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Wie Banken an Wechselkursen verdienen – und kaum jemand es merkt
Bankgebühren und heimliche Bank-“Gebühren” bei WechselkursenWie Banken an Wechselkursen verdienen – und kaum jemand es merkt

Bankgebühren und heimliche Bank-“Gebühren” bei Wechselkursen

Wie Banken an Wechselkursen verdienen – und kaum jemand es merkt
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Viele Menschen in der Schweiz erhalten Einkünfte in Euro: Vergütungen, Honorare, Agentur-Zahlungen oder Erlöse aus Verkäufen im Internet. Und bei Grenzkantonen besonders natürlich auch Löhne.

Gleichzeitig bezahlen sie regelmäßig Rechnungen im Euroraum, buchen Ferien, kaufen im Internet ein oder reisen beruflich ins Ausland, konsumieren oder bestellen im Internet.

Der Schweizer Franken spielt dabei oft nur eine Rolle als Durchgangswährung. Genau dieser Umstand wird für viele Konsumenten teuer – dies wegen der Geschäftspraktiken der Banken.

Euro-Zahlungen

Wenn Euro auf ein in Franken geführtes Konto eingehen, werden sie in der Regel automatisch umgerechnet. Dasselbe geschieht erneut, wenn später im Euroraum bezahlt wird.

In beiden Fällen wenden Banken eigene Wechselkurse an, die spürbar vom Interbankenkurs abweichen – also von jenem Kurs, zu dem sich Banken untereinander Geld tauschen.

Diese Abweichung ist kein technischer Zufall, sondern ein Geschäftsmodell.

Der Wechselkurs als versteckte Einnahmequelle

Vergleichsdienste zeigen seit Jahren: Der von Banken verwendete Euro-Franken-Kurs liegt im Durchschnitt rund 1,8 bis 2,0 Prozent schlechter als der Interbankenkurs. Dieser Unterschied wird weder als Gebühr ausgewiesen noch explizit kommuniziert. Er steckt im Kurs selbst.

Juristisch gilt der Wechselkurs als Preis, nicht als Gebühr. Banken müssen daher nicht offenlegen,

  • wie hoch ihr Aufschlag ist,

  • wie stark er vom Marktpreis abweicht,

  • oder wie viel sie daran verdienen.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das kaum nachvollziehbar. Auf dem Kontoauszug erscheint lediglich ein Kurs – nicht aber, wie teuer er im Vergleich zum Markt ist.

Doppelt kassiert – legal und diskret

Wer regelmäßig Euro erhält und später wieder in Euro ausgibt, bezahlt diesen Aufschlag zweimal:

  1. beim Geldeingang (Euro → Franken),

  2. beim Geldausgang (Franken → Euro).

Hinzu kommt oft eine separat ausgewiesene Auslandseinsatz- oder Bearbeitungsgebühr, häufig um 1,5 Prozent bei Maestro, wenn man die Mastercard der Postfinance nutzt, sogar 1,7%. Diese Gebühr ist sichtbar. Der größere Teil der Kosten, der heimliche Wechselkurs-Aufschlag beziehungsweise -Absschlag, bleibt dagegen für Konsumenten unsichtbar.

In der Praxis summieren sich diese Effekte rasch auf fünf Prozent und mehr, ohne daß Kundinnen und Kunden je einer klaren Gesamtkostenaufstellung zustimmen würden.

Beispiel Postfinance

1,94 % nimmt die Postfinance weg, wenn Euro auf dem Konto in CHF eingehen, hat das Portal “Moneyland” errechnet.

Das passiert lautlos beim Umrechnen in Franken durch einen schlechten Umrechnungskurs. Besonders kraß dabei: Man weiß nichtmal, wieviel die Postfinance gerade nach eigener Lust und Laune abzwackt.

Das Portal dazu: “1.94% beträgt der durchschnittliche Aufschlag des EUR/CHF-Kurses gegenüber dem Interbankenkurs gemäß den letzten Stichtagen von Moneyland.ch. Der tatsächliche Aufschlag kann täglich variieren.”

