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Coiffeur und Plüschkamel
Gampel Openair 2026Coiffeur und Plüschkamel

Gampel Openair 2026

Coiffeur und Plüschkamel
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Von Aline Wultschnig

Ich war noch nie auf einem Festival. Zu laut, zu viele Leute, zu viel Alkohol – Dinge, die für mich bisher nicht nach einem erholsamen Wochenende klangen. Mit dem Gampel Openair 2026 hat sich dies geändert. Mein Erlebnisbericht: Diese Veranstaltung ist mehr als eine Musikveranstaltung. Sie ist Dorffest, Vergnügungspark, Konzert und ein spezieller Ort zum Campieren.

Angereist kommen die Leute mit Rucksäcken grösser als sie selbst, mit Mülltonnen voller Campingausrüstung, für deren Verlad der Shuttlebus die Rampe ausfahren muss oder einfach ganz locker mit Handtasche als Tagesgast. Der Campingplatz gleicht einem kleinen Dorf aus Dauercampern, die nur einige Nächte bleiben. Es gibt Planschbecken, aufblasbare Ecksofas, dekorierte Zelte. Eine Gruppe Männer in Campingstühlen, Bier in der Hand und nur mit Shorts bekleidet bietet Coiffeurdienste an – Glatze, Iro, Bowl Cut, Reverse Iro, kiss a homie; Währung: Bier. Ein paar Schritte weiter macht man beim Yoga mit oder definiert im Freiluft-Gym noch ein bisschen die Muskeln. Die Stimmung ist locker, alle scheinen ihre Zeit im kleinen improvisierten Gampel-Zeltdorf zu geniessen.

Aus diesem heraus locken vor allem die Künstlerinnen und Künstler, welche sowohl auf den zwei Stages als auch in den Bars und Discos für Stimmung sorgen. Das Gampel Openair ist eine ausgezeichnete Bühne für Musik aus dem Wallis, der Schweiz und von überall her. Kein Konzert gleicht dem anderen, musikalisch ein breiter Mix. Wo die Genderbüebu mit unvergleichlichem Pokerface und manchmal einem leichten Wippen des rechten Beines unverkennbar ihren Spass an der Musik zeigen, springt Zian in komplettem Kontrast dazu über die ganze Bühne. Einen Augenblick später befinde ich mich auch schon im Walliser Stadl mit z’Hansrüedi. Gleich danach schaue ich einem Mann vor mir zu, wie er zu den derben Liedern von Mehnersmoos drei Zigaretten gleichzeitig raucht. Falls sich jemand die Frage stellt: zwei im Mund und eine in der Nase. Gemeinsam haben anscheinend alle Acts das mittelgrosse Plüschkamel, das jemand mit unendlicher Kraft bei jedem Konzert auf den Stages in der ersten Reihe stundenlang in die Luft streckt. Auf dem ganzen Gelände, am Campingplatz, vor den Stages und in den Bars ist die Menge ausgelassen und hat gute Laune. Diese Stimmung steigert sich von Tag zu Tag, um ihren Höhepunkt am Samstag zu erreichen mit Bligg, Hecht, Marteria, um nur einige zu nennen. Die, die bis dahin vom Campieren, Haareschneiden, Tanzen und Kamel-Halten noch nicht erledigt waren, sind es spätestens jetzt.

Was das Gampel Openair für mich so speziell macht, ist, dass es trotz des Rufs weit über die Kantonsgrenzen hinaus ein Ort ist, an dem man Schulfreunde, die Nachbarn der Eltern und eine verflossene Liebe trifft. Vielen geht es nicht nur um die Musik. Es geht um gemeinsame Zeit mit Altbekannten und neuen Begegnungen. Hier wollen die Leute ihren Alltag loslassen, mal ganz anders oder ganz sich selbst sein. Das Gampel hat einen Ort dafür geschaffen: Es ist ein grosses Fest für ein kleines Dorf. Dieses Openair bringt nicht nur am Camping und auf der Bühne elegant den Spagat zwischen den Kontrasten zusammen. Organisiert wird es vom Verein Rock Hock – in einer 2000-Seelen-Gemeinde für rund 76’000 Besucherinnen und Besucher. Das scheint nicht die Schwäche, sondern die Stärke vom Gampel zu sein. Denn auch einem Festivallaien wie mir fällt sofort auf, dass hier unglaublich motivierte und freundliche Menschen arbeiten und mithelfen, allen eine gute Zeit zu bescheren. Ich habe jedenfalls schon vergessen, warum ich nie auf ein Openair gehen wollte und bin überzeugt, dass das sicher nicht mein letztes Festival war – und sicher nicht mein letztes Gampel.

OPen Air Gampel Aline

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