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Gemeinden müssen umstellen
Post zieht die Reißleine bei “My local services”Gemeinden müssen umstellen

Post zieht die Reißleine bei “My local services”

Gemeinden müssen umstellen
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Gemeinden müssen nun umstellen. Die Post zieht die Reißleine: Wieder endet ein digitales Dienstleistungsprojekt. Die Schweizerische Post beendet Ende 2026 den Betrieb von My-Local-Services. Die 2017 eingeführte Anwendung sollte Gemeinden und Bevölkerung digital miteinander verbinden. Nachrichten, Veranstaltungen, Entsorgungstermine und Schadensmeldungen ließen sich über eine einzige Anwendung abrufen beziehungsweise übermitteln. Nun ist Schluß. Die Funktionen sollen in die E-Post-Anwendung integriert werden.

Das Ende wirft Fragen auf: Warum stellt ein staatseigener Konzern einen Dienst ein, den Gemeinden für ihre Kommunikation mit der Bevölkerung nutzen? Wie hoch waren die Entwicklungs- und Betriebskosten? Und weshalb wird eine Anwendung, für die Gemeinden weiterhin bezahlen, nicht einmal mehr an aktuelle Mobiltelefone angepaßt?

My-Local-Services wurde 2017 von der Post eingeführt. Die Anwendung sollte kommunale Informationen bündeln und den Alltag der Einwohner vereinfachen. Viele Gemeinden nutzen weiterhin den Dienst. Neben Nachrichten und Veranstaltungshinweisen konnten Nutzer Schäden an der öffentlichen Infrastruktur melden und Fotos sowie Standortangaben übermitteln.

Das Angebot hatte einen praktischen Nutzen: Die Meldungen gelangten direkt an die zuständigen Verwaltungsstellen. Für Gemeinden entstand damit ein zusätzlicher digitaler Kommunikationskanal, für den sie allerdings laufende Gebühren entrichten mußten.

In Olten kostete die Anwendung zuletzt mehr als 10’000 Franken jährlich. Dennoch müssen sich die Einwohner künftig wieder an die Internetseite der Stadt halten oder Schäden per E-Mail melden. Die Stadtverwaltung prüft zunächst Alternativen, bevor sie sich für einen Ersatz entscheidet.

Technische Probleme im Sommer 2026

Besonders deutlich wurde die Situation im Sommer 2026. Auf neueren Android-Geräten funktionierte die Anwendung nicht mehr zuverlässig. Statt einer Verbindung meldete sie, es bestehe keine Internetverbindung. Das Problem betraf damit gerade jene Nutzer, die den Dienst auf aktuellen Geräten verwenden wollten.

Die zuständige Post-Tochter E-Post-Service AG bestätigte gegenüber den Medien, daß sie den Fehler nicht mehr beheben werde. Der Austausch mit Android sei schwierig, die Kosten der Fehlerbehebung seien wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Da die Anwendung ohnehin Ende 2026 eingestellt werde, sollten die betroffenen Gemeinden auf das Nachfolgeangebot wechseln.

Damit entstand eine für die Kunden unbefriedigende Situation: Gemeinden bezahlten für einen Dienst, der auf einem Teil der Geräte nicht mehr funktionierte. Eine teilweise Rückerstattung der Gebühren war laut Medienbericht nicht vorgesehen.

Die technischen Probleme sind allerdings nicht mit der eigentlichen Ursache der Einstellung gleichzusetzen. Sie zeigen zunächst, daß die Post nicht mehr bereit war, in die bestehende Anwendung zu investieren. Warum sie sich grundsätzlich gegen deren Weiterbetrieb entschied, ist damit noch nicht vollständig erklärt.

Ungewisse finanzielle Bilanz

Eine konkrete Verlustsumme für My-Local-Services ist nicht öffentlich bekannt. Weder die gesamten Entwicklungskosten noch die über die Jahre angefallenen Betriebs- und Wartungskosten oder die Einnahmen aus den Gemeindeverträgen sind in einer öffentlich zugänglichen Projektabrechnung ausgewiesen.

Deshalb wäre es unseriös, aus den jährlichen Gebühren einzelner Gemeinden auf den finanziellen Erfolg oder Mißerfolg der Anwendung zu schließen. Die mehr als 10’000 Franken, die Olten jährlich bezahlte, waren Einnahmen für den Betreiber, sagen aber nichts darüber aus, ob die Gesamtkosten gedeckt wurden.

Die wirtschaftliche Lage des digitalen Geschäfts der Post gibt dennoch Anlaß zu Fragen. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der Geschäftsbereich Digitale Dienste ein Betriebsergebnis von minus 40 Millionen Franken. Nach Angaben der Post belasteten vor allem die Neuausrichtung des digitalen Gesundheitsgeschäfts und der Ausstieg aus dem elektronischen Patientendossier das Ergebnis. Bereinigt um diese Sondereffekte verbesserte sich das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr um acht Millionen Franken.

