
Drei Walliserinnen auf der Patrouille des Glaciers: «Don’t worry, ski happy»Bericht vom Hochgebirgsrennen
Von Yannick Ziehli
Virginie Morabito, Laetitia Michellod und Nadine Grandjean meisterten die legendäre Haute Route von Arolla nach Verbier – als Team und vor allem als Freundinnen.
Bereits vor drei Jahren fasste das Team «Les collants pipelettes» den Entschluss, an der Patrouille des Glaciers teilzunehmen. Damals machte ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Neue Ausgabe, neuer Name. Unter «Don’t worry, ski happy» wagten sich die drei Walliserinnen dieses Jahr erneut an die berühmte Haute Route. Die Bedingungen hätten kaum besser sein können. Nach der eintägigen Verschiebung des ersten Starts wegen Lawinengefahr präsentierte sich das Hochgebirge von seiner freundlichsten Seite.
Monate der Vorbereitung
Der Weg zum Start war bedeutend länger als das Rennen selbst. Monate voller Training, das sich in den Alltag drängte. Familie, Beruf und die Abstimmung der drei Terminkalender forderten ihren Tribut. Laetitia erzählt offen von Zweifeln: «Es gab Momente, in denen ich mich fragte, ob ich die ganze Distanz wirklich schaffen kann.» Doch genau diese gemeinsamen Touren schweissten das Team zusammen. Die geteilte Anstrengung schuf Vertrauen. Virginie nennt diesen Zusammenhalt den eigentlichen Motor des Projekts.
Kurz vor dem Start verschob sich die Stimmung. Die angestaute Anspannung wich der Euphorie. «Wir liefen zu schnell los und mussten das Tempo anpassen», erinnert sich eine der drei. Die Zeit war ohnehin zweitrangig: «Gemeinsam als Freundinnen das Ziel zu erreichen, das war unser Ziel.»
Logistik im Hochgebirge
Was für die Teilnehmenden wie eine natürliche Bewegung wirkt, basiert auf enormer Organisation. Die Armee übernimmt dabei die Hauptrolle: Planung, Logistik, Streckensicherung und Versorgungsposten im alpinen Gelände. Dazu kommt das Piquettieren der Route unter anspruchsvollen Bedingungen sowie die Zusammenarbeit mit zivilen Behörden und Spezialisten. «Wir waren beeindruckt vom Engagement der Organisatoren», sagt Virginie dankbar. «Man spürte ihre Präsenz, ohne dass sie aufdringlich wirkten.»
Der Rhythmus des Bergs
Mit den ersten Höhenmetern verschob sich der Fokus. «Don’t worry, ski happy» wurde zum Leitgedanken. Das Rennen wurde weniger zum Wettkampf, sondern zu einer Frage des richtigen Rhythmus. Beim langen Anstieg zur Rosablanche kumulierten Höhe, Dauer und Müdigkeit. «Das Ziel rückte näher, fühlte sich aber noch weit entfernt an», erinnert sich Virginie.
Gerade in diesen Momenten zeigte sich die Stärke des Teams. Nadine übernahm das Tempo, Laetitia motivierte, alle drei halfen sich gegenseitig. Oben angekommen empfing sie ein euphorisches Publikum, welches sie mit Glocken anfeuerte, die über den Hang hallten.
Auch ruhigere Passagen prägten sich ein. Nadine hebt die Querung des Lac des Dix hervor, die besonders durch ihre Länge forderte.
Die Rennzeit spielte zwar eine Rolle, blieb aber sekundär. «Le résultat est anecdotique», sagt Virginie. Wichtiger war das gemeinsame Ankommen. «Was zählt, sind die geteilten Trainings, die Freundschaft und die gegenseitige Unterstützung», ergänzt Laetitia.
Erstmals eigene Frauenkategorie
In diesem Jahr führte die Patrouille erstmals eine eigene Frauenkategorie ein. Für die drei Walliserinnen stand diese Neuerung nicht im Zentrum ihrer Motivation. Doch sie schätzen die Anerkennung. Die grosse Zahl an Teilnehmerinnen wird damit sichtbar gemacht. Ein längst überfälliger Schritt.
Ankunft in Verbier
Die letzten Meter begannen schon in der Abfahrt Richtung Verbier. Bekannte Gesichter am Pistenrand und lauter werdende Stimmen begleiteten das Trio und im Ziel warteten Familien und Freunde. Nadine spricht von einem ruhigen, tiefen Stolz, der sich erst später richtig entfaltete. Laetitia fasst es schlicht zusammen: «Wir sind zu dritt gestartet und zu dritt angekommen. Das zählt am meisten.»
Die Patrouille endet nicht mit der Ziellinie. Der Körper fordert seinen Preis und eine aufmerksame Erholung. Die Skitouren-Saison neigt sich nun auch für die drei Frauen dem Ende zu. Ob es eine Rückkehr geben wird? «C’est encore trop tôt», sagen die drei. Die Müdigkeit sitzt noch tief. Doch in ihren Worten schwingt bereits eine leise Richtung mit: die geteilten Wege und die Freundschaft könnten weitere Rennen fordern. Vielleicht beginnt hier bereits die nächste Patrouille.





