Sinnbefreites Amaudruz-BashingCéline Amaudruz hat kein Alkoholproblem
Ein Kommentar von Thomas Baumann
Gut, wirklich wissen kann man es natürlich nie. Es gibt viele heimliche Alkoholiker und Alkoholikerinnen.
Aber aus der Tatsache, dass Céline Amaudruz vor bald elf Jahren stockgesoffen mir ihrem Auto Schlangenlinien fuhr, lässt sich beileibe kein aktuell bestehendes Alkoholproblem herleiten, wie mein Kollege Massat insinuiert.
Egal, ob das nun aus der Feder von Kollege Massat oder den Eingeweiden einer künstlichen Intelligenz stammt.
Aus drei Gründen:
1. Selbst wenn Amaudruz vor vielen Jahren Alkoholikerin gewesen ist — Dinge können sich ändern im Leben. Es gibt viele trockene Alkoholiker.
2. Amaudruz ist Mutter zweier kleiner Kinder. Das ist sicherlich ein starkes Indiz, dass sie — falls sie jemals Alkoholikerin gewesen sein sollte — damit aufgehört hat. Klar, es gibt auch alkoholkranke Mütter. Es gibt aber gleich zwei Gründe, um mit dem Alkohol aufzuhören: Erstens, weil man Mutter werden will, was ja ein grösseres Lebensprojekt ist. Vor grossen Entscheiden wägt man meist nüchtern ab. Und zweitens, weil man Mutter geworden ist und sich gut um die Kleinen kümmern möchte.
3. Der Taxifahrer, welcher der Polizei die Alkoholfahrt meldete, beschrieb selber, dass Amaudruz Schlangenlinien fuhr. Insofern konnte sie eben genau nicht mehr autofahren. Kollege Massage hat also der KI schlichtweg die falsche Frage gestellt.
Kommen wir zur generellen Würdigung: Offenbar ist den Kritikern jedes Argument recht, um gegen Amaudruz zu schiessen — selbst wenn sich die Argumente diametral widersprechen.
Zuerst sprach ihre Mutterschaft gegen sie, dann ein angebliches Alkoholproblem — aber beide Argumente zusammen gehen kaum. Entweder ist sie Mutter — dann hat sie kein Alkoholproblem. Oder dann ist sie Alkoholikerin — und wäre entsprechend nicht Mutter.
Mutter, Alkoholikerin und noch Nationalrätin — ein bisschen viel, nicht? Wer sollte sich eine solche Rosskur antun?
Halten wir uns also besser an die Fakten: Amaudruz ist langjährige Vizepräsidentin der SVP, einer Partei die nachweislich gegen Frauenquoten und «Alibifrauen» ist.
Entweder hat die SVP also selber eine Alibi-Frau zu ihrer Vizepräsidentin gemacht — und ist damit so unglaubwürdig, dass überhaupt keiner ihrer Kandidaten gewählt werden sollte.
Oder die SVP behält ihre Glaubwürdigkeit und dann ist Amaudruz als langjährige Vizepräsidentin der Partei durchaus bundesratsfähig.
Oder etwas einfacher ausgedrückt: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wenn Amaudruz in den Augen der SVP als Partei-Vizepräsidentin taugt, dann taugt sie auch als Bundesrätin.
(Bild Céline Amaudruz: SVP CH)
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