
Kafka und Rilke im Goms: Weltliteratur mit EletropopNeue Musik am MEbU
Am Sonntag, dem 11. Januar bringen UMS’nJIP (Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen) ihren Zyklus „kafka“ um 19 Uhr 30 am MEbU (Münster Earport) im Goms zur Uraufführung.
„kafka“ ist ein Konzertprogramm mit Vertonungen von 6 Kurzerzählungen des deutsch-tschechischen Autors Franz Kafka, gefolgt von Rilkes berühmten Panther, auf welchen sich Kafkas Novelle „Der Hungerkünstler“ direkt bezieht.
Weltliteratur sowie subtilste vokale und instrumentale Klangfarben mischen sich mit UMS’nJIP’s Electropop zu einem einmaligen Konzerterlebnis.
UMS’nJIP gehören mit über 300 Auftragswerken und 1500 Konzerten in 40 Ländern sowie mit 35 internationalen Auszeichnungen zu den aktivsten Ensembles für Neue Musik der Gegenwart.
Dies mit Aufführungen überall zwischen dem Liceu Barcelona, Steghi Athen, Alexandrinsky St. Petersburg, CRR Istanbul, Palacio de Bellas Artes Mexico City, Colón Buenos Aires, der Shanghai New Music Week, Biennale Venedig und Binn/VS.
2022 ließen sie sich im Goms nieder und gründen mit dem MEbU (Münster Earport) unweit des Rhonegletschers einen Kunstraum für zeitgenössische Musik.
Der Eintritt zum Konzert ist frei, um Reservation wird gebeten. http://mebu.umsnjip.ch
Über das Programm
UMS’nJIP’s erste Begegnung mit Kafka war „Die Verwandlung“.
Ihre Reaktion darauf: Verwirrung — und Faszination über Kafkas Präzision, Beobachtungsgabe, Differenzierung und Multiperspektivität.
Später kamen die gesammelten Erzählungen dazu, und seitdem haben sie Kafkas Texte nicht mehr losgelassen.
Wichtige Werke verschiedener Komponisten, deren Uraufführungen ihnen anvertraut wurden, setzten sich mit Kafka auseinander: Beat Gysins Marienglas etwa mit Das Schloss, oder Thorsten Töpps à rien mit Kafkas letztem Tagebucheintrag. Kafka ist im Übrigen auch der Autor, den JIP als erstes je vertont hat.
So sind in diesem Kafka-Zyklus sechs seiner Lieblingserzählungen zu einem durchkomponierten Werk zusammengefaßt.
1. Zerstreutes Hinausschaun
2. Nachts
3. Ich bin zurückgekehrt
4. Wunsch, Indianer zu werden
5. Das nächste Dorf
6. aus: Der Hungerkünstler
Die Erzählungen sind bis auf die 3. Ich bin zurückgekehrt und 6. Der Hüngerkünstler, äusserst kurz, meist nur wenige Zeilen lang. Der Hungerkünstler ist textlich gestrafft. Bemerkenswert ist dessen Schluß; im Käfig, in welchem der Hungerkünster vergessen verendet, wird später ein Panther eingesperrt. Der Verweis auf Rilkes Panther ist offensichtlich. Kafka kannte Rilkes Schaffen, zudem sind beide im deutschsprachigen Milieu Prags großgeworden.
kafka ist über mehrere Jahre modular für Stimme, Blockflöte, Zuspielband (und wahlweise auch kleines Instrumentalensemble – Fl, Cl, Vle, Vc) entstanden. Das Zuspielband ist immer präsent und etabliert zugleich den Raum, in welchem Klangereignisse – live und ab Band – geschehen. Diese verhalten sich wie Objekte, deren Präsenz im Raum sich erst über die Zeit erschliessen. Diese Objekte sind leise, einzelne Klangcluster oder Melodielinien, sich entwickelnd oder ins Leere verebbend – einer Versuchskonstellation gleichend, metaphorisch für die in den vertonten Texten ausgesprochenen, in der Regel vergeblichen Wünsche.
Javier Hagen/JIP
kafka
6 Erzählungen von Franz Kafka und ein Gedicht von R.M. Rilke
für Stimme, Blockflöten und Elektronik, 2020-2025, UA
1. Zerstreutes Hinausschaun
2. Nachts
3. Ich bin zurückgekehrt
4. Wunsch, Indianer zu werden
5. Das nächste Dorf
6. aus: Der Hungerkünstler
Epilog: Der Panther (Rilke)
Mitwirkende
Ulrike Mayer-Spohn, Blockflöten/Elektronik
Javier Hagen, Stimme/Elektronik
(pd, rm)



