Medienkonferenz vom 17. Februar 2026Komitee sagt Nein zur "schädlichen Anti-SRG-Initiative"
Frankreich, Dänemark, Finnland, Island, Ungarn, Belgien, Niederlande, Estland, Georgien, Slowakei haben die Fernsehgebühren abgeschafft, einige dieser Länder kannten nie eine Zwangsabgabe für staatliches Fernsehen. Die Schweiz hingegen hat die höchsten Fernsehgebühren Europas und wohl auch der Welt, wobei gleichzeitig das Publikum der staatlichen SRF stark altert.
Trotzdem gibt es eine breite Gruppe von Befürwortern aus vielen unterschiedlichen Parteien. Ein Komitee aus Befürwortern traf gestern zu einer Medienkonferenz zusammen und trug seine Argumente vor. Das überparteiliche Komitee äußert sich wiefolgt:
Am 8. März 2026 stimmen wir über die Initiative «200 Franken sind genug» ab. Was wie ein simpler Sparvorschlag daherkommt, ist in Wahrheit ein massiver Abbau unseres medialen Service public in den vier Landessprachen und damit ein Angriff auf einen zentralen Pfeiler unserer Demokratie. Gerade für einen zweisprachigen Gebirgskanton wie das Wallis, der massiv vom Solidaritätsprinzip der SRG-Finanzierung profitiert, wäre eine Annahme fatal.
Konkret soll die Haushaltsabgabe von heute 335 Franken auf 200 Franken gesenkt und die Unternehmensabgabe vollständig abgeschafft werden. Dies hätte faktisch eine Halbierung der Medienabgabe zur Folge.
Ein solch krasser Einschnitt bei der SRG würde das Medienangebot massiv verkleinern, die unabhängige Berichterstattung wäre gefährdet, Desinformation würde gefördert. Gespart würde mit Sicherheit bei der Berichterstattung aus den Regionen. Regionalstudios müßten schließen und Regionen wie das Wallis würden in der nationalen Berichterstattung nur noch bei Großereignissen berücksichtigt.
Ein wichtiger Pfeiler der direkten Demokratie
Qualitativ guter Journalismus ist ein Pfeiler der direkten Demokratie. In politisch aufgeheizten Zeiten, in Krisen und im Alltag sind wir auf Medien angewiesen, die unabhängig und für alle zugänglich berichten. Die SRG erfüllt genau diese Aufgabe: Sie informiert täglich Millionen von Menschen in allen Landesteilen und Landessprachen, ordnet Ereignisse ein und ermöglicht es der Bevölkerung, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Mit einer Halbierung der Mittel könnte die SRG diese Rolle nicht mehr erfüllen. In einer Zeit, in der sich Falschnachrichten (Fake News) und Desinformation rasend schnell verbreiten, ist es fahrlässig, ausgerechnet jene Institution zu schwächen, die faktengeprüfte Informationen und neutrale Einordnungen bietet. Das Problem ist nicht die Konkurrenz zwischen der SRG und privaten Medien. Das Problem sind die internationalen Technologie-Giganten (Tech-Giganten), die Werbegelder und Aufmerksamkeit absaugen.
Zentrales Instrument für die nationale Kohäsion
Die SRG ist eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen den Sprachregionen und ein zentrales Instrument für die nationale Kohäsion. SRF, RTS, RSI, RTR und Swissinfo berichten aus den Regionen und für die Regionen, in den jeweiligen Landessprachen mit regional verankerten Redaktionen. Die Viersprachigkeit wird gelebt und die Vielfalt der Schweiz mit ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten und Perspektiven wird sichtbar. Ohne starke SRG besteht die Gefahr von Regionen ohne mediale Grundversorgung. Der Auftrag an die SRG, alle vier Landessprachen zu bedienen, ist kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, daß wir uns gegenseitig verstehen. Über den Röstigraben, den Gotthard und alle regionalen Unterschiede hinweg.
Kultur, Sport und Arbeitsplätze wären bedroht
Die SRG ist weit mehr als ein Informationskanal: Sie ist eine zentrale Kulturförderin, Partnerin des Schweizer Films, der Musik-, Literatur- und Festivalszene und eine unverzichtbare Plattform für den Sport, vor allem auch abseits der großen Ligen. Mit der Halbierungs-Initiative wären Schweizer Serien, Dokumentarfilme und Kulturformate sowie viele Live-Übertragungen von Kultur- und Sportanlässen stark bedroht. Der Wegfall von Hunderten Millionen Franken Wertschöpfung würde tausende Arbeitsplätze bedrohen, besonders in Regionen, die heute von SRG-Standorten profitieren. Wer von ein paar «überflüssigen» Sendungen spricht, verkennt die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der SRG.
