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Fortschritte beim Wasserkraftprojekt oberhalb Zermatt
Zermatt: Mehrzweckspeicher Gornerli wird wesentlich teurerFortschritte beim Wasserkraftprojekt oberhalb Zermatt

Zermatt: Mehrzweckspeicher Gornerli wird wesentlich teurer

Fortschritte beim Wasserkraftprojekt oberhalb Zermatt
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Das Projekt „Gornerli“ ist eines der wichtigsten geplanten Wasserkraftprojekte der Schweiz und spielt vor allem im Kontext der Energiesicherheit im Winter eine zentrale Rolle.

Das Projekt des neuen Mehrzweckspeichers Gornerli oberhalb von Zermatt hat einen weiteren Meilenstein erreicht. Umfassende klimatische und hydrologische Studien, die für das gesamte System der Grande Dixence durchgeführt wurden, ermöglichen nun eine definitive Bestimmung des Speichervolumens.

Das Bauprojekt und die Studien über die Naturgefahren sind in Kürze abgeschlossen, und das Logistikkonzept ist weit fortgeschritten. Parallel zu den laufenden Projektierungsarbeiten wird in den kommenden Monaten der Dialog mit den Interessengruppen zu diversen Umwelt- und Landschaftsschutzthemen weitergeführt.

Die Resultate der Bauprojektierung bestätigen die zentrale Rolle des Gornerli-Projektes für die künftige Versorgung der Schweiz mit erneuerbarem Winterstrom, für diverse regionale Zielsetzungen wie den Hochwasserschutz, die langfristige Wasserversorgung sowie ein übergeordnetes Energiekonzept für Zermatt.

Das 2019 lancierte Projekt Gornerli gehört zu den 16 prioritären Projekten des Runden Tischs Wasserkraft des Bundes. Nach dem Eintrag in den kantonalen Richtplan und der Einreichung des Voruntersuchungsberichts beim Kanton Wallis Anfang 2024 ist die Bauprojektierung inzwischen weit fortgeschritten. Dies betrifft die Staumauer selbst, aber auch die unterirdische Pumpstation, das Logistikkonzept und die Abklärungen zu den Naturgefahren. Das Projekt stützt sich auf detaillierte technische Grundlagen und auf die neuesten Erkenntnisse aus den Bereichen Hydrologie, Glaziologie und Geologie. Langfristig gesehen ist der Klimawandel ein wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt. „Die definitive Bestimmung des Speichervolumens im Rahmen des Bauprojekts gehört zum normalen Reifeprozess eines Projekts dieser Größenordnung. Sie spiegelt unser Bestreben wider, Entscheidungen auf Grundlage solider und aktueller wissenschaftlicher Daten zu treffen und gleichzeitig eine Dimensionierung zu gewährleisten, die dem langfristigen Potenzial des Standorts entspricht“, sagt Beat Imboden, Direktor von Grande Dixence. „Es braucht jetzt, basierend auf dieser soliden Grundlage, nicht nur seitens Grande Dixence, sondern auch seitens der Umweltverbände, der lokalen Interessengruppen, der Konzessionsgeber sowie der kantonalen Behörden einen weiteren großen Effort, um das Projekt erfolgreich realisieren zu können.“

Wissenschaftliche Studien für eine langfristige Planung

Um das Bauwerk auf eine optimale Nutzung des hydrologischen Potenzials auszurichten, beauftragte Grande Dixence die ETH Zürich sowie ein zusätzliches externes Fachbüro mit der Analyse der bis zum Ende des Jahrhunderts zu erwartenden Wasserzuflüsse. Die Studien berücksichtigen die neuesten Klimaszenarien und decken nicht nur das Einzugsgebiet der Gornera, sondern das gesamte Zuflußsystem von Grande Dixence ab. Die Analysen bestätigen für Grande Dixence ein zusätzliches Wasserspeicherpotenzial bis Ende Jahrhundert von 140 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr.

Der aktuelle Kenntnisstand zur Hydrologie des gesamten Einzugsgebiets von Grande Dixence führt insgesamt dazu, daß das Speichervolumen Gornerli auf 120 Mio. m³ ausgelegt werden kann, was einer zusätzlichen Winterspeicherkapazität von 550 GWh entspricht. Erste Machbarkeitsstudien, die bereits ab 2021 durchgeführt wurden, schätzten das mögliche Speichervolumen noch bei rund 150 Mio. m³, was einer maximalen Winterspeicherkapazität von 650 GWh entsprochen hätte. Im Sinne einer langfristig nachhaltigen Lösung sehen die Projektträger nun eine Anpassung vor.

