3. Rhonekorrektion: Pro Natura, WWF und WKSFV fordern den Walliser Staatsrat zum Abbruch der Projektüberarbeitung aufUmwelt-Organisationen verlangen die unverzügliche Umsetzung des 2016 verabschiedeten Projekts GP-R3.
Die 3. Rhonekorrektion ist das grösste Hochwasserschutzprojekt der Schweiz. Es soll über 100’000 Menschen vor Hochwasserereignissen schützen sowie Schäden von bis zu 10 Milliarden Franken verhindern. Das Generationenprojekt kostet ca. 3,6 Milliarden Franken und wurde 2016 genehmigt. Es beansprucht rund 870 Hektaren Fläche, darunter bedeutende Fruchtfolgeflächen, deren Kompensation im Wallis noch ungeklärt ist.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) stellt in ihrem am 17. August veröffentlichten Prüfbericht erhebliche Mängel bei der Umsetzung und Überarbeitung der dritten Rhonekorrektion fest.
Sie kritisiert insbesondere die unzureichende Kommunikation des Kantons Wallis, die mangelhafte Abstimmung mit dem Bund und offene Fragen zur Finanzierung. Pro Natura, WWF und der Walliser Kantonale Sportfischer-Verband (WKSFV) werfen Staatsrat Franz Ruppen vor, die Tragweite der Kritik herunterzuspielen, und fordern ihn auf, die laufende Überarbeitung von «Rhône 3» aufzugeben. Stattdessen müsse das 2016 verabschiedete Generelle Projekt GP-R3 umgesetzt werden.
Mit dem Prüfbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle liegt erstmals eine unabhängige Beurteilung vor, die die zahlreichen Unklarheiten und Schwachstellen rund um die Überarbeitung von «Rhône 3» offenlegt. Die EFK fordert angesichts der lückenhaften Projektabwicklung mehr Entschlossenheit und kritisiert sowohl die Haltung des Kantons Wallis als auch die ungenügende Abstimmung mit dem Bund.
Für Pro Natura, WWF und den WKSFV bestätigt der Bericht die seit Langem geäußerten Bedenken: Die vor mehr als zwei Jahren vom Walliser Staatsrat eingeleitete Überarbeitung des Projekts steckt in einer Sackgasse. Anstatt die Konsequenzen aus den Feststellungen der EFK zu ziehen, beschränkt sich Staatsrat Franz Ruppen weiterhin darauf, die Schwere der Situation zu relativieren und mit vagen Erklärungen zu beschwichtigen.
Die Organisationen fordern deshalb einen Kurswechsel: Die Überarbeitung der 3. Rhonekorrektion müsse aufgegeben und das 2016 verabschiedete Generelle Projekt GP-R3 unverzüglich umgesetzt werden. Nur dieses ursprüngliche Projekt bietet aus ihrer Sicht die notwendige Grundlage für eine wirksame Sicherung und Renaturierung der Rhone-Ebene.
Im Einzelnen schreiben die Umweltorganisationen Folgendes (kursiv):
Rhône 3: Walliser Staatsrat soll Überarbeitung des Projekts aufgeben
Der Walliser Staatsrat, der die Schlußfolgerungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle herunterspielt, soll die Überarbeitung des Projekts aufgeben. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat am Dienstag, den 17. August, einen Prüfbericht über die Umsetzung der dritten Rhonekorrektion und deren Überwachung durch das Bundesamt für Umwelt veröffentlicht. Darin werden mehrere schwerwiegende Feststellungen getroffen, die Haltung des Kantons Wallis kritisiert und mehr Entschlossenheit angesichts der lückenhaften Projektabwicklung gefordert. Angesichts der Kritik und während sich die Situation festfährt, beschränkt sich Staatsrat Franz Ruppen darauf, die Schwere der Lage herunterzuspielen, und gibt immer wieder vage Erklärungen ab. Die Naturschutzorganisationen, die bereits zuvor auf Aspekte hingewiesen hatten, die die Sicherheit der Rhone-Ebene gefährden, fordern vom Staatsrat, auf die Überarbeitung des Projekts „Rhône 3“ zu verzichten. Die Organisationen Pro Natura, WWF und der Kantonale Sportfischer-Verband (WKSFV) haben die Prüfung der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zur Kenntnis genommen. Die EFK zeigt darin erstmals – als unabhängige Stelle – die zahlreichen Unklarheiten im Dossier „Rhône 3“ auf.
