
Vom Wallis nach LitauenWalliser Forschung unterstützt litauische Bildungsinstitutionen auf dem Weg zur Fachhochschule
Wie bringt man eine Bildungsinstitution auf Fachhochschulniveau? Mit dieser Frage befaßt sich der litauische Forschungsrat, das Pendant zum Schweizerischen Nationalfonds, im Auftrag des litauischen Bildungsministeriums.
Zu seiner Unterstützung wurden 30 Fachleute aus ganz Europa eingeladen, darunter auch Dr René Schumann, Professor am Institut für Informatik der HES-SO Valais-Wallis und ausgewiesener Experte im Bereich der universitären Forschung. Die Hochschule berichtet dazu.
In der Schweiz gibt es die Fachhochschulen erst seit rund 25 Jahren. Sie mussten einen langen und anspruchsvollen Akkreditierungsprozeß durchlaufen, um ihren heutigen Status zu erlangen.
Aufgrund der hohen Forschungsqualität an der HES-SO Valais-Wallis, insbesondere am Institut für Informatik, beauftragten die litauischen Hochschulen René Schumann mit einer externen Evaluation.
Ein anerkannter Experte für Lehre und Forschung
Lehre und Forschung bilden die beiden Grundpfeiler jeder Fachhochschule. Während die litauischen Hochschulen über fundierte Erfahrung in der Ausbildung verfügen, stehen sie beim Aufbau eigener Forschungseinheiten noch am Anfang.
Gemeinsam mit den internationalen Expertinnen und Experten evaluierte René Schumann während einer Woche die geplanten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten dieser künftigen europäischen Fachhochschulen.
Im Rahmen dieser Evaluation besuchte er Einrichtungen in Vilnius, Klaipėda und Šiauliai. Zwei Schulen, die den Status einer Fachhochschule anstreben, wurden geprüft. Ziel war es, konkrete Empfehlungen zu geben, um die Vorbereitung auf die definitive Beurteilung im Jahr 2028 zu unterstützen.
«Ich war sehr beeindruckt von der grossen Transparenz der besuchten Einrichtungen. Ich hatte Einblick auf allen Ebenen, vom Rektorat bis zu den administrativen Mitarbeitenden», faßt Dr. René Schumann zusammen. Der Fokus der Evaluation lag bewusst auf dem Forschungsbereich, um die Institutionen beim Aufbau einer nachhaltigen wissenschaftlichen Forschungskultur zu begleiten.
Litauen hat beschlossen, sein Bildungswesen anpassen
Unterrichten ist ein Beruf, Forschen ein anderer. An Fachhochschulen müssen die Dozierenden beide Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Entsprechend hoch ist der Druck in der Forschung, da Stellen und Projekte über eingeworbene Drittmittel finanziert werden.
Litauen hat sich entschieden, sein Bildungssystem grundlegend zu reformieren, und investiert dafür erhebliche Mittel.
Damit Schulen Bachelor- und Masterabschlüsse verleihen dürfen, müssen sie die Qualität ihrer Forschung nachweisen. Forschung aufzubauen, ohne über entsprechende Strukturen und Erfahrung zu verfügen, ist dabei eine große Herausforderung.
Finanzierungsquellen erschließen, qualifizierte Gruppen aufbauen, Forschungsprojekte durchführen, Ergebnisse publizieren und an internationalen Konferenzen präsentieren: Für Lehrkräfte, deren Schwerpunkt bisher auf der Ausbildung lag, sind dies neue Anforderungen, die tiefgreifende organisatorische und strategische Anpassungen mit sich bringen.
Langfristig wird dieser Paradigmenwechsel Litauen internationale Anerkennung verschaffen und die europäische Forschungslandschaft bereichern.
Kreuzgutachten (Peer Review) als Instrument der Qualitätssicherung
Im Rahmen der Evaluation knüpfte René Schumann zahlreiche Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern europäischer Fachhochschulen.
Der fachliche Austausch, die Vernetzung auf europäischer Ebene sowie die Sichtbarkeit der Forschungstätigkeiten der HES-SO Valais-Wallis standen dabei klar im Vordergrund.
«Diesen Institutionen zu helfen, Fehler zu vermeiden, die andere bereits gemacht haben, ist eine sehr sinnvolle Art, der Forschung zu dienen», erklärt René Schumann. Das freiwillige Kreuzgutachten–Verfahren ermöglichte es ihnen, den eingeschlagenen Weg zu überprüfen und bei Bedarf vor dem Schlußaudit 2028 anzupassen.
Neben der Forschung wurden auch die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Reform, die institutionelle Tragfähigkeit sowie der strategische Entwicklungsplan analysiert.
Diese sorgfältige Vorarbeit schafft eine solide Grundlage für künftige Kooperationen. So könnten Litauen und das Wallis eines Tages gemeinsam an anwendungsorientierten Forschungsprojekten arbeiten.
(pd, rm)

