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Zwischen Kiesbank und Strömung – Auftakt an den Talbächen
Fischereieröffnung im WallisZwischen Kiesbank und Strömung – Auftakt an den Talbächen

Fischereieröffnung im Wallis

Zwischen Kiesbank und Strömung – Auftakt an den Talbächen
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Von Yannick Ziehli

Um 0700 Uhr war an den Ufern der Walliser Talbäche bereits Bewegung. Zwischen noch feuchten Kiesbänken und den ersten goldenen Streifen der Morgensonne standen Gestalten in Watstiefeln an den Ufern der Bäche, in Landschaften, deren Gleichgewicht längst kein Zufall mehr ist. Die Forellen schienen an diesem Tag nicht allein im Fokus zu stehen. Es war die Eröffnung selbst, die lockte.

Gegen Mittag lichtete sich das Bild ein wenig, und am Nachmittag blieben vor allem jene, die es nicht eilig hatten. An den sonnengefluteten Stellen wurde wohl ebenso viel Vitamin D gesammelt wie gefischt. Der erste Tag der Saison ist nach wie vor mehr als ein Datum im Kalender. Er ist eine Zäsur nach der Winterpause, ein Moment, in dem man wieder am Wasser steht und hört, was es zu sagen hat.

Ein Morgen am Wasser

Auch die Kontrolle gehört dazu. Zwei Fischereiaufseher traten an das Ufer, prüften Patent und Ausrüstung und plauderten anschliessend unbeschwert über Gewässer, Natur und die neue App Fishven. Die Umstellung verlaufe mit kleinen Kinderkrankheiten, sagten sie, manches sei noch ungewohnt, doch insgesamt auf gutem Weg. Ich sei an diesem Morgen der Erste gewesen, der vollständig auf das Papierheft verzichtet habe. Vielleicht eine Frage des Alters, meinten sie schmunzelnd. Das Kompliment nahm ich gerne entgegen.

Die Dranse in mildem Märzlichter. Niedriger Wasserstand und klare Strömung prägten die diesjährige Fischereieröffnung.
Die Dranse in mildem Märzlichter. Niedriger Wasserstand und klare Strömung prägten die diesjährige Fischereieröffnung.

Die Digitalisierung ist nur eine Facette einer Fischerei im Wandel. Auf kantonaler Ebene beobachtet man seit Jahren eine Verschiebung. «Wir verzeichnen seit einiger Zeit weniger Jahrespatente, dafür mehr Tagesbewilligungen», sagt Gilbert Schmid, Vizepräsident des Walliser Kantonalen Sportfischer-Verbands. Die durchschnittlichen Fangzahlen gehen zurück. «Ein gewisser Teil unserer Gewässer ist heute nicht mehr reproduktionsfähig. Ohne Besatz kommen wir nicht aus», hält Schmid fest.

Die neue App „Fishven“ ersetzt das Kontrollheft. Erste Kinderkrankheiten gehören zur Umstellung, doch die Digitalisierung ist im Alltag angekommen. 
ScreeDie neue App „Fishven“ ersetzt das Kontrollheft. Erste Kinderkrankheiten gehören zur Umstellung, doch die Digitalisierung ist im Alltag angekommen. nshot

Was die Fischerei im Wallis trägt

Und doch lebt die Fischerei weiter, vielleicht anders als früher. In der Sektion Entremont zählt man 135 Mitglieder, so Julien Moulin, Präsident der Sektion. Rund sechzig Prozent sind langjährige Fischer, vierzig Prozent seit weniger als zehn Jahren dabei. Der Verein ist stabil. Ein junger Fischzüchter hat vor kurzem seine Ausbildung in Bern abgeschlossen. Eine wichtige Versicherung für die künftige Bewirtschaftung der Gewässer. «Wir investierten in Vereinsmaterial und sogar in ein Fahrzeug, um Besatz und Arbeiten zu erleichtern», so der Präsident weiter.

Der Druck auf die Gewässer entsteht weniger durch die Fischer selbst als durch andere Kräfte. Die Dranse d’Entremont wurde 2024 durch eine Stauraumspülung massiv geschädigt, Hochwasser zerstörten weitere Abschnitte. Ganze Kilometer an Fischstrecke gingen verloren. Die Antwort darauf heisst Anpassung. Man weicht in höhere Lagen aus und erschliesst neue Abschnitte.

Strukturen und Generationen im Wandel

Auch das Selbstverständnis verändert sich. Früher brachte der Fischer den Fang heim, weil es kaum Alternativen gab. «Das Erlebnis steht heute stärker im Vordergrund als die reine Fangmenge», sagt Schmid. Die Fischerei sei weniger Nahrungsbeschaffung als bewusste Freizeitgestaltung geworden. Heute ist Fisch auf jedem Markt erhältlich. Moderne Techniken mit Fliegen und Kunstködern ersetzen das Ansitzen mit Zapfen und Wurm und bringen dem Angeln eine gewisse Ästhetik – auch ohne Fang. In anderen Ländern Europas setzt man seit einiger Zeit auf „No Kill“-Strecken. In der Schweiz ist das rechtlich anders geregelt, doch die Diskussion über schonendere Methoden ist auch hier präsent.

Eine Bachforelle aus der Dranse. Für viele steht heute das Erlebnis im Vordergrund – nicht allein die Fangmenge.
Eine Bachforelle aus der Dranse. Für viele steht heute das Erlebnis im Vordergrund – nicht allein die Fangmenge.

Der Präsident der Sektion Entremont sagt, er verpasse die Eröffnung nie. Seit fünfzehn Jahren steht er an diesem Tag oft mit einem seiner Kinder am Wasser. Es sei ein Ritual, sagt er, eine geteilte Leidenschaft, weit mehr als der Wunsch, sechs Fische zu fangen.

Der Walliser Fischbestand hat an diesem Tag einmal mehr gezeigt, dass er mehr ist als ein Freizeitangebot. Zwischen wilden Bergbächen und weiten Talflüssen liegt ein Juwel, das Pflege, Verantwortung und Begeisterung verlangt. Gilbert Schmid betont, dass die Fischerei im Wallis ohne die Arbeit der Sektionen kaum denkbar wäre. Jahr für Jahr sichern engagierte Personen Aufzucht, Besatz und Unterhalt. Ohne dieses Engagement bliebe mancher Bach im Frühjahr still.

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