Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund zu Campax-PetitionSIG lehnt Boykott der israelischen Frauenfussball-Nationalmannschaft ab
Boykotte von Sportlern / Sportmannschaften sind umtritten, die Fifa möchte gerade Medienberichten zufolge die Sperre gegen Russland aufheben. Diese müsse “auf jeden Fall” aufgehoben werden, so Infantino. “Dieser Ausschluss hat nichts gebracht, er hat nur mehr Frust und Hass geschaffen” äusserte er in einem in einem Exklusiv-Interview mit “Sky News”. Derweil wird aktuell eine neue Sperre gefordert:
Auf der Plattform ACT by Campax wurde eine Petition mit dem Titel „Kein Frauenfussball mit Israel – Genozid darf nicht normalisiert werden” gestartet. Der Israelitische Gemeindebund hat auf Anfrage von Walliser Zeitung zu der Campax-Petition Stellung bezogen.
Jonathan Kreutner, Generalsekretär des SIG, antwortet auf die Frage: “Wie beurteilt der SIG diese Petition und die Forderung nach einem sportlichen Boykott der israelischen Nationalmannschaft in der Schweiz?” folgendes:
“Wir lehnen Boykotte grundsätzlich entschieden ab, vor allem dann wenn sie auf ein Land zielen und sich auf eine Kriegspartei fokussieren, indem die komplexe Situation des Krieges zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas ausgeblendet wird. Ein Boykott trifft zudem zunächst die israelischen Spielerinnen. Sie verfolgen ihren sportlichen Traum und leben selbst mit den Folgen des Krieges im Nahen Osten. Sie allein aufgrund ihrer Nationalität für die Politik ihrer Regierung verantwortlich zu machen, halten wir für falsch. Anteilnahme am Leid im Konfliktgebiet und Respekt gegenüber den israelischen Spielerinnen gehören unserer Meinung zusammen.”
Die Frage “Die Initianten argumentieren, dass sportliche Plattformen nicht zur „Normalisierung” der israelischen Regierungspolitik beitragen dürfen. Welches Signal geht aus Sicht des SIG von einem solchen Sportboykott aus?” beantwortet Kreutner wiefolgt:
“Am Ende geht es um ein WM-Qualifikationsspiel zwischen zwei Frauenteams. Es geht um sportlichen Einsatz, um Träume und Hoffnungen. Man kann diese Begegnung politisch aufladen, als stünde eine militärische Einheit auf dem Platz und ein israelisches Regierungsmitglied an der Seitenlinie. Das entspricht aber weder der Realität noch verändert es die Lage im Konfliktgebiet. Demut bedeutet hier auch, die eigene Rolle nicht zu überschätzen und sich im Rahmen eines Fussballspiels nicht zum Richter über die geopolitischen Verhältnisse einer Region zu machen, die seit Generationen von Konflikten geprägt ist und dessen Komplexität man offenbar nicht versteht oder verstehen will. Das Signal, das man mit einem solchen Boykott aussendet, ist schwach und hinterlässt viele Fragen zum Wissenstand des Konfliktes und zur eigentlichen Motivation hinter der Boykottforderung.”
(pd, rm)
(Beitragsbild: Wikipedia)


