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SBB ändern Meßmethode
SBB und die PünktlichkeitSBB ändern Meßmethode

SBB und die Pünktlichkeit

SBB ändern Meßmethode
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Von Remo Maßat

Es wäre ein Lehrstück, ein Paradebeispiel für das –  lesenswerte – Buch „So lügt man mit Statistik“ von Professor Walter Krämer.

Die SBB erreichte 2025 eine Rekordpünktlichkeit: 94,1 Prozent der Züge erreichten ihr Ziel pünktlich – dank engagierten Mitarbeitenden sowie zuverlässigen Zügen und Infrastruktur. Und dies trotz Herausforderungen wie zahlreichen Baustellen und Anlässen„, schwärmten die SBB in einer Medienmitteilung selbstbeweihräucherisch Anfang des Jahres.

Das erstaunt, denn als Vielnutzer der SBB und anderer Bahnen hat man bei den Schweizerischen Bundesbahnen vermehrt den Eindruck, daß immer mehr Toiletten ausfallen oder verschmutzt sind, oder auch immer öfter Zu- / Ausstiege defekt sind, oder Türen innerhalb der Züge sich nicht öffnen lassen. Auch Pünktlichkeit ist ein Thema.

SBB haben die Meßmethode zur Pünklichkeit „angepaßt“

Nachdem sich der hier Schreibende wunderte, warum die Statistik zur Pünktlichkeit sich in der oben zitierten Medienmitteilung bloß auf wenige Jahre beschränkt und eine krumme Zahl also nicht 5, 10, 15 oder 20 Jahre, sondern 7 Jahre – für die Statistik herangezogen wurde, wurde bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB nachgefragt:

Gibt es Statistiken über den sehr kurzen Zeitraum von 2019 – 2025 hinaus?
Warum wurde dieser unübliche Zeitrahmen von 7 Jahren gewählt?“

Daraufhin erfolgte eine lapidare Mitteilung: „2019 wurde die Meßmethodik angepaßt, daher lassen sich die Daten von vor 2019 nicht mehr vergleichen. Entsprechend der Blick zurück auf die letzten sieben Jahren.

Das ist natürlich eine „Auskunft“, die wenig ergiebig erscheint. Also erneute Nachfrage: „Was wurde denn an der Meßmethode angepaßt und warum wurde die Meßmethode angepaßt?

Dazu die SBB:

„Die SBB hat per 2020 primär von der Kundenpünktlichkeit auf die Zugspünktlichkeit und sekundär von der Messung am betrieblichen auf die Messung am kommerziellen Fahrplan umgestellt. Die entsprechenden Angaben für 2019 konnten noch nachberechnet werden, für die Jahre davor jedoch nicht. Hauptgrund für die Umstellung der Pünktlichkeit war die Kundenperspektive: für den einzelnen Kunden sind pünktliche Züge wichtig (und nicht, wie pünktlich die Gesamtheit unserer Kunden am Zielbahnhof ankommt), und der Kunde sieht den kommerziellen und nicht den betrieblichen Fahrplan.“

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

So wird man also pünktlicher. Es ist klar, daß beim Zugmanagement Priorität auf die Züge gelegt wird, bei denen mehr Fahrgäste betroffen sind.

Arm dran, diejenigen Leute, die in sogenannten Randregionen, also etwa dem Wallis oder Graubünden leben.

Wie funktioniert es?

Ein Zug mit 100 Passagieren kommt rechtzeitig an, ein anderer Zug mit 50 Passagieren kommt verspätet an.

Zugpünktlichkeit ist 50%: 1 von 2 Zügen ist pünktlich.

Kundenpünktlichkeit ist 66.7%, denn 100 von 150 Kunden kommen pünktlich an.

Noch mehr verbessert sich natürlich die Quote bei noch geringer belegten Zügen in den Berggebieten.

Mehr aus der SBB-Pünktlichkeits-Trickkiste

Unpünktlichkeit läßt sich aber auch noch anders kaschieren. Wenn man unpünktlich ist, verlängert man einfach die Fahrzeiten. Und – zack – ist man wieder pünktlich. Erst jüngst wurden im Wallis viele Fahrzeiten einfach mal hoppla-hopp verlängert. Walliser Zeitung berichtete darüber.

Schlechter als in in den 70-er-Jahren in punkto Pünktlichkeit respektive Fahrzeit

Eisenbahn-Experte Jürg Streuli weist zudem darauf hin, daß dies Methode hat. Er nennt ein weiteres Beispiel: Ein weiterer Trick für Pünktlichkeit besteht darin, trotz modernisierten Strecken die Fahrzeiten zu erhöhen. In den 1970er Jahren betrug die Fahrzeit der Städteschnellzüge zwischen Lausanne und Genf noch 33 Minuten. Heute benötigen die schnellsten Züge 39 Minuten. Also volle sechs Minuten mehr trotz seither modernisierter Strecke und höheren zugelassenen Geschwindigkeiten.

Fazit zur SBB-Pünklichkeit

Also auch bei der Pünktlichkeit geht es abwärts, sonst hätte man die Statistiken nicht ändern bzw. „anpassen“ müssen.

Schön wäre es, wenn die SBB genauso kreativ bei anderen Dingen wären, etwa bei Kundenfreundlichkeit.

Apropos Pünklichkeit

Bei der Uhrzeit können SBB und RhB auch ganz ganz genau sein und mit den Bahnhofsuhren ist nicht immer alles so, wie es sein sollte:

Bußen-Irrsinn bei der Rhätischen Bahn

SBB lassen Infrastruktur in Zürich verlottern

 

 

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