Gornerli bleibt mit 550 GWh nach wie vor das mit Abstand größte Winterspeicherprojekt unter den 16 Projekten des Runden Tischs Wasserkraft. Neben der Energieproduktion spielt die Staumauer auch eine zentrale Rolle beim zukünftigen Hochwasserschutz für Zermatt und das gesamte Mattertal.

Zudem bietet das Projekt den Gemeinden eine langfristig sichere Wasserversorgung für Landwirtschaft, Tourismus und Trinkwasser. Gleichzeitig arbeitet Grande Dixence unter Leitung der Gemeinde Zermatt und in enger Koordination mit dem EW Zermatt und mit den Zermatter Bergbahnen an einem übergeordneten Energiekonzept, bei dem das Gornerli eine wichtige Rolle einnimmt.

Ein ausgereiftes und optimiertes Projekt

Die Dimensionierung der Staumauer erfolgt nach den neuesten topografischen und geologischen Erkenntnissen, was zu einer Staumauerhöhe von 100 Metern führt. Bei Inbetriebnahme der Anlage wird der Gletscher das Tal noch teilweise zudecken und die Kapazität des Stausees vorübergehend einschränken. Bis 2040 beträgt das nutzbare Speichervolumen 435 GWh, bevor es durch den vollständigen Rückzug des Gletschers, der gemäß Klimaszenarien zwischen 2045 und 2060 erwartet wird, sein volles Potential erreicht.

Visualisierung 3: Situation im Jahr 2100 auf Grundlage der neuesten Klimaszenarien. Der Stausee nimmt etwas mehr Raum ein als der natürliche See, der sich aufgrund des Klimawandels ohnehin gebildet hätte. © Grande Dixence SA / Uzufly
Visualisierung 3: Situation im Jahr 2100 auf Grundlage der neuesten Klimaszenarien. Der Stausee nimmt etwas mehr Raum ein als der natürliche See, der sich aufgrund des Klimawandels ohnehin gebildet hätte. © Grande Dixence SA / Uzufly

Höhere Kosten

Nach Abschluß der detaillierten Bauprojektierung wird für das Projekt Gornerli mit Kosten von rund 510 Millionen Franken gerechnet. Grund für diese erhöhten Baukosten sind primär neue und vertiefte Erkenntnisse zur Geologie, zur Topografie sowie zur Baulogistik. Beim Runden Tisch Wasserkraft wurde dem Projekt ein nationales Interesse bescheinigt. Sobald die Baubewilligung eingereicht und formell bestätigt ist, wird der Bund bis maximal 60% der Baukosten mittragen.

Das gesamte Winterspeicherpotenzial von Grande Dixence von 650 GWh wird mit dem zusätzlichen Projekt Dix+ erreicht. Dieses Projekt, welches die Erhöhung der Staumauer Grande Dixence um rund 5 Meter vorsieht, wird es ermöglichen, weitere rund 20 Mio. m³ bzw. 100 GWh aus dem hydraulischen System von Grande Dixence zu speichern. Die technisch-betriebliche Machbarkeit dieses Projektes ist nachgewiesen, hingegen gibt es noch regulatorische Themen, die mit dem Bund zu klären sind.

Visualisierung 1: Das Projekt Gornerli. © Grande Dixence SA / Uzufly
Visualisierung 1: Das Projekt Gornerli. © Grande Dixence SA / Uzufly

Entscheidende Verfahren

Im Rahmen des Gornerli-Dialogs befasst sich Grande Dixence gemeinsam mit verschiedenen Umweltverbänden, dem Zermatter Bergführerverein, der SAC Monte Rosa, Vertretern der Fischerei, der Gemeinde Zermatt sowie dem Kanton mit diversen Umwelt- und Landschaftsthemen. Zudem geht es darum, die von den Interessengruppen gewünschte Analyse möglicher anderer Projektvarianten durchzuführen. Diese Studie kann je nach Ergebnis Einfluss auf die aktuell von Grande Dixence geplante Projektvariante haben.

Die Festlegung der zusätzlichen Ausgleichsmaßnahmen aus dem Runden Tisch Wasserkraft ist von zentraler Bedeutung für den weiteren Projektfortschritt. Deren Umfang muß von Grande Dixence, den Interessengruppen und dem Kanton gemeinsam bestimmt werden, wobei der Kanton übergeordnet eine koordinierende Rolle übernimmt.

