Nebelspalter auf Abwegen«Frauen, gebärt für den Staat» — was für ein Unsinn!
Eine Kolumne von Thomas Baumann
Gestern begrüsste einen dieser Titel auf dem Webportal des Nebelspalters: «Ohne Abtreibungen wäre das Nachwuchsprobleme der Schweiz deutlich kleiner».
Unfreiwillig komisch oder bloss geschmacklos?
Die Zahlen: 2025 gab es in der Schweiz etwa 80’000 Geburten und 12’000 Schwangerschaftsabbrüche.
Wären diese 12’000 Schwangerschaften nicht abgebrochen worden, dann hätte es 12’000 Neugeborene mehr gegeben. So weit, so korrekt.
Ob das «Nachwuchsproblem» der Schweiz damit allerdings «deutlich kleiner» wäre, darf angesichts der Zahlen durchaus bezweifelt werden.
Schwangerschaftsabbrüche sind natürlich ein kontroverses Thema. Das liegt in der Natur der Sache: Das Recht auf Leben des ungeborenen Menschen steht dem körperlichen Selbstbestimmungsrecht der schwangeren Frau gegenüber.
Kinder für die AHV
Doch um das Recht auf Leben geht es im vorliegenden Artikel gar nicht, sondern um das Interesse der Gesellschaft oder des Staates, dass ‹ausreichend› Nachwuchs vorhanden sei.
Das vereinfacht die Gemengelage natürlich erheblich.
Eine schrumpfende Bevölkerung ist bekanntlich aus zweierlei Gründen nachteilig: Einerseits lässt sich so die Altersvorsorge nur mehr schwer oder gar nicht mehr finanzieren — und andererseits ist die Bereitstellung staatlicher Leistungen umso teurer, auf je weniger Menschen sie sich verteilen.
Zum Tangotanzen braucht es bekanntlich immer zwei. Wenn die Altersvorsorge ohne Beitragszahler nicht mehr funktioniert, dann fehlen nicht bloss die Beitragszahler, sondern das System ist, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, schlichtweg falsch konstruiert.
Konstruktionsfehler
Oder anders gesagt: Wenn es Probleme mit der Finanzierung gibt, ändere man die Finanzierung — und es gibt keine Finanzierungslücke mehr.
Letztlich ist es eine finanzielle Frage: Kinder haben ist nicht gratis. Zwingt der Staat Frauen, ihre Embryos auszutragen, dann bürdet er ihnen nicht unerhebliche finanzielle Kosten auf — mit dem Ziel, nebst anderem die Altersvorsorge zu finanzieren.
Genauso gut könnte der Staat auch Spezialkräfte ausbilden, die von Haus zu Haus gehen und sämtliche finanziellen Mittel, die sie vorfinden, konfiszieren. Im Ergebnis kein grosser Unterschied.
Denkt man die Idee, dass zum Wohle des Staates und der Gesellschaft Schwangerschaftsabbrüche verhindert werden sollen, zu Ende, dann kommt man, wie gesehen, zu allerhand unsinnigen Ergebnissen.
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