Ruag im DauersumpfFührungschwächen im VBS
Ein Meinungsbeitrag von Roger E. Schärer
Die Ruag-US-Tochtergruppe ist im Herbst von einer kriminellen Hackergruppe Akira angegriffen worden und bezahlte Lösegeld. Sie stahl vertrauliche Militärdaten und drohte mit einer Veröffentlichung. Nun ist die Zahlung an die kriminelle Hackergruppe von der Ruag öffentlich gemacht worden. Unerhört ist, dass VBS und damit Bundesrat Pfister nicht informiert wurden. Der Verwaltungsratspräsident Rötheli beruft sich auf die unternehmerische Eigenständigkeit der Ruag.
Cyberangriff nicht zum ersten Mal – Amigokultur und Walliserfilz
Seit langem steht die Ruag als Staatsbetrieb am Skandalpranger. Der Schwager von Amherds weit überbezahlter Walliser Beraterin Hauser-Suess war Verwaltungsratspräsident der Ruag und musste nach einigen Skandalen den Hut nehmen. Der heutige Verwaltungsratspräsident ist Jürg Rötheli. Noch unter Amherds VBS-Führung wurde er zum Nachfolger ernannt. Er war CEO der ORS-Gruppe, die sich mit der Unterbringung von Asylbewerbern beschäftigt und eine enge Nähe und Kooperation mit dem Bund zeigt. Rötheli hat weder die entsprechende Führungserfahrung noch die nötigen Kenntnisse für diese unter Druck stehende Ruag und diese Position. Einzig seine parteipolitische “Blutgruppe” in der Solothurner Mitte-Partei hat ihm zu dieser Amigo-Berufung verholfen.
N’oubliez jamais!
Die Ruag steht in einer Reihe von Skandalen. Bis anhin war der Bundesbetrieb ein Fass ohne Boden. Über Jahrzehnte stellte die Ruag dem Bund überhöhte Rechnungen. Mit dem größenwahnsinnigen Projekt Cyberabwehr war die Ruag überfordert, wollte im boomenden Cybersecurity-Markt mitmischen und verdampfte 100 Millionen Steuergelder. Man hatte erkannt, dass Cyber das zukünftige digitale Gefechtsfeld ist und wollte Unternehmensgewinne erzielen. Mit einem unfähigen Team wollte die Ruag die hohen Verluste ausgleichen. Ruag baute 32 Hightech-Mörser für 400 Millionen. Diese waren technisch bei Regen nicht einsatzfähig. Mit 10 Millionen wurden diese verschlimmbessert. Das nicht mehr nötige Gripen-Budget musste verschleudert werden. Die Frage stellte sich damals, Mörser gegen welche terrestrischen Bedrohungen im eigenen Gelände. Ruag plante eine skandalöse unternehmerische Expansion in die arabischen Emirate und Krisenregion und ritzte damit unsere Neutralität und traditionellen Werte. Die eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat schon mehrmals aufgezeigt, dass die Ruag ein korruptes Staatsunternehmen ist. Ein Walliser Kadermitglied aus Niedergestelen deklarierte wertvolle Panzer-Ersatzteile als billigen Schrott. Er verkaufte diese mit Millionenprofiten über die Firma seiner Frau nach Deutschland. Mitarbeiter der Ruag hatten auf diese Praktiken hingewiesen und wurden rausgemobbt.
Aktueller Hackerangriff von Akira
Aktuell sind die Systeme der Ruag-Tochterfirma LLC in den USA gehackt worden. Es ist unerklärlich, wie Akira diesen Angriff schaffte. Kriminelle Gruppen nutzen Schwachstellen in Netzwerksystemen wie Firewall- und VPN-Lösungen. Akira nutzt gestohlene Passwörter aus Phishing-E-Mails, besonders bei schlecht konfigurierten Systemen. Es sind wichtige militärische Daten gestohlen worden. Mit der erpressten Zahlung bestätigt der Verwaltungspräsident Rötheli, man habe „glücklicherweise“ alle Daten zurückbekommen. Dabei handelt es sich jedoch um Kopien. Es ist anzunehmen, dass die Täter die Daten trotz Zahlung behalten. Die erpresste Zahlung wird als gering bezeichnet (tiefer sechsstelliger Betrag). Das Bundesamt für Cybersicherheit empfiehlt ausdrücklich, kein Lösegeld zu zahlen. Aus dem Parlament kommen schockierte Reaktionen. Es wird kritisiert, dass die Schweiz dadurch erpressbar wird und die Kommunikation der Ruag verharmlosend sei. Die Ruag gilt weiterhin als anfällig für Cyberangriffe.
War Bundesrat Pfister informiert?
Es ist erhärtet, dass das VBS nicht über das Vorgehen der Ruag informiert wurde. Bundesrat Pfister wurde nicht miteinbezogen. Er steht in der Verantwortung. Bereits bei seiner früheren politischen Tätigkeit gab es Fragen zur Führungskompetenz. Wer in seinem Zuständigkeitsbereich nicht informiert wird, habe seinen Laden nicht im Griff. Zudem wird kritisiert, dass im Umfeld noch Strukturen aus der vorherigen Amtsführung wirken.
Konsequenzen
Das Bundesratsgremium, das Parlament, Geschäftsprüfungskommissionen und die Eidgenössische Finanzkontrolle müssen die Führung des VBS eng begleiten und bei der Ruag genau hinschauen. Unfähige Führungskräfte sollen ersetzt und zur Verantwortung gezogen werden. Es wird kritisiert, dass bisher selten Konsequenzen gezogen wurden. Hoffnung wird in eine verstärkte Aufarbeitung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle gesetzt.
Weiterführendes, Quellen
Direkte EFK-Berichte und offizielle Dokumente
EFK-Hauptbericht (Feb. 2025): https://www.efk.admin.ch/wp-content/uploads/publikationen/berichte/sicherheit_und_umwelt/verteidigung_und_armee/24192/24192_endgueltige_fassung_v04.pdf
EFK-Übersicht: https://www.efk.admin.ch/prufung/moegliche-betrugsaspekte/
Detaillierte Medienberichte
HSLU Economic Crime Blog: https://hub.hslu.ch/economiccrime/der-fall-ruag-der-umgang-mit-whistleblower-meldungen/
Blick Recherche: https://www.blick.ch/politik/verdacht-auf-betrug-urkundenfaelschung-und-geldwaescherei-haarstraeubende-missstaende-bei-ruag-blick-recherche-bestaetigt-aber-es-ist-noch-viel-schlimmer-id20622646.html
SRF: https://www.srf.ch/news/schweiz/millionenschaden-bei-ruag-ruag-um-millionen-betrogen
NZZ: https://www.nzz.ch/schweiz/finanzkontrolle-seziert-ruag-und-zeigt-versagen-auf-allen-stufen-ld.1872140
Plattform J: https://www.plattformj.ch/artikel/240034/
20 Minuten: https://www.20min.ch/story/ersatzteil-handel-panzer-deals-zu-spottpreisen-millionenschaden-fuer-die-schweiz-103288535
Rüstungs-/Branchenerfahrung
SRF Tagesschau: https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/ruag-mro-kritik-an-fehlenden-branchenkenntnissen-juerg-roethelis
admin.ch / RUAG: https://www.admin.ch/de/nsb?id=103323
RUAG: https://www.ruag.ch/de/news/27-11-24/juerg-roetheli-wird-neuer-praesident-des-verwaltungsrates

