieb zunächst ein unvollendetes Bauprojekt zurück.
Was folgte, war jedoch kein Ende, sondern ein Neubeginn: Nach dem Konkurs der ursprünglichen Gesellschaft wurde das Unternehmen 1925 unter der treibenden Kraft der Visp-Zermatt-Bahn (VZ) sowie mit Unterstützung von Bund und Kantonen neu organisiert und fertiggestellt. In enger Zusammenarbeit unter anderem mit der damals noch unabhängigen Schöllenenbahn und der Rhätischen-Bahn entstand eine durchgehende Verbindung von Brig nach Disentis. Am 3. Juli 1926 nahm die neu gegründete Furka-Oberalp-Bahn ihre 96 Kilometer lange Strecke offiziell in Betrieb. So entstand die Verbindung vom Oberwalliser-Talgrund über das Goms und das Urserntal bis in die Surselva. Bis heute verbindet die alpine Ost-West-Achse die verschiedenen Regionen, Sprachen und Kulturen miteinander.
Ganzjährige Verbindung durch den Basistunnel
Ursprünglich führte die Bahn über die Furkapaß-Strecke und war nur im Sommer vollständig befahrbar. Erst mit der Eröffnung des Furka-Basistunnels im Jahr 1982 wurde ein ganzjähriger Betrieb möglich. Seit der Fusion der Brig-Visp-Zermatt-Bahn (frühere VZ) und der Furka-Oberalp-Bahn zur Matterhorn-Gotthard-Bahn (MG-Bahn) im Jahr 2003 ist die Strecke Teil eines durchgehenden Netzes und nach wie vor von zentraler Bedeutung, nicht zuletzt als Herzstück des weltberühmten Glacier-Express. Mit dem Oberalppaß erreicht sie dabei ihren höchsten Punkt auf 2’033 Metern und verbindet bis heute verschiedene Sprach- und Kulturräume der Schweiz.
«Die Bahnstrecke Brig–Disentis verbindet nicht nur Orte, sie verbindet in erster Linie Menschen, Regionen und Generationen. Sie ist Begegnungsraum, Lebensader und für viele einfach ein Stück Heimat», untermauerte Egon Gsponer, Geschäftsführer der MGBahn, die Bedeutung der Verbindung anläßlich des Jubiläums.
Jubiläumsfahrt im historischen Zug
Das historische Ereignis hat die MG-Bahn als Nachfolgegesellschaft der Furka-Oberalp-Bahn heute mit einer besonderen Jubiläumsfahrt gewürdigt. Gemeinsam mit Partnern, Mitarbeitern und geladenen Gästen wurde die Strecke auf einer ganztägigen Fahrt mit historischem Rollmaterial erlebbar gemacht. Höhepunkte waren die Fahrt mit der Dampfbahn von Oberwald nach Realp sowie der Halt in Realp und die Stippvisite auf dem Festgelände der Dampfbahn-Furka-Bergstrecke.
Kurzfakten
Eröffnung: 3. Juli 1926
Länge: 96 Kilometer (Bahnnetz Schweiz: 5232 km, davon SBB 3155 km)
Spurbreite: Meterspurbahn 1000 mm (Normalspurbahn 1435 mm)
Höchster Punkt: Oberalppaß 2033 m
Niedrigster Punkt:
Längste Brücke: Rhonebrücke Ostausfahrt Brig (176 m)
Höchste Brücke: Grengiols-Viadukt (48 m)
Längster Tunnel: Furkatunnel (15,4 km), Eröffnung 25.6.1982
Teil des Netzes der Matterhorn-Gotthard-Bahn und des Glacier-Express
(pd, rm)