Schwere Kritik an der Überarbeitung
Bislang hatte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) – unter der Leitung des SVP-Ministers Albert Rösti – es nicht gewagt, die von Franz Ruppen, der derselben Partei angehört, eingeleitete Überarbeitung des Projekts allzu direkt zu kritisieren.
Letzterer verfolgt weiterhin eine Strategie der Ausflüchte, indem er die schwerwiegende Kritik an seiner Person relativiert und neu interpretiert. Die Nichtregierungsorganisationen prangern diese wenig verantwortungsvolle Haltung an und möchten die wichtigsten Mängel der aktuellen Überarbeitung hervorheben, die bereits auf der Plattform Rhone3-jetzt.ch vorgestellt wurden.
Sie erinnern daran, daß nur das ursprüngliche Projekt (GP-R3) eine wirksame Sicherung und Renaturierung der Rhone-Ebene ermöglicht.
Lückenhafte Regierungsführung und Verschlechterung der Beziehungen zum Bund
Die EFK kritisiert die mangelhafte Kommunikation seitens des Kantons sowie die unberücksichtigten Forderungen des BAFU. Sie weist darauf hin, daß das Wallis „bewußt [darauf] verzichtet“ habe, mehrere Partner in die Gespräche einzubeziehen, insbesondere den Kanton Waadt.
Mit ihrer Aufforderung an die Bundesämter, gegenüber dem Kanton Wallis „eine gemeinsame Haltung“ einzunehmen, zeigt sie, daß die Beziehungen zwischen dem Kanton und dem Bund angespannter sind denn je.
Im übrigen hat das BAFU – entgegen den Aussagen von Franz Ruppen in der Ausgabe des «Nouvelliste» vom 18. August 2026 – die 17 Leitlinien zur Überarbeitung des Projekts nicht genehmigt, sondern lediglich zur Kenntnis genommen.
Darüber hinaus zeigt die Prüfung trotz der wiederholt beruhigenden Äußerungen des Departementschefs zum Austausch mit dem Bund mehrere Mängel bei der Abstimmung auf.
Ungewisse Finanzierung
Während Franz Ruppen angibt, über die erforderlichen Liquiditäten zu verfügen, weist die EFK darauf hin, daß die Umsetzungsmöglichkeiten und die Finanzierung nicht gewährleistet sind.
Sie erinnert daran, daß eine Revision, die zu stark vom ursprünglichen Projekt (GP-R3) abweicht, die Einreichung eines neuen vollständigen Dossiers bei den Bundeskammern erfordert, was mehrere Jahre in Anspruch nehmen würde.
Das BAFU hat zudem die Gewährung seiner Subventionen seit 2022 ausgesetzt, was bereits beim kantonalen Finanzinspektorat und der Finanzkommission des Grossen Rates Besorgnis ausgelöst hat.
Forderung nach Rückkehr zum ursprünglichen Projekt
Nach der Lektüre des Prüfberichts der EFK stellen die Organisationen Pro Natura, WWF und der WKSFV erneut fest, daß die vor über zwei Jahren vom Walliser Staatsrat eingeleitete Überarbeitung des Projekts in eine Sackgasse führt.
Diese stellt ein erhebliches Risiko für die Walliser Bevölkerung dar. Sie fordern, diese Überarbeitung aufzugeben und das 2016 verabschiedete Projekt (GP-R3) unverzüglich umzusetzen.
Marie-Thérèse Sangra
Jérémy Savioz
Bernard Broye
Weiterführendes
https://www.efk.admin.ch/prufung/umsetzung-der-3-rhonekorrektion/
(pd, rm)


