
Reparieren statt ersetzenDie Worn Wear Snow Tour machte Halt in Verbier
Zwischen dem 24. und 26. März machte der Worn Wear Repair Truck von Halt in Verbier. Direkt vor dem Laden bot sich ein ungewohntes Bild. Statt Verkauf stand Instandsetzung im Zentrum. Besucher konnten beschädigte Kleidungsstücke abgeben und vor Ort kostenlos reparieren lassen.
Handwerk im Anhänger
Im Innern des kompakten, sorgfältig eingerichteten Wagens arbeiteten zwei Näherinnen beinahe ununterbrochen. Der Raum wirkt funktional, jedes Werkzeug hat seinen Platz. Am häufigsten landen Hosen und Jacken auf dem Arbeitstisch. Bei Hosen sind es vor allem beschädigte Beinabschlüsse, verursacht durch zu lange Schnitte oder den Einsatz von Steigeisen. Jacken hingegen bringen oft defekte Reissverschlüsse mit sich. Reparaturen, die im regulären Ladenbetrieb rasch Kosten von bis zu 150 Franken erreichen können, werden während der Tour kostenlos ausgeführt.

Zwischen Gebrauch und Erinnerung
Der Service ist Teil der Markenphilosophie, wie Vanessa Rueber vor Ort erklärt. Kleidungsstücke sollen möglichst lange genutzt werden. In vielen Fällen tragen sie eine persönliche Geschichte in sich. Eine Jacke begleitet über Jahre hinweg auf Touren, über Grate und durch Wetterumschwünge. Mit der Zeit verliert das Aussehen an Bedeutung. Entscheidend wird das, was sich mit dem Kleidungsstück verbindet.
Wer möchte, kann die Arbeit mit einer Spende würdigen. In Verbier war die Organisation Protect Our Winters präsent. Sämtliche Beiträge fliessen direkt an die NGO, ohne Beteiligung von Patagonia. Die Reparatur selbst bleibt eine Leistung ohne unmittelbaren finanziellen Gegenwert.
Diskrete Eingriffe
Auffällig bleibt die Haltung der Kundschaft gegenüber den Eingriffen. Die Möglichkeiten reichen von schlichten Ausbesserungen bis zu bewusst sichtbaren, gestalterischen Lösungen. Dennoch wünschen die meisten eine Reparatur, die sich möglichst unauffällig in das ursprüngliche Kleidungsstück einfügt. Kreative „Blätze“ wären technisch ohne Weiteres umsetzbar, werden jedoch selten nachgefragt.
Unterschiede zwischen den einzelnen Skiorten stellt das Team kaum fest. Ein anderes Bild zeigt sich bei Stopps ausserhalb der klassischen Wintersportorte. Für den 8. und 9. Mai ist ein Halt in Dorénaz/VS vorgesehen, wo insbesondere Kletterer mit stark beanspruchter Ausrüstung angesprochen werden.
Die Worn Wear Tour existiert seit 2013 und führt regelmässig durch verschiedene Alpenregionen. Nach Verbier macht der Repair Truck unter anderem Halt in Pontresina, wo die Idee der Reparatur ihren Weg fortsetzt.
Ein vor Ort abgegebener Reparaturleitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie sich typische Schäden selbst beheben lassen. Die Praxis der Instandsetzung wird damit über den Moment hinaus weitergegeben.
(yz)