Teilnehmende
• Léander Jaggi SRG Wallis
• Olivier Imboden Die Mitte Oberwallis
• Claudia Alpiger SP Oberwallis
• Philipp Loretan neo – Die sozialliberale Mitte
• Tobias Brantschen Grünliberale Wallis
• Brigitte Wolf Grüne
• Silvia Eyer Oberwalliser Gewerkschaftsbund
Léander Jaggi, Präsident SRG Wallis
«Die SRG produziert ein 4-sprachiges Medienangebot in 7 Haupt- und 17 Regionalstudios. Sie berichtet aus Regionen, wo keine anderen Medien mehr vor Ort sind, und erhält somit die Medienvielfalt. Dank der solidarischen Finanzierung über die Medienabgabe kann die SRG nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch für die italienische, französische und rätoromanische Schweiz ein hochwertiges Medienangebot produzieren.»
«Bei einer Annahme der Initiative müßte sich die SRG aus den Regionen zurückziehen. Sie müßte sich aus Kostengründen massiv zentralisieren und ihre regionale Verankerung aufgeben. Damit gäbe es deutlich weniger Regionaljournalismus, es würde kaum mehr vor Ort produziert. Die Sprachminderheiten und Randregionen würden darunter leiden: Sie hätten weniger Sichtbarkeit im Programm und es gäbe weniger Arbeitsplätze. Insgesamt würde das Programm der SRG an regionaler Vielfalt verlieren.»
Oliver Imboden, Großrat Die Mitte Oberwallis, Geschäftsführer (CEO) und Vizepräsident des Verwaltungsrates (VPR) Ulrich Imboden AG, Medienchef Open Air Gampel, Bauunternehmer in «Tschugger»
«Unterhaltung ist kein Luxus, sondern systemrelevant. Reichweitenstarke Formate wie Sportübertragungen, Serien wie «Tschugger» oder Sendungen wie «Landfrauenküche», «Happy Day» oder «Auf und Davon» schaffen Publikum, Werbeeinnahmen und gesellschaftliche Legitimation. Fallen diese Formate weg, fehlen nicht nur Unterhaltung, sondern auch Mittel für Nachrichtensendungen, Dokumentationen und investigative Recherchen. Information ohne Reichweite verliert ihre Wirkung.»
«Unternehmen haben Mitarbeiter, die auf Information, Orientierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt angewiesen sind. Für viele Firmen beträgt die Abgabe rund 900 Franken pro Jahr und ist im Verhältnis zu den Lohnkosten marginal. Eine funktionierende Medienlandschaft ist ein wichtiger Standortfaktor.»
Claudia Alpiger, Präsidentin SP Oberwallis, Großrätin SP, Stadträtin Brig-Glis
«In unserer direkten Demokratie stimmen wir regelmäßig über komplexe Vorlagen ab. Unabhängige Informationen als Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen sind deshalb sehr wichtig. Die SRG arbeitet nach klaren publizistischen Regeln und wird von Ombudsstellen und der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) kontrolliert. In Zeiten von Desinformation und KI-Fälschungen (Künstliche-Intelligenz-Fälschungen) wird die Rolle der SRG immer wichtiger. Wer die finanziellen Mittel halbiert, stärkt nicht die Medienfreiheit – sondern überläßt die öffentliche Debatte globalen Plattformen und privaten Interessen.»
«73 % der politisch interessierten 15- bis 34-Jährigen nutzen regelmäßig SRG-Onlineangebote. Auch junge Menschen konsumieren Medien, einfach anders: mobil, digital, über Soziale Medien (Social Media), Hörsendungen (Podcasts) und Datenstrom-Übertragung (Streaming). Genau deshalb hat die SRG den Auftrag, Inhalte dort anzubieten, wo sich junge Menschen informieren. Bei einer Annahme der Initiative würden die digitalen Angebote der SRG besonders stark unter Druck geraten und würden ersetzt durch TikTok, YouTube, Instagram oder X. Wer die SRG schwächt, schwächt die nächste Generation und überläßt die Medienzukunft unserer Jugend internationalen Konzernen und ihren Rechenverfahren (Algorithmen).»
Philipp Loretan, Präsident ad interim neo – Die sozialliberale Mitte, Gemeindepräsident Guttet-Feschel, Großrat neo
«Die SRG steckt bereits mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Wir sprechen hier nicht von einer theoretischen Debatte: Die Haushaltsabgabe wurde bereits von 451 Franken auf 335 Franken gesenkt – und eine weitere Reduktion auf 300 Franken ist bereits beschlossen. Gleichzeitig brechen Werbeeinnahmen weg. Die SRG hat darauf mit harten Sparprogrammen und dem Zusammenlegen von Redaktionen reagiert. Eine zusätzliche Halbierung der Mittel ist keine ‚Effizienzsteigerung‘ – es ist ein bewußter Systembruch, der die journalistische Qualität direkt angreift. Besonders betroffen wären journalistische Kernleistungen wie politische Information. Recherchen oder Faktenüberprüfungen (Faktenchecks) lassen sich nicht beliebig reduzieren, ohne Qualität und Wirkung massiv zu beeinträchtigen. Die Initiative gefährdet zudem die Berichterstattung aus den Regionen; denn gespart würde zum Beispiel auch bei den Regionalstudios.»
