Ukraine- und Iran-Krieg und die Auswirkungen für die VersorgungssicherheitWerden Düngemittel und in der Folge Nahrungsmittel knapp?
Viele spürten es bei den Stromrechnungen, daß der Stellvertreterkrieg in der Ukraine direkte Auswirkungen hat. Das Thema Düngemittel und Ernährungssicherheit hatten viele weniger auf dem Radar: Doch der Krieg hat auch die Düngemittelproduktion eingeschränkt, nun erfährt die Welt seit dem Stellvertreterkrieg im Iran, daß Ammoniak als wichtigstes Düngemittel zu großen Teilen über die Straße von Hormus befördert wird beziehungsweise befördert wurde.
Rußland war mit rund 20% einer der größten Ammoniakexporteure der Welt. Je nach Jahr lag sein Anteil am weltweiten Seehandel bei etwa 15 bis 20 %. Die Marktanalyse von ICIS bezifferte den Anteil der russischen seewärtigen Ammoniakexporte unmittelbar vor dem Krieg auf rund 20 %.
Allein die Togliatti–Odessa-Ammoniakpipeline konnte etwa 2,3 bis 2,5 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr zum Schwarzmeerhafen transportieren. Diese Menge entsprach grob 10–15 % des weltweiten Ammoniakhandels.
Seit dem Krieg gegen den Iran ist insbesondere die Versorgung des Westens mit Ammoniak gefährdet, da zusammen mit den Folgen des Ukraine-Krieges bis zu rund 40 Prozent oder mehr des weltweiten Ammoniak-Seehandels betroffen sein können. Bereits wird in Deutschland “Alarm geschlagen”, wie die Publikation Handelsblatt dort berichtet. Die Versorgungssicherheit sei “gefährdet”, die deutsche Tagesschau berichtete im Mai dieses Jahres “Europas Landwirtschaft ächzt unter steigenden Düngerpreisen” und schon 2022, als noch gar kein Krieg im Iran war, berichtete SwissInfo “Ukraine-Krieg lässt Dünger knapp und teuer werden”.
Die Straße von Hormus und ihre Bedeutung für den weltweiten Düngemittelmarkt
Über die Straße von Hormus wird ein überraschend großer Teil des weltweiten Ammoniakhandels abgewickelt – nicht, weil dort Ammoniak verbraucht wird, sondern weil mehrere der weltweit wichtigsten Exportländer am Persischen Golf liegen. Denn Ammoniak wird überwiegend aus Erdgas hergestellt. Die Golfstaaten verfügen über sehr große und günstige Erdgasvorkommen. Deshalb haben sich dort einige der kostengünstigsten Ammoniakproduzenten der Welt angesiedelt, insbesondere: Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und der Iran.
Diese Länder exportieren einen erheblichen Teil ihrer Produktion nach Asien, Europa, Afrika und Südamerika. Der praktisch einzige Seeweg aus dem Persischen Golf führt durch die Straße von Hormus.
Nach Angaben der International Fertilizer Association (IFA) entfielen 2024 auf diese fünf Staaten: 23 % des weltweiten Ammoniakexports und 34 % des weltweiten Harnstoffexports (wird aus Ammoniak und Kohlendioxid hergestellt) und 18 % des weltweiten Handels mit Ammoniumphosphaten (MAP/DAP).
Remo Maßat
Dünger aus der NachbarschaftWo sich lokale Ammoniakfabriken lohnen
Weiterführendes, Quellen
www.ifastat.org
www.ifastat.org/about-ifastat
www.ifastat.org/fertilizer-reports-analysis
www.wits.worldbank.org
www.datalab.wto.org/Strait-of-Hormuz-Trade-Tracker
www.iea.org/about/oil-safety-and-emergency-response/strait-of-hormuz
www.icis.com/explore/resources/news/2026/04/07/11195633/video-global-ammonia-market-assesses-impact-of-mideast-conflict
www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/agriculture/041726-muted-reaction-in-fertilizer-markets-to-strait-of-hormuz-reopening
www.argusmedia.com/de/news-and-insights/latest-market-news/2811410-iran-linked-ammonia-vessel-transits-strait-of-hormuz
www.carnegieendowment.org/russia-eurasia/politika/2026/03/russia-new-fertilizer-export?utm_source=chatgpt.com
