
GV der Air Zermatt am SamstagAir Zermatt: Rekordjahr mit hoher Einsatzbereitschaft
Die Air Zermatt AG lud am Samstagnachmittag ihre Aktionäre auf ihre Basis in Raron zur 57. ordentlichen Generalversammlung ein. Dabei blickte das Walliser Helikopter-Unternehmen auf ein außergewöhnlich intensives und ereignisreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Der Jahresrückblick zeigt eindrücklich: Die Air Zermatt war im vergangenen Jahr nicht nur bei Rettungseinsätzen, sondern auch bei der Bewältigung von Naturereignissen ein verlßslicher Partner.
Mit 6700 Flugstunden verzeichnete die Air Zermatt im Jahr 2025 einen neuen Rekord. Auch im Rettungsbereich erreichte das Unternehmen neue Höchstwerte: Über 2200 Rettungseinsätze mit dem Helikopter wurden im vergangenen Jahr geflogen. Das sind so viele wie noch nie in der Geschichte des Unternehmens. Zudem stiegen die Ambulanzeinsätze im Vergleich zum Vorjahr leicht auf über 800 Einsätze an. «Diese Zahlen unterstreichen die konstant hohe Einsatzbereitschaft und die zentrale Bedeutung der Air Zermatt in der präklinischen Versorgung im Wallis.» Mit diesen Worten eröffnete Präsident Philipp Perren die Generalversammlung.
Philipp Perren ist der Sohn von Beat Perren, dem Gründer der Air Zermatt.
Gefordert durch Naturereignisse im Oberwallis
Neben dem intensiven Rettungsbetrieb war die Air Zermatt 2025 auch bei mehreren Naturereignissen stark gefordert. Rund um Ostern wurde das Oberwallis von nassem, schwerem Schnee getroffen. Die Schneemassen verursachten große Schäden, insbesondere an bereits belaubten Bäumen.
«Die Folgen des Schneedrucks beschäftigte die Air Zermatt über Monate hinweg. Zeitweise standen täglich bis zu fünf Helikopter im Einsatz, um umgestürztes und beschädigtes Holz aus den Wäldern auszufliegen», blickt Geschäftsführer Daniel Aufdenblatten zurück. Diese Einsätze verlangten ein Höchstmaß an Flexibilität, vorausschauender Planung und Präzision sowohl in der Einsatzleitung als auch bei den Crews.
Air Zermatt: Zentrale Rolle bei der Katastrophe von Blatten
Besonders prägend war im Jahr 2025 der Einsatz im Lötschental. Als Mitte Mai die ersten Rekognoszierungsflüge zum Kleinen Nesthorn starteten, war das Ausmaß der Situation noch nicht absehbar, berichtet die Air Zermatt. Rekognoszierungsflüge sind Flüge, die nicht dem Transport dienen, sondern der Erkundung und Beobachtung.
Was passiert bei solchen Flügen?
Bei einem Rekognoszierungsflug wird aus der Luft z. B.:
- das Gelände untersucht (Berge, Täler, Infrastruktur)
- die Lage eingeschätzt (z. B. bei Naturgefahren)
- Kartenmaterial überprüft oder aktualisiert
- nach Schäden oder Veränderungen gesucht
Ende Mai kam es dann zur Katastrophe: Das Dorf Blatten wurde von einem gewaltigen Schuttkegel verschüttet. Bei der Bewältigung dieses Jahrhundertereignisses nahm die Air Zermatt eine wichtige Rolle ein.
«Ab Ende Mai stellte die Air Zermatt täglich einen Helikoordinator, mehrere Helikopter, Crews sowie Spezialausrüstung zur Verfügung. Die Air Zermatt koordinierte sämtliche eingesetzten Helikopter und nahm temporär Einsitz im Führungsstab Lötschental. Das Einsatzspektrum war breit und anspruchsvoll: Es reichte von der Evakuierung von Menschen und Tieren über Rekognoszierungsflüge mit Geologen sowie Vertretungen von Gemeinde-, Kantons- und Bundesbehörden bis hin zu Materialtransporten für Feuerwehr, Polizei und Führungsstab, Logging-Einsätzen, Laserscanning, dem Transport von Ölsperren sowie täglichen Arbeitertransporten für Überwachungsaufgaben», so Daniel Aufdenblatten.
Die Zusammenarbeit mit allen Partnerorganisationen war geprägt von einem gemeinsamen Ziel: den Menschen im Lötschental bestmöglich zu helfen.
Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit setzte die Air Zermatt zudem an zwei Samstagen, als sie der Bevölkerung von Blatten kostenlos ermöglichte, ihr verschüttetes Dorf aus der Luft zu sehen. Diese Geste half vielen Betroffenen, das Ausmaß der Tragödie zu erfassen und das Erlebte zu verarbeiten.
Betroffenheit über Brand in Crans-Montana
Erschüttert hat die Air Zermatt der Brand in Crans-Montana in der Neujahrsnacht von 2025 auf 2026. Gemeinsam mit der Air-Glaciers stand die Air Zermatt mit insgesamt sechs Helikoptern im Einsatz, um den betroffenen Menschen so schnell wie möglich beizustehen.
Großer Dank gebührt allen Hilfskräften, die in dieser außerordentlichen Lage mit höchstem Einsatz gehandelt haben und dabei auch emotional stark belastet wurden.
Starke Verankerung und engagierte Mitarbeitende
Die Air Zermatt beschäftigt heute 89 Festangestellte. Gemeinsam mit Air-Glaciers sind es sogar über 220 Mitarbeitende, die tagtäglich mit großem Engagement im Einsatz stehen. Mit dem Rekordjahr 2025 unterstreicht die Air Zermatt ihre Rolle als leistungsstarke Luftrettungs- und Helikopterunternehmung, die auch in außerordentlichen Lagen für die Bevölkerung in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen Verantwortung übernimmt.
Über Air Zermatt AG
Die Walliser Air Zermatt wurde 1968 gegründet, um die Flugrettung in der Region sicherzustellen. Sie ist eine Pionierin der alpinen Luftrettung und hat neue, internationale Standards gesetzt. In den USA – dem Entstehungsland der modernen Luftfahrt – wurde die Air Zermatt dreimal mit der höchsten fliegerischen Auszeichnung, dem «Heroism Award», ausgezeichnet. Der erste Helikopter war eine Agusta-Bell 206A Jet-Ranger. Im Jahre 1969 folgte eine SA 316 Alouette III, die – als Novum in der Schweiz – mit einer Rettungswinde ausgerüstet war. Die Air Zermatt hat als Pionierin Zeichen gesetzt: 1971 erfolgte die Rettung von 70 Personen aus einer Luftseilbahnkabine, die 240 m über Grund stecken geblieben war. Aus dem gleichen Jahr stammt die Direktrettung in der berüchtigten Eigernordwand mit einer SA 315 B Lama sowie die erste Nachtrettung. 1973 wurden in Zermatt erstmals auf einer Rettungsbasis Ärzte fest angestellt.
Der Rettungsdienst der Air Zermatt fliegt pro Jahr rund 2000 Helikopter-Rettungseinsätze und führt ungefähr 1000 Ambulanzeinsätze aus. Im kommerziellen Bereich bietet das Unternehmen unterschiedlichste Dienstleistungen an: u. a. Transporte, Film-, Montage- und Personenflüge. Seit der Gründung wurden total über 57’000 Rettungen durchgeführt und ebenfalls auf 50’000 beläuft sich die Zahl der jährlichen Transportflüge mit Unterlasten.
Die Flotte umfasst 11 Helikopter. Seit 2020 sind die Air Zermatt und Air-Glaciers unter dem gleichen Dach. Die Unterwalliser Air-Glaciers ist weiterhin als selbständiges Unternehmen und mit eigenem Brand tätig und betreibt Basen in Sion, Collombey, Saanen und Lauterbrunnen.
Die Air Zermatt ist ein relevanter Arbeitgeber im Kanton Wallis. Das Unternehmen beschäftigt auf den drei Basen in Gampel, Raron und Zermatt sowie auf dem Flugplatz in Sion gesamthaft rund 75 festangestellte Mitarbeitende und eine grosse Anzahl Freelancer.
Weitere Infos unter: www.Air-Zermatt.ch
Über Air-Glaciers
Die 1965 gegründete Air-Glaciers entstand aus dem Wunsch heraus, Leben zu retten. Heute betreibt Air-Glaciers sechs Basen in der Romandie und der Deutschschweiz, von denen aus die Besatzungen zu Rettungen, Passagierflügen und Transporten starten. Über das Ausbildungszentrum und die Flugschule bietet Air-Glaciers auch medizinische, technische und fliegerische Aus- und Weiterbildungen an.
(pd, rm)
(Fotos: Air Zermatt)



