Kalie McCrystal vermißt: Sie wollte Matterhorn in 5 Stunden auf- und wieder absteigenVermißte Kalie McCrystal: Letztes Foto am Matterhorn auf 3830 Meter Höhe
Sie wollte das Matterhorns in weniger als 5 Stunden erklimmen und wieder absteigen, nun fehlt von ihr jede Spur. Seit Dienstag bereits wird sie vermißt, wie jetzt bekannt wurde.
Seit dem 1. September fehlt von der kanadischen Bergläuferin Kalie McCrystal bereits jede Spur. Die 38-Jährige wollte das Matterhorn von der italienischen Seite aus besteigen. Trotz umfangreichen Suchaktionen gibt es bislang keine Spur von ihr.
McCrystal gilt als erfahrene Bergläuferin. Nach eigenen Angaben plante sie, den Gipfel über den Löwengrat, auch Liongrat (Französisch) genannt, zu erreichen und die Bergtour innerhalb von weniger als 5 Stunden abzuschließen.
Bereits zuvor hatte sie das Matterhorn über den Schweizer Hörnligrat allein bestiegen. Für diese Tour benötigte sie knapp sieben Stunden.
Ihr letztes bekanntes Lebenszeichen stammt vom Dienstag, dem 1. September. Oberhalb der Jean-Antoine-Carrel-Hütte nahm McCrystal auf etwa 3830 Metern Höhe ein Selfie auf. Auf dem Foto sind unter anderem eine kurze Hose, eine leichte Jacke und ein kleiner Trailrunning-Rucksack zu sehen. Danach brach der Kontakt ab.
Intensive Suche im Hochgebirge
Rettungskräfte aus dem Aostatal und die Polizei von Cervinia haben die Suche aufgenommen. Dabei wurde unter anderem die italienische Normalroute systematisch abgesucht.
Zusätzlich kamen Helikopter und ein Recco-Ortungssystem zum Einsatz. Doch nicht einmal ihr Smartfon konnte man orten: Auch der Versuch, das Mobiltelefon der Vermißten zu lokalisieren, brachte bislang keinen Erfolg.
Weiße Bekleidung erschwert Suche
Die Bedingungen in der hochalpinen Umgebung machen die Suche schwierig. Nach Angaben der Rettungskräfte trägt McCrystal eine überwiegend weiße Bekleidung. Dadurch ist sie auf schneebedeckten Flächen und zwischen hellen Felsformationen nur schwer auszumachen.
Anspruchsvolle Route des Matterhorns
Der Aufstieg über die italienische Südseite des Matterhorns gilt als technisch anspruchsvoll. Im Vergleich zum bekannten Hörnligrat auf der Schweizer Seite ist die Route weniger stark frequentiert und weist teilweise schwierigere Kletterpassagen auf.
Für die Suchmannschaften bedeutet das schwieriges Gelände in großer Höhe. Die Rettungsarbeiten werden deshalb durch die alpinen Verhältnisse zusätzlich erschwert.
Familie, Freunde und Weggefährten der kanadischen Athletin hoffen weiterhin auf ein Lebenszeichen. Die Suche nach McCrystal dauert an.
Auf Instagram schrieb die Vermißte:
“Ich verbringe die letzten Tage in Cervinia, Italien, um mich auf mein großes Ziel für diese Saison vorzubereiten: das Matterhorn über den Liongrat in weniger als fünf Stunden zu besteigen und wieder abzusteigen. @raide.research hat genug an mich geglaubt, um mich mit einem Förderbeitrag für das Projekt zu unterstützen und mich mit der besten Ausrüstung sowohl für den Tantalus als auch für das Matterhorn auszustatten – was meinen finanziellen und sozialen Status beträchtlich verbessert hat. 🙏🏼
Vor ein paar Wochen hat @mil_young eine beeindruckende Leistung hingelegt und den bisherigen Rekord um 30 Minuten verbessert. Wenn überhaupt, hat mich das nur noch mehr motiviert, Teil dieses Abenteuers zu sein.
Dann kam es vor zwei Tagen zu einem großen Felssturz am Berg. Nicht direkt auf der Route, aber nahe genug, dass die Hütte nicht mehr betrieben werden konnte und geführte Touren abgesagt wurden. Heiße Tage und Gewitternächte sind für große Felsformationen nie eine gute Kombination.
Gestern habe ich mich vorsichtig auf den Berg begeben, mit einigen Seilschaften gesprochen und einen Gipfelversuch unternommen. Die Route hat es wirklich in sich! Wenn ihr schon dachtet, daß mein Soloaufstieg am Tantalus ziemlich waghalsig war, dann schaut euch einfach diese Fotos an. 😂
Eine Stunde lang sass ich auf dem Grat unterhalb des Gipfelblocks und hoffte, dass die Wolken aufreissen würden. Das taten sie nicht. Eine neue Route allein über nassen Fels zu klettern, bei praktisch null Sicht und einem realen Steinschlagrisiko, kam für mich nicht infrage. Also habe ich umgedreht. Selbst ich habe meine Grenzen. 😉
Heute traf mich @_karina.andersen an der Hütte. Gemeinsam mit einigen schnellen französischen Bergsteigerkollegen schafften wir es bis zum Gipfel und wieder sicher hinunter. Es war spektakulär und zugleich eine sehr eindrückliche Erfahrung.
Der unglaublich schnelle Männerrekord auf dieser Route wurde mit zahlreichen zusätzlichen Fixseilen aufgestellt – und man sieht sofort, welchen Vorteil das bringt! Die Frauen verwenden keine zusätzlichen Seile. 💪🏻
Die Wettervorhersage für die kommenden Tage ist leider ziemlich mäßig, und ich habe kein gutes Gefühl dabei, auf einer teilweise gesperrten Route einen FKT (Fastest Known Time, also eine Bestzeit) anzugreifen. Ich habe noch ungefähr zehn Tage Zeit, damit sich die Bedingungen verbessern und sich meine an Meereshöhe gewöhnten Lungen an die Höhe anpassen können. Die Hoffnung ist also noch nicht verloren, und ich gebe noch nicht auf.
Wenn ihr für mich die Daumen drücken wollt, würde ich mich jedenfalls darüber freuen.
Die Zeit hier in vollen Zügen genießen.
Das Beste daraus machen.”
Zermatt: Tödlicher Sturz am MatterhornMann stirbt am Löwengrat
(pd, rm)
(Fotos: Insta-Profil Kalie McCrystal)

