Wiederaufbau im Lötschental: Die Berghilfe unterstützt drei TourismusprojekteNoch mehr Geld für das Lötschental
Vor gut einem Jahr wurde das Dorf Blatten im Lötschental von neun Millionen Tonnen Eis und Gestein verschüttet. Blatten soll an einem neuen Ort wieder aufgebaut werden. Doch das wird noch Jahre dauern. Der Tourismus im Lötschental hingegen erholt sich langsam wieder. Auch dank Projekten, die von der Schweizer Berghilfe mitfinanziert wurden.
Nur ein paar Sekunden. Viel Lärm, Staub, und dann war Blatten vom Erdboden verschwunden. Und mit dem Dorf viele Existenzen. Unter anderem drei Hotels, die 2018 gemeinsam den Publikumspreis Prix Montagne gewonnen hatten und teilweise von der Schweizer Berghilfe bei vergangenen Ausbauschritten finanziell unterstützt wurden.
Ein weiteres von der Berghilfe unterstütztes Hotel, das Hotel «Fafleralp» ganz zuhinterst im Tal, blieb zwar heil, war aber nicht mehr erreichbar und mußte geschlossen bleiben. Auch der nahegelegene Campingplatz war nicht mehr nutzbar.
Bei allen Diskussionen, ob und wie Blatten wiederaufgebaut werden soll, war für die Lötschentaler Bevölkerung schnell klar: Damit der Tourismus im Tal keinen langfristigen Schaden nimmt, müssen die verlorenen Übernachtungskapazitäten möglichst rasch ersetzt werden.
Vom Landwirt zum Hotelier
Einen Neuanfang wagten zum Beispiel Daniel und Karin Ritler. Sie waren Landwirte und verloren beim Bergsturz ihren Hof und einen bedeutenden Teil ihres Landes. Wie weiter? Ritlers entschieden, ihren Neustart in der Hotellerie zu machen.
Sie kauften im weiter unten gelegenen Ferden ein leerstehendes Hotel, das sie im Moment mit finanzieller Unterstützung der Berghilfe sanieren.
«Es wird ein kleines, persönliches Hotel mit zehn individuell eingerichteten Zimmern. Hier sollen Naturliebhaber das ganze Jahr über Entspannung finden können», sagt Daniel Ritler. «Schon vorher empfingen wir gern Gäste und veranstalteten Tavolatas. Diesen persönlichen Kontakt zu den Gästen wollen wir in unserem Hotel ‹Zeitlos› vertiefen.»
Für die Totalsanierung benötigen die Ritlers rund 1,8 Millionen Franken. Mit 329’000 Franken unterstützt die Schweizer Berghilfe das für den Tourismus wichtige Projekt.
Neues Hotel auf der Lauchernalp in Rekordzeit errichtet
Daß es im Lötschental in den vergangenen Monaten vorwärtsgegangen ist, sieht man besonders auf der Lauchernalp. Sobald man oben aus der Gondel steigt, fallen zwei Dinge auf: ein offensichtlich neuer, großer Holzbau und ein wartendes Postauto.
Der Holzbau ist die Lodge «Momentum», mit der sich zwei der drei betroffenen Hotelfamilien in Rekordzeit eine neue Existenz aufgebaut hatten. Im Dezember 2025, nur sieben Monate nach dem Bergsturz, war Eröffnung.
Die Schweizer Berghilfe unterstützte den Bau des vorübergehenden Hotels mit insgesamt 500’000 Franken. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 4,7 Millionen Franken.
Die bisherige Bilanz von Mitinhaberin Esther Bellwald ist vorsichtig optimistisch: «Die Gäste sind begeistert vom Hotel. Vor allem davon, daß es sich überhaupt nicht wie ein Provisorium anfühlt.» Auch die bisherigen Stammgäste kämen langsam wieder.
Doch die Auslastung sei noch nicht ganz dort, wo sie sein sollte. Ein Problem ist dabei ausgerechnet die Rücksichtnahme der Schweizer. Sie höre oft von Gästen, sie seien nicht schon früher gekommen, weil sie nicht als Gaffer oder Katastrophentouristen gelten und die schicksalsgeplagten Lötschentaler in Ruhe lassen wollten.
«Da kann ich nur sagen: Kommt und genießt es hier. Damit helft ihr uns am meisten», so Esther Bellwald.
Neue Zufahrtsstraße zur Fafleralp
Das Postauto ist ebenfalls neu auf der Lauchernalp. Es fährt zur Fafleralp, über eine neue Zufahrtsstraße, die im Frühsommer fertiggestellt wurde.
Dank dieser Anbindung konnte das dortige Hotel mitten im Lärchenwald kürzlich nach anderthalb Jahren Schließung erstmals wieder seine Türen öffnen. Allerdings wegen der erschwerten Erreichbarkeit mit Einschränkungen.
«Es ist extrem herausfordernd», sagt Geschäftsführerin Barbara Achrainer. Einerseits ließen sich viele Gäste von der etwas komplizierteren Anreise abschrecken. Und andererseits sei die Versorgung mit Lebensmitteln, Getränken und anderen Gütern sowie die Entsorgung von Abfall sehr aufwendig und ineffizient.
«Doch dank der sehr guten Zusammenarbeit mit den einheimischen Betrieben können wir das Hotel trotz vieler Herausforderungen wieder öffnen. Und das Wichtigste ist, daß wir endlich wieder arbeiten können und unsere Gäste begrüßen dürfen», sagt Barbara Achrainer.
Schweizer Berghilfe unterstützt beim Wiederaufbau
Nach einer Naturkatastrophe wie dem Bergsturz in Blatten können Betroffene für den Wiederaufbau in erster Linie auf Versicherungen, Elementarschädenfonds und staatliche Hilfen zurückgreifen.
Die Schweizer Berghilfe unterstützt betroffene Kleinst- und Kleinunternehmen zusätzlich, wenn diese ihren Betrieb wieder aufbauen und dabei die Gelegenheit nutzen, Verbesserungen oder Vergrößerungen vorzunehmen.
Die drei Projekte zeigen, daß den Lötschentalerinnen und Lötschentalern das untätige Warten nicht liege, sagt Kurt Zgraggen, Geschäftsführer der Schweizer Berghilfe. «Es freut mich sehr, daß sie so rasch die Initiative ergriffen haben, um ihre Betriebe für die Zukunft neu aufzustellen. Und daß wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten dürfen, das Tal weiterhin lebendig zu halten.»
(pd, rm)

