
Motion für den WolfStiftung fordert mehr Schutz für den Wolf
Der Wolf polarisiert weiter. Und während die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden weit höher ist als von einem Wolf getötet zu werden, haben dennoch viele Angst. Immerhin ist es ein Großraubtier. Auch gibt es Schafsrisse. Doch wenig beachtet wird, daß der Wolf nur für 2% der toten Schafe „verantwortlich“ ist.
In der vergangenen Woche stimmten während des IUCN-Weltnaturschutzkongresses die Mitglieder und Staaten der IUCN mit überwältigender Mehrheit für die Motion „Upholding science-based wildlife conservation in Switzerland“ (Motion 142).
Diese wurde von der Schweizer Organisation Gallifrey Foundation eingereicht, um den Schutz der Wildtiere – insbesondere der Wölfe – zu verteidigen.
Die Motion unterstreicht die Besorgnis über das aktuelle Wildtiermanagement der Schweiz, nachdem in einem nationalen Referendum im Jahr 2020 beschlossen wurde, den Wolf unter besonderem Schutzstatus zu belassen.
Motion 142 fordert die Schweiz, die Gastgeberin zahlreicher Naturschutzorganisationen ist, auf, ihre internationalen Verpflichtungen zu respektieren und die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse beim Management geschützter Wildtiere – insbesondere der Wölfe – anzuwenden.
Sie betont die Notwendigkeit, nicht-tödliche Maßnahmen zu priorisieren und gesunde Ökosysteme wiederherzustellen.
Die Stiftung schreibt dazu:
Noch nie war es für Westeuropa so wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen und der Welt zu zeigen, dass es bereit ist, die notwendigen Schritte für eine echte Wiederherstellung der Natur zu unternehmen – anstatt lediglich andere dazu aufzufordern, das zu tun, was man selbst nicht praktiziert.
Die Annahme dieser Motion erkennt an, daß Entscheidungen im Naturschutz zunehmend von politischer Zweckmäßigkeit statt von unabhängiger Wissenschaft und internationalen Verpflichtungen geleitet werden, welche Faktoren wie genetische Biodiversität, ökologische Tragfähigkeit oder ökologische Integrität berücksichtigen.
Sie unterstreicht den dringenden Bedarf an einem koordinierten und wissenschaftlich fundierten Schutz dieser ikonischen Raubtiere – mit dem Schwerpunkt auf Koexistenz statt Tötung. Bedenken im Zusammenhang mit der Schweizer Politik gegenüber Wölfen und Wildtieren:
• Die kürzlich geänderte Gesetzgebung (JSV und JSG) lockert den Abschuß von drei unter nationalen und internationalen Übereinkommen geschützten Arten – Wölfen, Bibern und Steinböcken.
• Wölfe können nun während acht Monaten im Jahr legal ins Visier genommen werden – sowohl proaktiv durch Wildhüter und/oder von den Kantonen ausgebildete Jäger als auch reaktiv, unter Druck von Schafhalteren und Landwirten, ohne daß für jeden Einzelfall eine Zustimmung des BAFU (Bundesamt für Umwelt) erforderlich ist.
• Wölfe, deren Kernlebensraum im Nationalpark und erweitert im angrenzenden UNESCO-Biosphärenreservat liegen, wurden ausgerottet, und eine parlamentarische Motion fordert die Aufhebung von Jagdverboten für Wölfe in weiteren Schutzgebieten.
• Bis zu zwei Drittel aller in diesem Jahr geborenen Welpen sind derzeit für die Abschussplanung vorgesehen – mit begründeten und unbegründeten Schadensmeldungen an Nutztiere als Rechtfertigung.
Ganze Rudel sollen in den Kantonen Wallis, Waadt, Tessin und Graubünden ausgelöscht werden. Insgesamt sind 86 Wölfe von der proaktiven Regulierung 2025–2026 betroffen, davon 73 Welpen.
Dabei ernähren sich Wölfe überwiegend von wildlebenden Huftieren und sind für weniger als 2 % der Nutztierrisse verantwortlich. • Von der Regierung genehmigte Abschüsse machen inzwischen 70 % der gesamten dokumentierten Wolfssterblichkeit in der Schweiz aus – eine Quote, die 2,6-mal höher liegt als in den USA (27 %) und größtenteils auch über dem europäischen Durchschnitt. Warum ist das wichtig?
• Die Wolfspopulation in der Schweiz bleibt gefährdet. Tatsächlich ist der Schweizer Alpenkorridor von entscheidender Bedeutung für die Ausbreitung der Art und den genetischen Austausch sowie für die Erhaltung eines günstigen Erhaltungszustandes der Population, wie er durch internationale Übereinkommen vorgeschrieben ist.
