Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Doppelt soviel Häftlinge wegen unbezahlter Bußen
Es trifft die Leute am Rand der Gesellschaft
Doppelt soviel Häftlinge wegen unbezahlter BußenEs trifft die Leute am Rand der Gesellschaft

Doppelt soviel Häftlinge wegen unbezahlter Bußen

Es trifft die Leute am Rand der Gesellschaft
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In der Schweiz hat sich die Zahl der Personen, die wegen unbezahlter Geldstrafen ins Gefängnis geschickt werden, in weniger als zwanzig Jahren verdoppelt, berichtet RTS. Diese Praxis wirft auch in der Politik Fragen auf, zumal ein Hafttag die Allgemeinheit zwischen 200 und 400 Franken kostet.

Für die Waadtländer SP-Nationalrätin Jessica Jaccoud ist es widersprüchlich, prekäre Personen ins Gefängnis zu stecken, während verurteilte Straftäter wegen Überbelegung nicht inhaftiert werden. „Es ist Zeit, dem ein Ende zu setzen“, betont sie dazu, daß Leute wegen Schwarzfahren und anderen Bagatelldelikten in Haft kommen.

Hart zeigt sich hingegen der Walliser Nationalrat Philippe Nantermod (FD):

Er äußerte bei der Debatte im Nationalrat:

„Das erscheint mir besonders unfair gegenüber all den Menschen, die morgens aufstehen, arbeiten gehen und ihre teuren Zugabonnemente bezahlen müssen (…). Ich denke, irgendwann muss man auch an die denken, die das System tragen, und nicht nur an jene, die davon profitieren.“

Diese nahezu systematischen Inhaftierungen – selbst bei geringen Beträgen – tragen zur Überbelegung der Gefängnisse bei. Das Phänomen wurde am Montag im Nationalrat diskutiert.

In der Sendung Mise au Point berichtet die 54-jährige Violette offen, um etwas zu verändern. Sie bezieht IV und ist drogenabhängig. Ende April muss sie wegen über etwa fünfzehn Jahre angehäufter Bussen wieder ins Gefängnis: unbezahlte Fahrkarten, Drogenkonsum im öffentlichen Raum, Diebstahl eines Parfums. Sie wurde zu acht Monaten Haft verurteilt. „Ich denke mir: Das ist doch nicht möglich! Wie soll ich das schaffen?“, sagt sie. Den Sinn der Inhaftierung versteht sie nicht: „Ich koste fast mehr, als ich zurückzahle.“ Sie hofft noch, eine Lösung zu finden, um die Schulden nach und nach zu begleichen.

(rm)

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