Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Felsspalte / drohender Erdrutsch bei Chippis im Eifischtal
Droht neues Blatten, "dramatische" Lage? - Nein, alles unter Kontrolle
Felsspalte / drohender Erdrutsch bei Chippis im EifischtalDroht neues Blatten, "dramatische" Lage? - Nein, alles unter Kontrolle

Felsspalte / drohender Erdrutsch bei Chippis im Eifischtal

Droht neues Blatten, "dramatische" Lage? - Nein, alles unter Kontrolle
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Eine 250 Meter lange Bruchlinie im Eifischtal (Val d’Anniviers) bewegt sich jeden Tag einige Millimeter. Es könnten 500’000 Kubikmeter Erde abrutschen und zu “schweren Überschwemmungen” führen, so berichten übereinstimmend Medien.

Allerdings befindet sich die Spalte anders als in vielen Berichten dargestellt nicht bei Grimentz, sondern unterhalb des Dorfes Mayoux, oberhalb des Flusses La Navizence. In diesem Gebiet “befinden sich keine Wohnhäuser”, wie die Gemeinde Annivers auf Anfrage von Walliser Zeitung erläutert.

Die Einwohner des Dorfes Chippis in der Nähe von Sierre wurden informiert und Hochwasser kommen dort manchmal vor.

Tatsächlich seien sie manchmal von Hochwasser der Navizence während der Schneeschmelze betroffen. Das heißt, Hochwasser sind dort zwar nichts Erfreuliches, aber auch nichts völlig Ungewöhnliches, ähnlich wie in Zermatt, wenn dort die Mattervispa Hochwasser führt.

Das Schweizer Staatsfernsehen SRF, das die Meldung offenbar (auch) von Keystone-SDA bezogen hatte, mußte zwischenzeitlich denn auch den Bericht anpassen, es sei zu einer Verwechslung gekommen, wie es im Bericht heißt.

Swissinfo: Falschmeldung von Keystone-SDA übernommen?

Bei Swissinfo, das sich als Quelle auf Keystone-SDA beruft, ist hingegen weiterhin von Grimentz die Rede:

“Fake news” von der DPA

Auch der Tagesanzeiger hat den Bericht nicht korrigiert, es ist hier weiterhin von Grimentz die Rede in einem Bericht, der als Quelle die DPA, also die deutsche Presseagentur nennt:

Grimentz Erdspalte

Droht neues Blatten?

Einige Medien ziehen bereits Vergleiche mit Blatten. Doch Blatten im Lötschental war letztes Jahr von 9 Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis verschüttet worden. Hier geht es “nur” um 500’000 Kubikmeter.

Und auch, wenn man ein Foto von der Gesamtsituation wie das im Beitrag publizierte, ansieht, sieht es weit weniger dramatisch aus als auf den Fotos, bei denen eine Nahaufnahme von nur der Erdspalte.

Es ergibt sich ein Bild, das eher wie ein “normaler” Handrutsch erscheint, wie es sie überall in den Berggebieten der Schweiz bei Frühlingsbeginn gibt.

Vorsorge-Maßnahmen getroffen, Feriengäste nicht betroffen

“Da diese allmählichen Rutschungen den Abfluß des Flusses beeinflussen können, wurden vorsorgliche Informationsmaßnahmen getroffen und die Alarm- und Einsatzpläne angepaßt”, so die Gemeinde.

Diese Spalte habe daher keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit der Gäste.

Alles unter Kontrolle

Im Einzelnen teilten die beiden Gemeinden Anniviers und Chippis folgendes mit:

Eine 250 Meter lange Spalte hat sich am Ort «Les Fios» im Val d’Anniviers gebildet. In diesem Gebiet oberhalb der Navizence wurde ein Überwachungssystem eingerichtet, um die Bodenbewegungen zu beobachten. Auch wenn diese instabile Masse derzeit im Winter keine Gefahr darstellt, könnte sie während der Schneeschmelze zu einer Bedrohung werden. Vorsorgliche Maßnahmen sowie eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung von Chippis sind vorgesehen.

Flußufer nun 4 Meter tiefer

Im Oktober 2025 wurde am Ort «Les Fios» zwischen Mayoux und Pinsec (auf 1250 Metern Höhe) eine Spalte entdeckt – in einem Gebiet oberhalb der Navizence. Sie entstand infolge der Hochwasserereignisse von 2018 und 2024, die das Flußbett um vier Meter abgesenkt haben. Dadurch wurde die Stützwirkung für diesen Berghang am linken Ufer geschwächt, was zu einer erheblichen Setzung des Geländes führte.

Ständige Überwachung

Die rund 250 Meter lange und etwa 100 Meter über dem Fluß gelegene Spalte wird seit ihrer Entdeckung von der Gemeinde Anniviers und dem kantonalen Dienst für Naturgefahren überwacht. Extensometer, Laserscanning und eine Webcam ermöglichen eine tägliche Beobachtung der Bewegungen. Seit dem vergangenen Jahr laufen zahlreiche Analysen, um die Gefahrenlage und mögliche Szenarien zu beurteilen.

Im günstigsten Fall setzt sich die instabile Masse weiter und stabilisiert sich oder zerfällt im Laufe der Zeit in kleinere Teile, ohne Probleme zu verursachen.

Das pessimistischste Szenario kann jedoch nicht ausgeschlossen werden: Ein großes Erdvolumen könnte in die Navizence stürzen und den Flußlauf blockieren.

Bei einem plötzlichen Durchbruch könnte dies flußabwärts gelegene Wohnhäuser (das Dorf Chippis liegt 8 Kilometer entfernt) sowie Infrastrukturen (die Stromleitung des Val d’Anniviers) gefährden.

Situation unter Kontrolle

In der aktuellen Winterperiode besteht keine Dringlichkeit, da die Abflußmengen des Flusses gering sind und keine Beschleunigung der Rutschbewegung festgestellt wurde.

Die Situation dürfte bis zum Beginn der Schneeschmelze unverändert bleiben.

In der Zwischenzeit wurden vorsorgliche Maßnahmen ergriffen, darunter das Fällen großer Bäume am Hang sowie die Fortführung der Arbeiten zur Sicherung der Navizence.

Diese Arbeiten zielen darauf ab, das Flußbett zu stabilisieren und anzuheben. Eine kontinuierliche Überwachung ist gewährleistet, und wöchentlich finden technische Sitzungen statt.

Bevölkerung und Schaulustige sollen bitte Gebiet meiden

Aus offensichtlichen Sicherheitsgründen wird die Bevölkerung gebeten, sich der Zone nicht zu nähern.

Die Gemeinden Anniviers und Chippis bereiten zusammen mit ihren Einsatzstäben und mit Unterstützung mehrerer spezialisierter Büros alle notwendigen Schutz- und Organisationsmaßnahmen vor, falls sich die Situation verschlechtern sollte.

(pd, rm)
(Foto: Gemeinden Anniviers und Chippis)

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