• Die Ökosysteme und Arten der Schweiz befinden sich ebenso wie jene in Westeuropa im Rückgang. Auf EUEbene weisen nur 27 % der Artenbewertungen einen guten Erhaltungszustand auf, während 63 % einen unzureichenden oderschlechten Erhaltungszustand haben. Nur 6 % aller Arten zeigen sich verbessernde Trends.
Die EU hat ihr Ziel für 2020, den Erhaltungszustand der geschützten Arten und Lebensräume zu verbessern, verfehlt.
Landwirtschaft, Zersiedelung, Forstwirtschaft und Verschmutzung gehören zu den am häufigsten gemeldeten Belastungen für Arten.
Wir müssen die Erholung fördern, nicht behindern. „Motion 142 stellt eine entscheidende und zeitgerechte Stellungnahme der Naturschutzgemeinschaft dar. Sie bekräftigt, dass das Wildtiermanagement auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und ethischen Grundsätzen des Naturschutzes beruhen muss. Die Instrumentalisierung oder Verfolgung von Wildtierarten zu politischen Zwecken ist mit diesen Grundsätzen unvereinbar und muss unmissverständlich abgelehnt werden. Tödliche Kontrolle stellt keine akzeptable oder wissenschaftlich fundierte Managementlösung dar“, erklärt Dr. Geraldine Werhahn, Ko-Vorsitzende der „IUCN SSC Canid Specialist Group“.
Die natürliche Rückkehr der Wölfe nach Europa ist ein bemerkenswerter Naturschutzerfolg und bietet eine seltene Gelegenheit, die Biodiversität, die ökologische Integrität und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme wiederherzustellen.
Dennoch bleibt die Wiederansiedlung der Wölfe unvollständig: eine fortgesetzte Unterstützung ihrer Wiederbesiedlung ist entscheidend, um lebensfähige, miteinander verbundene Populationen auf dem gesamten Kontinent zu sichern und ihre ökologische Rolle wiederherzustellen.
Diese IUCN-Resolution kann dazu beitragen, den Zustand der Natur in Europa zu verbessern, und erkennt gleichzeitig an, dass es einen wachsenden Bedarf an Koexistenzstrategien gibt, die den Menschen helfen, neu zu erlernen, wie man Seite an Seite mit der Natur lebt. Im Herzen Europasspielt die Schweiz eine entscheidende Rolle: Ihre Alpen-Wolfspopulation verbindet die nördlichen und südlichen Populationen. Als weit wandernde Tiere können Wölfe nicht von einzelnen Staaten allein betreut werden; eine wirksame Verwaltung erfordert grenzüberschreitende, wissenschaftlich fundierte Zusammenarbeit, die sich an ethischen Grundsätzen und einer langfristigen ökologischen Vision orientiert.
„Wir sprechen für die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung, die in einer nationalen Volksabstimmung für den besonderen Schutz der Wölfe gestimmt hat. Wenn das Leben solch sozial komplexer Tiere – die bereits durch eine geringe genetische Vielfalt gefährdet sind – auf dem Spiel steht, müssen wir uns auf die bestverfügbare Wissenschaft stützen. Wo Unsicherheit besteht, muss das Vorsorgeprinzip gelten, und jede Tötung ist unverzüglich einzustellen. Wie kann es sein, dass einige wenige nun den klaren demokratischen Willen des Volkes umstossen?“, betont Antoinette Vermilye, Mitbegründerin der Gallifrey Foundation.
Die Gallifrey Foundation unterstützt die laufende rechtliche Anfechtung gegen die Herabstufung des Schutzstatus der Wölfe, die von der Europäischen Kommission und dem Rat der Europäischen Union beschlossen wurde. (Siehe dazu die Pressemitteilung.) Der IUCN-Weltnaturschutzkongress, der alle vier Jahre stattfindet, wurde vom 9. bis 15. Oktober 2025 in Abu Dhabi abgehalten. Mehr als 10’000 Teilnehmende, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Naturschutz- und IndigenenOrganisationen, Regierungsbehörden, Wissenschaft, Jugendverbänden und der Privatwirtschaft, kamen zusammen, um die internationale Naturschutzpolitik festzulegen.
Stimmberechtigt über die eingereichten Anträge sind ausschließlich die Mitgliedstaaten und Mitglieder der IUCN.
Über die Gallifrey-Stiftung
Die Gallifrey-Stiftung ist eine in Genf ansäßige, gemeinnützige Organisation zum Schutz der Meere.
Sie konzentriert sich auf systemische Veränderungen an der Quelle, um eine positive Wirkung zu erzielen, und befaßt sich mit Themen wie – jedoch nicht beschränkt auf – Haifischschutz, Tiefseebergbau, Plastikverschmutzung und Chemikalien, Überfischung, Meeresstreitigkeiten und Meeresrechte, Walfang sowie Geschlechtergerechtigkeit im Zusammenhang mit Ozeanund Klimafragen.
Die Stiftung setzt sich darüber hinaus für den Schutz der Wölfe.

