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Heimarbeit wird massiv eingeschränkt, Präsenzpflicht
Lonza-Jobs in Visp neu mit PräsenzpflichtHeimarbeit wird massiv eingeschränkt, Präsenzpflicht

Lonza-Jobs in Visp neu mit Präsenzpflicht

Heimarbeit wird massiv eingeschränkt, Präsenzpflicht
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Einst hochgepriesen, insbesondere während der Corona-Zwangsmaßnahmen, wird nun bei der Heimarbeit zurückgerudert. Der Pharmazulieferer Lonza verschärft seine Präsenzregeln für Mitarbeiter und schränkt die Möglichkeiten für Heimarbeit deutlich ein.

Präsenzpflicht

Der Lonza-Standort in Visp ist der größte und älteste Standort in einem weltweiten Netz von mehr als 30 Standorten. Nun gilt etwas neues für die Mitarbeiter. Fast 5.000 arbeiten am Standort Visp, die letzten Zahlen auf der Webseite von Lonza sind von 2024, damals waren es 4.700 Angestellte. Der Blick sprach letztes Jahr von rund 5.000 Personen.

Wie das Portal Inside-Paradeplatz.ch berichtet, sollen Angestellte mit Büroarbeitsplätzen künftig nur noch maximal 20 Prozent ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus leisten dürfen. Für Mitarbeiter in Produktion, Laboren und anderen technischen Bereichen gilt ab dem 1. Juli wieder Präsenzpflicht am Arbeitsort.

Alle Mitarbeiter, „deren Hauptarbeitsplatz sich in einer Produktionsstätte, einem Labor oder einer anderen technischen Einrichtung befindet“, so verlautete es von der Lonza-Brücke.

Begründung von Lonza

Laut der internen Mitteilung begründet das Unternehmen den Schritt mit einer stärkeren Zusammenarbeit vor Ort. Persönliche Begegnungen würden Kommunikation, Problemlösung und Innovation erleichtern und führten zu besseren Ergebnissen als Zusammenarbeit über Bildschirme, heißt es darin.

Die Ankündigung sorgte intern offenbar für erhebliche Diskussionen. Nach Angaben von Inside-Paradeplatz wurde die Mitteilung innerhalb weniger Stunden tausendfach aufgerufen und von zahlreichen Mitarbeitern kommentiert. Besonders kritisiert werde, daß bestehende Hybridarbeitsmodelle eingeschränkt würden.

Kritik an längeren Präsenzzeiten

Ein betroffener Mitarbeiter verwies laut dem Bericht darauf, daß er ursprünglich für eine Stelle mit höherem Heimarbeitsanteil eingestellt worden sei. Die neue Regelung bedeute für ihn deutlich längere Präsenzzeiten und zusätzliche Belastungen im Familienalltag. Andere äußerten die Sorge, die strengeren Vorgaben könnten sich negativ auf die Attraktivität des Unternehmens im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte auswirken.

Welche Heimarbeitsregelungen konzernweit vor der neuen Weisung galten, ist nicht ganz klar. Aus den internen Reaktionen geht jedoch hervor, daß zumindest einzelne Gruppen bisher flexiblere Arbeitsmodelle nutzten.

Begründung der Konzernleitung im Wortlaut

Laut dem Portal stünde Dr. Wolfgang Wienand nach einem Einbruch der Aktie unter Druck. Der Mann an der Spitze von Lonza, der laut der Ethos-Stiftung fast 6 Millionen Franken Salär hat, muß Ergebnisse, Leistung zeigen, die die Aktionärs-Vertreter von ihm erwarten. Allerdings scheinen diese – ungeachtet des Aktienkurses – aktuell vorhanden zu sein, denn die Dividende wurde jüngst erst um 25% erhöht, wie Lonza bekanntgegeben hatte. (Walliser Zeitung berichtete)

Wienand gab gemeinsam mit seiner Personalverantwortlichen folgende Begründung für die neue Präsenzpflicht:

„Der Schlüssel zu hoher Leistung liegt darin, daß Menschen effektiv miteinander kommunizieren, zusammenarbeiten, gemeinsam Neues schaffen und Probleme gemeinsam lösen.“

„Das gelingt einfacher und mit besseren Ergebnissen persönlich vor Ort als über Bildschirme.“

Studien: Heimbüro für Laborarbeit ungeeignet

Ungeachtet dessen, ob die Ausführungen auf IP stimmen, daß der Chef Wienand unter Druck ist, so ergibt die Suche nach Studien allerdings das Ergebnis, das KI so zusammenfaßt (kursiv):

„Die wissenschaftliche Lage ist ziemlich klar:

  • ✔ Kommunikation ist im Büro oft direkter und spontaner
  • ✔ Heimarbeit kann Kommunikation strukturierter, aber weniger informell machen
  • ✖ Die Aussage „vor Ort immer bessere Ergebnisse“ ist nicht allgemein belegt
  • ✔ Es hängt stark ab von:
    • Aufgabe (kreativ vs. fokussiert)
    • Teamstruktur
    • Führungsqualität
    • digitaler Infrastruktur“

Nicht jede Arbeit läßt sich gleich gut ins Heimbüro verlegen, so KI:

Gut geeignet seien:

  • Schreiben, Analysieren, Programmieren
  • Buchhaltung, Reporting
  • viele Formen von Wissensarbeit
  • Aufgaben mit klaren Ergebnissen statt ständiger Abstimmung

👉 Grund: Man braucht wenig direkte Abstimmung in Echtzeit und kann konzentriert arbeiten.

Schlecht geeignet sind hingegen:

  • Laborarbeit, Produktion, Fertigung
  • Tätigkeiten mit physischer Präsenzpflicht
  • stark koordinierte Teamarbeit in Echtzeit
  • kreative Workshops mit hoher Interaktion

👉 Grund: physische Präsenz oder sofortige Abstimmung ist notwendig.

Eine gemeinsame Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und der deutschen Techniker-Krankenkasse (TK) kommt zu dem Ergebnis, daß das Arbeiten im Homeoffice im Vergleich zur Arbeit im Büro rund 20 Prozent produktiver ist.

Die Gesamtproduktivität steigt jedoch weniger stark, weil fachlicher Austausch und informelle Gespräche vor allem im Büro stattfinden. Nur eine ausgewogene Kombination und die Nutzung der Vorteile beider Arbeitsorte führen zu insgesamt positiven Produktivitätseffekten. Wenn zu viel Zeit im Heimbüro gearbeitet wird, sinkt die Produktivität wieder. Dieser Kipppunkt liegt laut der Studie bei einem Heimarbeits-Anteil von etwa 60 Prozent.

Weiterführendes, Quellen

Lonza gibt Ergebnisse der Generalversammlung 2026 bekanntAlle Anträge des Verwaltungsrates wurden genehmigt

Deutsche Gründlichkeit bei Lonza: Fertig Heimarbeit

(pd, rm)

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