Diese Zahlen betreffen den gesamten Geschäftsbereich der digitalen Dienste und nicht My-Local-Services allein. Sie dürfen daher nicht als Verlust der Gemeindeanwendung ausgegeben werden. Sie zeigen jedoch, daß die Post ihre digitalen Angebote wirtschaftlich neu ausrichten muß.

Streichungen im digitalen Gesundheitswesen

My-Local-Services is nicht das einzige digitale Angebot der Post, dessen Zukunft sich grundlegend verändert. Auch die Plattform für das elektronische Patientendossier (EPD) wird Ende 2026 eingestellt.

Die Post begründet diesen Schritt mit der geplanten Neuausrichtung des digitalen Gesundheitswesens. Seit die Einführung eines künftigen elektronischen Gesundheitsdossiers angekündigt wurde, sei die Nachfrage nach dem bisherigen Patientendossier gesunken. Viele Spitäler und Arztpraxen hätten sich bei der Einführung oder Weiterführung der bestehenden Lösung zurückgehalten.

Von der Einstellung sind rund 70’000 private Nutzer betroffen. Zudem rechnet die Post mit dem Abbau von rund 37 Vollzeitstellen bei ihr und ihrer Tochtergesellschaft Sanela.

Die beiden Fälle sind nicht identisch. Beim Patientendossier verweist die Post auf politische und gesetzliche Veränderungen sowie auf die sinkende Nachfrage. Bei My-Local-Services sind technische Schwierigkeiten, die wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigte Fehlerbehebung und die geplante Ablösung dokumentiert. Eine gemeinsame Ursache für beide Entscheidungen ist damit nicht belegt.

Rückkehr zu bewährten Kommunikationskanälen

Dennoch stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie nachhaltig sind digitale Angebote, wenn ihre Betreiber sie nach Jahren einstellen oder durch neue Lösungen ersetzen müssen? Für die Kunden bedeutet dies, daß sie sich erneut orientieren, Daten übertragen oder alternative Kommunikationswege finden müssen.

Für die Gemeinden ist das Ende von My-Local-Services mehr als eine technische Umstellung. Sie müssen sicherstellen, daß Informationen weiterhin zuverlässig an die Bevölkerung gelangen und Schadensmeldungen bearbeitet werden können.

Olten setzt vorerst auf die eigene Internetseite. Nachrichten, Veranstaltungen und Entsorgungstermine bleiben dort verfügbar und können teilweise per E-Mail oder Kurzmitteilungsdienst abonniert werden. Für Schäden im öffentlichen Raum veröffentlicht die Stadt die E-Mail-Adressen der zuständigen Verwaltungsstellen.

Damit kehrt ein Teil der Kommunikation zu bestehenden Kanälen zurück. Ob die Integration in die E-Post-Anwendung für andere Gemeinden eine gleichwertige Lösung bietet, muß sich erst zeigen. Entscheidend wird sein, ob die neue Anwendung die benötigten Funktionen zuverlässig bereitstellt und für die Gemeinden wirtschaftlich tragbar ist.

Die Post hat das Ende von My-Local-Services angekündigt, aber eine umfassende finanzielle Bilanz des Projekts ist öffentlich nicht bekannt. Es fehlen Angaben darüber, wie viel Geld in die Entwicklung und den Betrieb investiert wurde, welche Einnahmen erzielt wurden und welche wirtschaftlichen Kriterien letztlich zur Einstellung führten.

Ohne diese Informationen läßt sich nicht seriös beziffern, wie teuer das Projekt für die Post tatsächlich war. Ebenso wäre es verfrüht, allein aus der Einstellung auf ein grundsätzliches Scheitern sämtlicher digitaler Dienstleistungen des Konzerns zu schließen. Der digitale Geschäftsbereich umfaßt unterschiedliche Angebote, deren wirtschaftliche Entwicklung sich teilweise erheblich unterscheidet.

Fest steht jedoch: My-Local-Services verschwindet nach rund neun Jahren. Die Gemeinden müssen sich neu orientieren, während die Post ihre digitalen Dienstleistungen neu ordnet. Eine nachvollziehbare Bilanz zu Kosten, Einnahmen, Nutzung und den Gründen für die Einstellung wäre deshalb nicht nur für die betroffenen Gemeinden von Interesse. Sie würde auch zeigen, welche Lehren der Konzern aus dem Projekt zieht.

Fest steht auch: Das erneute Scheitern eines Digitalproduktes der Schweizerischen Post reiht sich in eine regelrechte Serie des Scheiterns ein, welche Marco Diener auf den Portal Infosperber dokumentierte.

(pd, rm)
(Bild: Post / Google-Play)

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