
Brandschutzkontrollen: Gemeinde-Verantwortlicher und Kanton schieben Verantwortung von sichIT-ler versuchte, Polizei und Feuerwehr zu erpressen
Es wird immer abenteuerlicher im Fall Crans-Montana: Ein Grund, warum die Bar Le Constellation jahrelang keine Brandschutzkontrollen hatte, war ein kantonsweites IT-Problem aufgrund eines Erpressungsfalls. Ein psychisch instabiler Informatiker drohte mit der Veröffentlichung sensibler Daten, erpreßte sogar Feuerwehr und Polizei. In der Folge des Erpressungsfalls wurden öffentliche Gebäude wie Schulen, Hotels oder auch Gastronomiebetriebe nicht mehr kontrolliert..
Im Jahr 2022 versuchte ein Informatiker Jean D. mit psychischen Problemen, der die Brandschutzprogrammierung namens „VS-Fire“ betreutet, die Polizei und die Feuerwehr zu erpressen. Er führte das System offenbar in Eigenregie ohne Kontrolle.
Damals wurde dann gegen den IT-Mann ein Strafverfahren eingeleitet. Der Kanton Wallis beschloß anschließend, die Programmierung nicht mehr zu nutzen. Nun soll dieser Vorfall in der Vergangenheit für die Brandkastrophe von Crans-Montana mitverantwortlich sein.
Denn es gingen Daten verloren wie der Kanton Wallis am Dienstag gegenüber dem Staatssender SRF bestätigte. Der IT-Dienstleister habe die Zugangskodes nicht ausgehändigt und Spezialisten rieten, auf den Host des IT-Mannes nicht zuzugreifen, denn dann könnten Daten beschädigt oder durcheinandergebracht werden.
Der seit Mitte 2024 Gemeindeverantwortliche für Brandschutz äußerte gegenüber der Staatsanwaltschaft, daß es ein Problem bei der Umstellung des Systems zur Verwaltung der Aufgaben und Fristen gegeben hätte. Dieses IT-Problem habe seine Aufgabe erschwert. Dadurch sei sei zu Verzögerungen bei Branschutzkontrollen gekommen. Darüber berichtet das staatliche Westschweizer Radios und Fernsehens RTS.
Das Programm sei ursprünglich für die Walliser Feuerwehren entwickelt worden, teilte der Kanton Wallis der PR- und Nachrichten-Agentur „Keystone-SDA“ mit. Erst später nutzten auch Gemeinden die Programmierung.
Der Kanton Wallis hingegen äußert, er sei nicht zuständig, es sei eine kommunale Zuständigkeit gegeben gewesen.
Das System VS-Fire um den sich der Erpressungsfall rankte, wurde schließlich durch ein neues System namens Lodur ersetzt. Die meisten Daten der Walliser Feuerwehren konnten gesichert und übernommen werden. Warum die Daten von Gemeinden, die das System für die Feuerwehren ebenfalls verwendeten, nicht gesichert worden waren, dazu äußert der Kanton Wallis, daß dies Sachen der Gemeinden gewesen wäre, dafür Sorge zu tragen. Es „war es nicht Aufgabe des Kantons, einzugreifen“, so der Kanton.
Kanton Wallis in der Haftung oder nicht?
Die Behörden hätten alle Warnungen in den Wind geschlagen, kritisiert der ehemalige kantonale Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Sébastien Fanti (55) aktuell im Gespräch mit Blick: „Ich weiß nicht, warum der Kanton nichts unternommen hat. Mein Bericht wurde dem Parlament vorgelegt.“
Sébastien Fanti hatte die Wallier IT-Probleme schon 2022 untersucht und eindringlich gewarnt.
Fanti sieht es auch anders als der Kanton, daß dieser nicht zuständig sei. Der Kanton Wallis könnte für das Chaos mitverantwortlich gemacht werden. Dies, weil er die Daten einem Dritten anvertraut hat, ohne sicherzustellen, daß die Datensicherheit gewährleistet gewesen ist. Offenbar gab es keine Kontrollen, wie mit den sensiblen Daten verfahren wird, es wurde nicht kontrolliert, ob es Sicherungskopien gäbe oder wie vertrauenswürdig die Subunternehmer des Kantons waren.
Der gesamte Kanton Wallis inklusive der Webseite der Kantonspolizei hat in jüngster Zeit augenscheinlich und für alle öffentlich sichtbar, immer wieder IT-Probleme. Walliser Zeitung berichtete darüber:
Seite VS.ch nicht erreichbarKantonsinformatik anscheinend abermals mit Schwierigkeiten
(pd, rm)
(Symbolbild)
Quellen, Weiterführendes
www.swissinfo.ch/ger/mangelnde-kontrollen-der-brandschutznormen%3A-kanton-wallis-reagiert/90919773
www.srf.ch/news/schweiz/crans-montana-sicherheitsbeauftragter-fehlende-kontrollen-wegen-it-umstellung
www.blick.ch/schweiz/brandschutz-fiasko-im-wallis-rechtsanwalt-sebastien-fanti-sagt-wagt-es-die-staatsanwaeltin-den-kanton-anzuklagen-id21678428.html