«Qualitätsjournalismus ist kein Gratisprodukt. Die Initiative würde einen massiven Stellenabbau von rund 2400 Vollzeitstellen bei der SRG erzwingen, was durch ausbleibende Aufträge zusätzlich tausende Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft gefährdet. Dieser Verlust an Fachredaktionen schwächt die journalistische Qualität der Schweiz nachhaltig und führt zu einem Wertschöpfungsverlust von 788 Mio. Franken (Studie BAK Economics).»
Tobias Brantschen, Co-Präsident Grünliberale Wallis
«Die SRG stabilisiert das Mediensystem. Sie vergibt Aufträge an private Produktionsfirmen, bildet Journalisten aus und sorgt für mediale Vielfalt in allen Landesteilen. Eine Schwächung der SRG führt nicht automatisch zu stärkeren privaten Medien. In einem angespannten Markt führt ein Abbau beim Service public auch generell zu weniger Qualität und weniger Vielfalt. Daher liegt das eigentliche Problem nicht in der Konkurrenz zwischen SRG und privaten Medien. Es liegt vielmehr in der zunehmenden Konzentration von Medienbesitz und im Einfluß internationaler Technologie-Giganten (Tech-Giganten), die Werbegelder und die Aufmerksamkeit gezielt abschöpfen. Wenn wenige vermögende Private oder Konzerne ganze Medienhäuser aufkaufen, wird die Meinungs- und Medienvielfalt eingeschränkt und langfristig droht eine gefährliche Zentralisierung.»
«Auch private Radio- und Fernsehsender (TV-Sender) profitieren heute von der Medienabgabe und den Strukturen einer starken SRG. Rund 6–7 Prozent der Gebühreneinnahmen, etwa 86 Millionen Franken pro Jahr, fließen an private konzessionierte Anbieter. Im Wallis erhalten Rhône FM, Radio Chablais und rro jeweils rund 2 Millionen Franken und Canal/Kanal 9 sogar 5,3 Millionen Franken. Bei Canal/Kanal 9 entspricht dies rund 60 Prozent des Sendebudgets. Auch wenn diese Beiträge gemäß Initiative formal bestehen bleiben sollen, hängen sie faktisch vom solidarisch finanzierten Gesamtsystem ab. Ohne starke SRG drohen Regionen ohne mediale Grundversorgung. Ob Private diese wegbrechenden Strukturen auffangen wollen und/oder können, bleibt fraglich. Gerade das Wallis wäre davon besonders stark betroffen.»
Silvia Eyer, Oberwalliser Gewerkschaftsbund, Großrätin SP, Gemeinderätin Naters
«Mehr Geld im Portemonnaie? Sicher nicht mit der Halbierungsinitiative. 100 Franken Einsparungen pro Jahr entsprechen wenigen Rappen pro Tag. Die Kaufkraftwirkung der Initiative ist also für Haushalte lächerlich klein. Haushalte spürbar entlasten würden bezahlbare Mieten und tiefere Krankenkassenprämien sowie faire Löhne und Renten.»
«Eine Studie des Forschungszentrums für Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich zeigt, daß die SRG die privaten Medien im Nachrichtenbereich nicht konkurriert. Es ist sogar umgekehrt: SRG-Nutzer konsumieren nicht nur Pendler- und Boulevardmedien häufiger, sie nutzen auch bezahlpflichtige Abonnementmedien signifikant häufiger als Personen, die die SRG-Angebote nicht beachten. Das gilt auch im Online-Bereich. Infolge der Einsparungen bei Annahme der Initiative käme es auch zu einem starken Rückgang der Aufträge der SRG an andere Unternehmen, zum Beispiel für Fremdproduktionen. Die SRG-Initiative würde zudem zu einem massiven Stellenabbau führen, da Dutzende Formate, Sendungen und Übertragungen wegfallen würden.»
Brigitte Wolf, Co-Präsidentin Grüne Wallis
«Professionelle Faktenüberprüfungen (Faktenchecks) benötigen ausgebildete Journalisten, Zeit für Recherche, internationale Quellen, rechtliche Absicherung und redaktionelle Verantwortung. Das ist aufwendig und teuer – und für den Markt kaum attraktiv. Genau hier liegt ein zentraler Auftrag des Service public.»
«Die SRG betreibt ein systematisches Faktenüberprüfungs-Netzwerk (Faktencheck-Netzwerk) und untersteht klaren journalistischen Standards wie dem Mehrquellenprinzip, der Trennung von Information und Meinung sowie externer Kontrolle durch Ombudsstellen. Studien der Universität Zürich zeigen, daß die SRG die höchste Glaubwürdigkeit aller Schweizer Medien genießt. Eine Halbierung der Medienabgabe bedeutet weniger Recherchezeit, weniger Faktenüberprüfungen (Faktenchecks), weniger Hintergrundwissen und weniger Kontrolle der Mächtigen. In einer Zeit wachsender Desinformation ist dies kein Sparprogramm, sondern ein Risiko für die demokratische Meinungsbildung.»
(pd, rm)
(Beitragsbild: Bildschirmfoto von Webseite der Gegner der SRF-Initiative)
