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Erneute Eskalation zwischen Italien und der Schweiz
Empörung in Italien wegen hoher Rechnungen vom Spital WallisErneute Eskalation zwischen Italien und der Schweiz

Empörung in Italien wegen hoher Rechnungen vom Spital Wallis

Erneute Eskalation zwischen Italien und der Schweiz
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Das Spital Wallis schickte den Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana Rechnungen. Diese 3 italienischen Familien zugestellten Rechnungen zwischen 17’000 und 66’800 Franken sorgten für große Verunsicherung bei den Opfern.

Doch nicht nur, daß das Spital – anders als offenbar andere Schweizer Spitäler – das tat, zog den Zorn Italiens auf die Schweiz, sondern auch die Höhe der Rechnungen sorgte im Nachbarland für Negativschlagzeilen.

Und rief abermals die höchste Politik auf den Plan. Gleich zweimal hatte die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni die Schweiz und das Wallis in den letzten Tagen wegen der Spitalrechnungen, die italienischen Brandopfern von Crans-Montana vom Spital Wallis zugestellt wurden, massiv angegriffen.

Meloni schrieb am 24. April auf X:

Ich entnehme Presseberichten, daß die Schweizer Behörden beabsichtigen, Italien zur Zahlung der überhöhten medizinischen Kosten aufzufordern, die das Krankenhaus in Sitten für die – teils nur wenige Stunden dauernden – Behandlungen einiger Jugendlicher getragen haben soll, die beim Brand in Crans-Montana verletzt wurden.

Sollte diese ungeheuerliche Forderung tatsächlich formalisiert werden, kündige ich bereits jetzt an, daß Italien sie an den Absender zurückweisen und keinerlei Folge leisten wird.

Ich vertraue auf das Verantwortungsbewußtsein der Schweizer Behörden und hoffe, daß sich diese Nachricht als völlig unbegründet erweist.

Meloni: 70.000 Euro für wenige Stunden Behandlung im Spital Wallis

Am 21. April schrieb sie davor zudem wörtlich:
Ich war schockiert über die Nachricht von Rechnungen in Höhe von mehreren zehntausend Euro, die ein Schweizer Krankenhaus an die Familien einiger Jugendlicher geschickt hat, die in den Neujahrsbrand in Crans-Montana verwickelt waren.

Ein Krankenhaus in Sitten ist sogar so weit gegangen, über 70.000 Euro für nur wenige Stunden Krankenhausaufenthalt zu verlangen. Eine Beleidigung und zugleich ein Hohn, den nur eine unmenschliche Bürokratie hervorbringen konnte.

Ich habe mit unserem Botschafter gesprochen: Die Schweizer Behörden haben versichert, daß es sich um einen Fehler handelt und daß die Familien nichts bezahlen müssen. Dennoch habe ich den Botschafter gebeten, in dieser Angelegenheit höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen, denn es wäre unerträglich, wenn derartige Kosten auf die Opfer oder auf Italien abgewälzt würden.

Die italienische Regierung erneuert ihre Solidarität mit den betroffenen Jugendlichen und ihren Familien und wird weiterhin alles Notwendige tun, um die Tragödie aufzuklären und die Verantwortlichkeiten festzustellen.“

Der X-Post von Meloni wurde über 1,3 Millionen mal gelesen.
Der X-Post von Meloni wurde über 1,3 Millionen mal gelesen und erschien auch in anderen Kanälen von Meloni, so etwa auf Facebook.

Erst kurz vor Melonis Post auf X, hatte sich der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado  mit dem Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard getroffen und hierbei auch die Übernahme von Spitalkosten besprochen.

Dann verschickte das Spital Wallis Rechnungen. Unter anderem geht es um einen Betrag von 100 000 Franken, welcher vom Spital Wallis berechnet wurde für einen Spitalaufenthalt von 3 Personen.

Kaltherzig?

Die Spitalrechnungen, die an die Privatadressen der Opfer von Crans-Montana gesandt worden waren ließen in Italien abermals das Bild einer kaltherzigen, bürokratischen Schweiz entstehen.

Pikant: Während die Opfer gemäß Medienberichten auf angeforderte Krankenakten vergeblich warten, ging es beim Versand der hohen Rechnungen schnell.

Meloni empörte sich auf  X: „Eine Beleidigung, die nur eine unmenschliche Bürokratie hervorbringen kann.“

Somit hat der Kanton Wallis und die Schweiz nun erneut Negativschlagzeilen im Umgang mit der Brandkatastrophe.

Auch andere Kantone und andere Länder behandelten Opfer der Brandkatastrophe. Von einem Versand von horrend hohen Rechnungen an die Opfer ist hier nichts bekannt.

Dienststelle für Gesundheitswesen: Familien waren informiert

Die Walliser Dienststelle für Gesundheitswesen ließ verlauten, die Familien seien bereits Ende Februar bis Anfang März schriftlich über das Vorgehen informiert worden, falls sie entsprechende, für sie nicht zahlungspflichtige Rechnungen erhalten.

Es ist sicher rechtsstaatlich, daß behandelte Patienten Kopien von Behandlungskosten-Rechnungen erhalten; allein schon, damit sie diese einsehen können. Allerdings ist es geschickt, diese einfach zu verschicken ohne einen Vermerk, daß die als „Rechnung“ betitelten Schriftstücke nicht von den Opfern bezahlt werden müssen, sondern Versicherungsmechanismen greifen werden? Dies vor allen Dingen vor dem Hintergrund der ohnedies angespannten Situation.

Ob dies geschickt war, fragt auch die NZZ:

Den Patienten keine Rechnungskopien zustellen?

Möglicherweise hätte es auch Vorwürfe gegeben, wenn diese Kopien zurückbehalten wären, wobei sich andererseits fragt, warum andere Spitäler, die auch Brand-Opfer von Crans-Montana behandelten, offenbar keine Kopien versandt hatten.

Welches Vorgehen ist richtig?

Manchmal ist es, egal, wie man es macht, falsch – gerade in einer aufgeheizten Situation wie dieser.

(rm)

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