Nochmals kostet es, wenn man anschließend im Euroland einkauft, etwa bei Bestellungen im Internet. Dann, wenn im Euroland eine Rechnung mit Maestro bezahlt wird, kommen 1,5% Bearbeitungsgebühr hinzu. Bei Nutzung einer Kreditkarte (Mastercard) von Postfinance sogar 1,7% Bearbeitungsgebühr. Dies, obwohl gar nichts “bearbeitet” wird, sondern alles digital und automatisch läuft.

Aber auch damit ist es noch nicht getan.

Denn es wird wieder in Euro konvertiert, ebenfalls mit einem schlechten Wechselkurs. Die Postfinance schnappt nochmals zu mit 1,94%. Auch hier zwackt die Bank beim Wechselkurs wieder etwas ab.

Ein hübsches Sümmchen: Über 5%

Wechselkursabschlag: 1,94 %
Wechselkursabschlag: 1,94 %
Bearbeitungsgebühr: 1,5 %

Gesamt 5,38 % vom Geld gehen also bei diesen grenzüberschreitenden Geldflüssen an Postfinance

Bei Benutzung der Mastercard von Postfinance anstatt Maestro sind es sogar 5,58%.

Wer also Einnahmen in Euro hat, diese auf seinem Konto in Schweizerfranken eingehen läßt und später wieder im Euroraum kauft, verliert eine ganze Stange Geld.

Kontoführungsgebühren und andere Gebühren der Bank sind hier noch nicht einmal eingerechnet, sonst wird die Rechnung noch teurer.

Über 5% hat die Postfinance also vom Geld weggenommen, wenn jemand Eingänge in Euro auf dem Frankenkonto hat und später im Euro-Raum irgendwas kauft und wieder Franken in Euro umkonvertiert werden.

Transparenz? Fehlanzeige

Besonders problematisch ist, dass Konsumenten diese Kosten kaum vergleichen können. Während Gebühren klar ausgewiesen werden müssen, entzieht sich der Wechselkurs jeder echten Transparenz. Zwei Banken können denselben Service anbieten – und dennoch mehrere Prozentpunkte Unterschied verursachen, ohne dass dies auf den ersten Blick erkennbar wäre.

Auch steuerlich bleiben diese Verluste unbeachtet. Wechselkursnachteile gelten nicht als Spesen oder Kosten, sondern als Teil des Preises. Wer mehrere hundert Franken pro Jahr durch ungünstige Kurse verliert, kann diese Beträge nicht einmal geltend machen.

Ein lukratives, aber kaum diskutiertes Geschäft

Für Banken sind Wechselkursaufschläge eine attraktive Einnahmequelle:

  • hohe Margen,

  • geringe Vergleichbarkeit,

  • kaum regulatorische Vorgaben.

Für Kunden hingegen sind sie ein blinder Fleck. Viele achten auf Kontogebühren, Kartenpreise oder Zinsen – aber kaum jemand weiß, wie viel die eigene Bank bei jeder Währungsumrechnung einbehält.

Fazit

Wer wie viele Einwohner der Schweiz regelmäßig grenzüberschreitend arbeitet oder konsumiert, zahlt oft beträchtliche Beträge – nicht wegen offizieller Gebühren, sondern wegen stillschweigender Aufschläge im Wechselkurs.

In einem Markt, der Transparenz und Vergleichbarkeit propagiert, ist das eine Praxis, die zumindest eine offene Diskussion verdient. Denn Kosten, die man nicht sieht, sind oft die teuersten.

Es lohnt sich also nach Banken zu schauen, die keine “Bearbeitungsgebühren” – als ob noch manuell etwas “bearbeitet” würde, berechnen bei Einkäufen im Ausland und solche Finanzinstitute zu bevorzugen, die faire Wechselkurse anbieten. Oder sich ein bei manchen Banken kostenloses Eurokonto zuzulegen, damit nicht ständig kostspielig Geld zu schlechten Wechselkurs-Konditionen gewechselt werden muß.

(rm, ch)

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