Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Billettautomaten ohne Bargeldannahme im öffentlichen Verkehr
Nur bescheidene Einsparung
Billettautomaten ohne Bargeldannahme im öffentlichen VerkehrNur bescheidene Einsparung

Billettautomaten ohne Bargeldannahme im öffentlichen Verkehr

Nur bescheidene Einsparung
0

Nicht nur Postauto stellte jüngst die Annahme von Bargeld in den Bussen ein. Auch immer weniger Betriebe des öffentlichen Verkehrs (ÖV) akzeptieren am Billett-Automaten Bargeld. Begründung: Sparen.

Die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (ÄfU) haben am Beispiel der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) nachgerechnet. Das Resultat: Ohne Bargeldschlitz sparen die BLS bescheidene 8 Franken pro Automat und Tag.

Die Abschaffung des Bargelds aber stellt sich der Nutzung des öffentlichen Verkehrs unnötig in den Weg und schadet so dem Umwelt- und dem Klimaschutz.

Immer mehr ÖV-Betriebe wollen den Münzschlitz am Ticket-Automaten weglassen. Denn Automaten, die Bargeld annehmen, seien teuer in der Beschaffung und beim Unterhalt. Doch: Wieviel sparen die ÖV-Betriebe mit Automaten ohne Bargeldannahme tatsächlich ein? Oekoskop, die Fachzeitschrift der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), hat am Beispiel der BLS nachgerechnet.

Gerade mal 8 Franken pro Tag und Automat

Das Resultat: Ohne Bargeldannahme kostet ein BLS-Automat 7.95 pro Tag weniger, also knapp 8 Franken. 2024 entspricht das 2.4 Prozent (%) der durchschnittlichen Ticketeinnahmen pro Maschine bzw. 4.9 % derer Bareinnahmen. Oder in etwa dem Preis eines Billetts von Bern nach Belp BE bzw. einem Halbtax-Ticket nach Busswil BE. Das ist sehr bescheiden.

Erst recht im Verhältnis zu den Gesamtvertriebskosten für Abonnemente und Billette, Webseite, Applikationen und Schalterbedienung, wie auch der Verkehrsverbund Luzern (VVL) gegenüber Oekoskop bestätigt.

Kunden-Wünsche zählen wenig

Dabei lösen noch immer 20 bis 50% der Fahrgäste ihre Billette am Automaten in bar, wie eine kleine Umfrage bei Verkehrsbetrieben ergab. Einige von ihnen aber interessieren die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Fahrgäste wenig.

Weder z. B. die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) noch die BLS befragten ihre Kunden zur Abschaffung der Bargeld-­Automaten.

Bei einem Test solcher Automaten durch die BLS aber waren die Rückmeldungen eindeutig: «Viele Kundinnen und Kunden möchten ihr Billett am Automaten auch weiterhin bar bezahlen können», so der Bahnbetrieb damals in einer Medienmitteilung.

BLS: «Gewohnheit» Bargeld abgewöhnen

Die BLS will die Bargeldschlitze am Automaten trotzdem abschaffen, wie sie im Oktober 2025 bekannt gab. Denn, so die BLS auf Anfrage: Die meisten Kunden würden «aus Gewohnheit Bargeld nutzen». Diese will das Bahnunternehmen seinen Fahrgästen nun anscheinend austreiben. Nebenbei: Bernmobil beschaffte seine neuen Automaten gemeinsam mit der BLS – jedoch mit Bargeldschlitz.

Steuergelder für Bargeld am Automaten

Auch die BLS-­Automaten auf Luzerner Kantonsgebiet nehmen weiterhin Bargeld an. Dies, weil der Kanton Luzern bzw. dessenSteuerzahler:innen die BLS für den Münzschlitz entschädigen.

Trotz geringer Mehrkosten für Automaten mit Bargeldannahme betrachten verschiedene Verkehrsbetriebe diese also nicht mehr als selbstverständlichen Teil ihres Grundauftrags. Sie verlangen dafür zusätzliche Subventionen. Dem gilt es politisch einen Riegel vorzuschieben.

Aufladekarten: Für Fahrgäste teurer

Verkehrsbetriebe preisen als Alternative zum Bargeld-Ticket Auflade-Karten an. Die Wertkarten sind mit mindestens 10 Franken aufzuladen und haben eine befristete Gültigkeit. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) wissen noch nicht, ob sie Restbeträge zurückerstatten. BLS bezahlt nichts zurück. Wertkartennutzer verlieren also unter Umständen Geld – ein weiterer Stolperstein, den ÖV zu nutzen.

Spontane Fahrten planen?

Wo soll jemand, der etwa nachts spontan einen Bus oder ein Tram besteigen will, eine Wertkarte kaufen? Die BLS empfiehlt «frühzeitig eine Prepaid-Karte zu beziehen.» Also spontane Fahrten zu planen? Damit fördern die ÖV-Betriebe geradezu das Schwarzfahren – das sie zugleich immer mehr kriminalisieren.

Bargeld am Automaten als Pflicht

Bund, Kantone und Städte sollen ihre Verkehrsbetriebe verpflichten, an den Automaten weiterhin Bargeld zu akzeptieren. Sonst werden jene vom ÖV ausgeschlossen, die die Digitalisierung nicht mitmachen wollen oder können – während sie ihn via Steuern massiv mitfinanzieren.

Weiterführendes

ÖV-Betriebe sparen auf Kosten des Klimas: Fahrgäste ohne Bargeld bleiben auf der Strecke
(Oekoskop 4/25) https://www.aefu.ch/wp-content/uploads/2026/01/oekoskop_25_4.pdf

Fehler gefunden? Jetzt melden.

IHRE MEINUNGEN

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert