
Internationale Forschungskonferenz WONS 2026 in Crans-MontanaNeue Entwicklungen prägen bereits heute den Alltag
Wie sehen die drahtlosen Netzwerke der Zukunft aus und welche Rolle spielen 6G, Open RAN und intelligente Systeme dabei?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich die internationale Konferenz Wireless On-demand Network Systems and Services (WONS), die während zweieinhalb Tagen in Crans-Montana stattfand.
Forscher und Fachleute aus aller Welt diskutierten über aktuelle Entwicklungen und konkrete Anwendungen, die den Umgang mit digitalen Infrastrukturen in den kommenden Jahren prägen werden.
Netzwerke, die sich anpassen und mitdenken
Im Mittelpunkt der Konferenz standen intelligente drahtlose Netzwerke, die ihre Dienste dynamisch an die Nachfrage anpassen und die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer antizipieren.
Diese Entwicklungen prägen bereits heute den Alltag. Ob wir telefonieren, streamen oder online Informationen suchen: Ein großer Teil unseres Alltags beruht auf Daten, die über solche Netzwerke übertragen werden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie flexibel diese Infrastrukturen gestaltet werden können. Wenn Kommunikationsnetze so einfach anpassbar wären wie ein Baukastensystem, könnten Kosten gesenkt und Entwicklungsprozesse deutlich vereinfacht werden. Im Vordergrund steht deshalb der Übergang zu modular aufgebauten, flexibel kombinierbaren Netzwerken.
Open RAN: Das Ende der geschlossenen Netze
Die Konferenzteilnehmenden befaßten sich unter anderem mit Open RAN (Open Radio Access Network). Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Architektur von Mobilfunknetzen, die heute weitgehend von wenigen großen Anbietern geprägt ist, zu öffnen. In Zukunft soll es möglich sein, Softwaremodule verschiedener Anbieter zu kombinieren oder eigene Komponenten zu entwickeln. Das erleichtert die Integration unterschiedlicher Systeme, fördert Innovationen und senkt die Kosten.
Gegenwärtig arbeiten Telekommunikationsbetreiber meist mit komplexen Gesamtsystemen, die aus Technologien verschiedener Anbieter bestehen, jedoch als geschlossene Einheit beschafft und betrieben werden. „Open RAN“ setzt genau hier an: Diese monolithischen Strukturen werden aufgebrochen und durch eine modular aufgebaute Architektur ersetzt. Dies ermöglicht eine flexiblere Zusammensetzung der Netzwerke und verbessert sowohl die Ausfallsicherheit als auch die Energieeffizienz.
Energieverbrauch und Nachhaltigkeit digitaler Dienste
Ein weiteres Thema war die zuverlässige Messung des Energieverbrauchs digitaler Dienste. Forschende arbeiten an Modellen, die den Energiebedarf auch in komplexen Netzwerkarchitekturen präzise abbilden können. Solche Ansätze sind entscheidend für die Entwicklung nachhaltiger 6G-Infrastrukturen.
Neue Funktionen drahtloser Netzwerke
Zu den vorgestellten Innovationen zählen Technologien, mit denen Funkwellen Hindernisse umgehen und entlang von Oberflächen verlaufen können. Dadurch wird Kommunikation auch ohne direkte Sichtverbindung möglich und es eröffnen sich neue Perspektiven für zukünftige Netzwerke.
Eine weitere Entwicklung ist das sogenannte Wireless Sensing: WLAN-Signale werden dabei nicht nur zur Datenübertragung genutzt, sondern auch zur Wahrnehmung der physischen Umgebung.
So kann ein einfacher WLAN-Zugangspunkt ganz ohne Kamera Bewegungen erkennen oder sogar die Silhouette einer Person hinter einer Wand erfassen.
Das wirkt auf den ersten Blick beunruhigend, eröffnet aber auch konkrete Anwendungsmöglichkeiten. So könnten in der häuslichen Pflege älterer Menschen Stürze oder Veränderungen im Tagesablauf erkannt werden, ohne dabei direkt in die Privatsphäre einzugreifen. Netzwerke werden damit zu Systemen, die nicht nur kommunizieren, sondern auch wahrnehmen.
Austausch für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Neben dem offiziellen Programm bot die WONS 2026 auch zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch, insbesondere für Doktoranden, die ihre Arbeiten einem internationalen Fachpublikum präsentierten.
Die Konferenz zeichnete sich durch eine offene, konstruktive Atmosphäre aus, die einen echten fachlichen Dialog ermöglichte. Diskutiert wurde dabei auch, wie Forschung stärker an den Bedürfnissen von Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet werden kann.
Organisiert wurde die Veranstaltung von Dr. Gianluca Rizzo vom Institut für Informatik der HES-SO Valais-Wallis. Laura Finarelli war für die logistischen Aspekte verantwortlich, während Berk Buzcu die Konferenzwebsite gestaltete. Gastgeberin war die Ecole des Roches, die den Doktoranden günstige Übernachtungsmöglichkeiten anbot.
Sichtbarkeit für Forschung und Region
Für die HES-SO Valais-Wallis war die Durchführung der WONS 2026 ein wichtiger Erfolg, sowohl wissenschaftlich als auch organisatorisch. In einem Umfeld mit wenigen vergleichbaren Veranstaltungen in der Schweiz stärkt die Konferenz die Sichtbarkeit der Institution im Bereich der Telekommunikation.
Die Konferenz machte deutlich, wie sich drahtlose Netzwerke weiterentwickeln: Sie werden offener, modularer, energieeffizienter und sind zunehmend in der Lage, ihre Umgebung wahrzunehmen.
(pd, rm)
(Fotos: HES-SO)