Erst wenn der Dialogprozeß mit den Interessengruppen, die konzessionsrechtlichen Aspekte mit den Konzessionsgebern sowie die Ausgleichsmaßnahmen mit dem Kanton geregelt sind, kann Grande Dixence das Baugesuchsdossier abschließend erstellen. Der Bau des Gornerli hängt letztlich von diesen Verhandlungen, von der Vorkonsultation durch den Kanton, von den Urversammlungsentscheiden der Konzessionsgeber, vom Entscheid des Großen Rates des Kantons Wallis sowie vom nachfolgenden Bewilligungsverfahren des Kantons ab. Ab Baubewilligung ist mit einer Bauzeit von rund sechs Jahren zu rechnen. Grande Dixence geht aktuell von einer Inbetriebnahme im Jahr 2035 aus.

Grande Dixence hat mit dem bevorstehenden Abschluß des Bauprojektes eine wichtige Grundlage für die Realisierung des Projekts Gornerli gelegt. Beim Projekt Gornerli stehen die Stromversorgungssicherheit auf nationaler und kommunaler Stufe, der regionale Schutz vor Naturgefahren und Hochwasser sowie eine langfristige, überregionale Wasserversorgungssicherheit im Vordergrund. Das Projekt Gornerli nutzt die Klimaveränderung im positiven Sinn, indem es eine zusätzliche Speicherung und Produktion von erneuerbarer Energie ermöglicht.

Bedeutung für die Schweizer Stromversorgung

Das Gornerli ist kein klassisches neues Kraftwerk, sondern ein Mehrzweckspeicher-Stausee oberhalb von Zermatt. Seine Hauptfunktion ist, Wasser zu sammeln und gezielt für die Stromproduktion im Winter nutzbar zu machen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Winterstrom-Sicherheit:
    Die Schweiz hat im Winter oft eine Stromlücke, weil weniger Sonne und weniger Wasserzufluss vorhanden sind. Gornerli soll genau hier helfen, indem es Wasser speichert und im Winter Strom produziert.
  • Sehr großes Potential:
    Das Projekt gehört zu den wichtigsten Wasserkraftausbauten der Schweiz und könnte rund 650 GWh Winterstrom pro Jahr liefern – das entspricht grob dem Verbrauch von etwa 140’000 Haushalten.
  • Teil der nationalen Energiepolitik:
    Es ist eines der 16 prioritären Wasserkraftprojekte des Bundes (nach dem Stromgesetz), die die Versorgungssicherheit langfristig stärken sollen.
  • Mehr als nur Strom:
    Neben Energieproduktion erfüllt es auch:
    • Hochwasserschutz (Puffer bei Starkregen / Gletscherschmelze)
    • Wasserversorgung (Trink- und Nutzwasser)
    • Integration in bestehende Systeme (Grande Dixence)

Gornerli-Projekt: Profitiert nur das Wallis – oder die ganze Schweiz?

Das geplante Gornerli-Stauseeprojekt im Wallis ist kein regionales Stromprojekt, sondern Teil der nationalen Energiestrategie. Entsprechend verteilt sich der Nutzen nicht auf eine einzelne Region, sondern auf die gesamte Schweiz.

Schweizweit statt lokal begrenzt

Der im Wallis produzierte und gespeicherte Strom wird ins überregionale Hochspannungsnetz eingespeist. Damit steht er nicht nur der Region Zermatt oder dem Kanton Wallis zur Verfügung, sondern kann je nach Bedarf in der ganzen Schweiz genutzt werden – etwa in den grossen Verbrauchszentren rund um Zürich, Basel oder im Mittelland.

Besonders im Winter spielt das Projekt eine zentrale Rolle: Dann, wenn Solarenergie schwächer ausfällt und der Stromverbrauch gleichzeitig hoch ist, sollen Speicherseen wie das geplante Gornerli helfen, Versorgungslücken zu schliessen.

Das Wallis als „Batterie der Schweiz“

Das Wallis trägt mit seinen alpinen Speicherseen seit Jahrzehnten wesentlich zur Schweizer Stromversorgung bei. Es stellt damit vor allem die Infrastruktur zur Verfügung – der Nutzen hingegen ist national verteilt. Eine ausschliessliche „Selbstversorgung“ des Kantons gibt es nicht.

(pd, rm)

(Bild ganz oben: Visualisierung 2: Das Projekt Gornerli ist nicht «nur» ein Energieprojekt, sondern wird auch eine zentrale Rolle für den Hochwasserschutz in Zermatt und für das ganze Mattertal spielen. © Grande Dixence SA / Uzufly / Claudia Zampoli)

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