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Statt gefeiert wird bald geklettert
Neue Boulderhalle in Nendaz geplantStatt gefeiert wird bald geklettert

Neue Boulderhalle in Nendaz geplant

Statt gefeiert wird bald geklettert
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Von Yannick Ziehli

Im ehemaligen Club Le Lapin Vert wird künftig nicht mehr gefeiert, sondern gebouldert. Wo früher bis spät in die Nacht getanzt wurde, sollen bald konzentrierte Bewegungen den Rhythmus bestimmen. Mit Gravity Nendaz wollen Laura und Tanguy dem bekannten Ort ein neues Leben geben und in Nendaz einen Treffpunkt schaffen, der junge und junggebliebene Menschen auch ausserhalb der Hochsaison im Dorf hält.

Vom Nachtclub zum Boulderraum

Die Idee zur Boulderhalle entstand nicht zufällig. Tanguy kennt das Lapin Vert wie kaum ein anderer. Über Jahre hinweg prägte er als Betreiber das Nachtleben im Lokal. Irgendwann wuchs der Wunsch, Lebensrhythmus und Prioritäten zu verändern. «Es war Zeit für etwas Neues», sagte Laura im Interview. Der Drang nach einem familienfreundlicheren Projekt verband sich mit ihrer Leidenschaft für das Klettern. Schnell waren sich beide einig, dass der kulturelle Hotspot des Dorfes trotz der Schliessung des Clubs nicht verloren gehen soll. Er sollte in anderer Form weiterbestehen, aber im gleichen Geist und im Interesse der Gemeinde.

Laura klettert seit ihrem zehnten Lebensjahr. Im Interview beschrieb sie sich als unabhängige Frau mit vielen Ideen, die sich gerne für die Gemeinschaft engagiert, unter anderem bei der freiwilligen Feuerwehr. Zusammen mit dem unternehmerischen Know-how von Tanguy, der sich gerne von Grund auf in neue Vorhaben stürzt, nahm Gravity Nendaz rasch konkrete Formen an.

Es folgten intensive Planungsphasen, Kostenrechnungen und gestalterische Überlegungen. Entstanden ist ein Konzept, das bewusst über eine reine Sportstätte hinausgeht. Vorgesehen sind rund 300 Quadratmeter Fläche, davon etwa 110 Quadratmeter Boulderbereich, ergänzt durch eine kleine Restauration mit Getränken und leichter, gesunder Küche. Hinzu kommen Billardtische, Babyfoot und Darts für jene Momente, in denen die Unterarme vom Ziehen brennen und eine Pause willkommen ist.

Mehr als eine Sportstätte

Auch der Veranstaltungscharakter des Ortes soll erhalten bleiben. Konzerte lokaler Bands sind ebenso geplant wie thematische Abende. «Date-Bouldern» nennt Laura eines der Formate mit einem Augenzwinkern. Die Routen werden wöchentlich, jeweils freitags, neu geschraubt. Daraus soll sich ein lockerer After-Work-Moment entwickeln, bei dem die neuen Boulder gemeinsam entdeckt werden.

Die nächste Boulderhalle liegt rund 35 Minuten von Nendaz entfernt. Für Laura und Tanguy ist das Argument genug, um den Versuch zu wagen. Angesichts der Einwohnerzahl der Region, der touristischen Frequenz sowie der vielen Saisonniers sehen sie ein reales Bedürfnis. Vor allem aber soll das Angebot den permanenten Bewohnerinnen und Bewohnern dienen. Wer in Nendaz seine Heelhooks üben möchte, ohne auf gutes Wetter angewiesen zu sein oder eine längere Autofahrt in Kauf zu nehmen, soll dies künftig vor Ort tun können.

Ein Angebot für Einheimische und Gäste

Ein besonderes Augenmerk gilt den Jugendlichen. «Ich finde es schade, dass viele junge Menschen ihre Zeit nur noch vor Bildschirmen verbringen», sagte Laura im Interview. Gravity Nendaz soll eine Alternative bieten, einen sicheren Ort, an dem Bewegung, Selbstvertrauen und soziale Kontakte gefördert werden. Geplant sind Kurse für verschiedene Niveaus sowie Abende mit Fachpersonen. Bergführerinnen und Bergführer sollen regelmässig für Fragen rund um den Bergsport zur Verfügung stehen und Workshops anbieten.

Crowdfunding als nächster Schritt

Was auf den ersten Blick wie der Verlust eines Nachtlokals wirkt, soll sich langfristig als Gewinn für die Gemeinschaft erweisen. Das Projekt befindet sich derzeit in der Umsetzungsphase, finanzielle Mittel werden jedoch noch benötigt. Die Räumlichkeiten sind vorhanden, das Projekt ist gezeichnet und von den Behörden genehmigt, Sicherheitsfragen wurden mit spezialisierten Unternehmen umfassend geprüft. Über ein Crowdfunding sollen 50’000 Franken gesammelt werden, die direkt in den Ausbau und die Ausstattung von Gravity Nendaz fliessen. Die Kampagne ist bereits am Laufen und die Eröffnung ist je nach Fortschritt der Arbeiten für Spätsommer oder Frühherbst vorgesehen.

Dass das Projekt auf Interesse stösst, zeigt sich bereits jetzt. Obwohl die Halle noch nicht existiert, sind erste Bewerbungen eingegangen. Für Laura und Tanguy ist das ein ermutigendes Zeichen. «Die Menschen fragen uns regelmässig nach Neuigkeiten», sagte Laura. Es bestätige, dass das Interesse da sei und dass die Idee, dem ehemaligen Lapin Vert eine neue, zeitgemässe Funktion zu geben, den Nerv der Zeit trifft.

Link zum Crodfunding: Gravity Nendaz — Crowdfunding bei wemakeit


Bild oben: Laura und Tanguy planen mit «Gravity Nendaz» eine neue Boulderhalle im ehemaligen Club Le Lapin Vert.

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