Studentenflut in der SchweizImmer mehr Steuermänner, immer weniger Ruderer: +21% mehr Studenten
Während die Zahl der Studenten an Schweizer Hochschulen weiter steigt, wird die Schülerzahl auf der Primarstufe ab 2029 deutlich sinken. Auf der Sekundarstufe II ist hingegen bis mindestens 2035 mit einem Wachstum zu rechnen.
Gemäß dem Referenzszenario des Bundesamtes für Statistik (BFS) wird die Zahl der Studenten an den Schweizer Hochschulen voraussichtlich weiter steigen (+21 % zwischen 2026 und 2035) und auf Bachelor- und Masterstufe die Marke von 300 000 überschreiten. Diese Zunahme ist insbesondere auf das Bevölkerungswachstum und die steigende Zahl ausländischer Studenten zurückzuführen.
Gleichzeitig dürfte die Schülerzahl auf der Primarstufe infolge der rückläufigen Geburtenzahlen ab 2029 deutlich sinken (–8 % zwischen 2026 und 2035). Ab 2034 wird sich die Schülerzahl voraussichtlich auch auf der Sekundarstufe I verringern. Auf der Sekundarstufe II ist bis mindestens 2035 mit einem Wachstum zu rechnen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der BFS-Szenarien 2026–2035 für das Bildungssystem.
Weiteres Wachstum an den Hochschulen
Zwischen 2005 und 2025 nahmen die Studentenzahlen an den universitären Hochschulen (UH), den Fachhochschulen (FH) und den pädagogischen Hochschulen (PH) stark zu. Auf Bachelor- und Masterstufe erhöhten sie sich um 79 % von 137 000 Studenten im Jahr 2005 auf 246 000 im Jahr 2025.
Gemäß dem Referenzszenario des BFS ist auch in den nächsten Jahren mit einem kräftigen Wachstum zu rechnen. 2035 dürften 305 000 Studenten an Hochschulen eingeschrieben sein (+21 % gegenüber 2026).
Wesentliche Gründe für diese Entwicklung sind zum einen das Bevölkerungswachstum (geschätzt auf +6 %) und zum anderen der Anstieg der ausländischen Studenten (+19 % bei den Eintritten auf Bachelorstufe, +37 % auf Masterstufe). Bei allen drei Hochschultypen wird von einem ähnlichen Wachstum ausgegangen: 21 % bei den universitären Hochschulen, 19 % bei den Fachhochschulen und 23 % bei den pädagogischen Hochschulen.
Kräftiger Anstieg in der höheren Berufsbildung
Die Studentenzahlen an den höheren Fachschulen werden zwischen 2026 und 2035 voraussichtlich markant zunehmen (+17 %). 2035 werden auf Diplomstufe 41 300 Studenten erwartet. Die Zahl der dort verliehenen Abschlüsse dürfte sich um 16 % erhöhen.
Bei den eidgenössischen Diplomen ist ebenfalls mit einem Anstieg zu rechnen (+15 %). Die Zahl der eidgenössischen Fachausweise dürfte hingegen stabil bleiben (+1 %).
Moderate Zunahme auf der Sekundarstufe II
Auf der Sekundarstufe II dürfte die Schülerzahl in den kommenden Jahren moderater zulegen, hauptsächlich als Folge des Bevölkerungswachstums in den betreffenden Altersgruppen.
Bis 2035 wird in der beruflichen Grundbildung mit einem Anstieg um 10 % gerechnet. Dies betrifft sowohl die Ausbildung mit eidgenössischem Berufsattest als auch jene mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Bei den allgemeinbildenden Ausbildungsgängen, darunter die gymnasiale Maturität und die Fachmittelschulen, wird ein Wachstum von 12 % erwartet.
Ende des Wachstums auf der Sekundarstufe I
Im Zuge der seit 2022 stark rückläufigen Geburtenzahlen wird voraussichtlich auch die Schülerzahl auf der Sekundarstufe I langfristig sinken.
Bis 2031 dürfte sie noch zunehmen und sich anschließend bis 2033 stabilisieren (+5 % gegenüber 2026). Danach ist mit einem raschen Rückgang zu rechnen: Zwischen 2033 und 2035 dürfte die Schülerzahl um 2 % abnehmen.
Deutlicher Rückgang in der Primarschule
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Primarschüler der 3. bis 8. Klasse stark zugenommen. 2025 belief sie sich auf geschätzte 566 900.
2027/28 dürfte die Schülerzahl ihren Höchststand erreichen und anschließend aufgrund der seit 2022 rückläufigen Geburtenzahlen sinken. Nach 2032 hängt die weitere Entwicklung von der Zahl der künftigen Geburten ab und ist daher mit größerer Unsicherheit behaftet.
Gemäß dem Referenzszenario werden 2035 noch 527 000 Schüler erwartet. Dies entspricht einem Rückgang von 8 % gegenüber 2026.
Erhebliche Unsicherheiten bei den Prognosen
Derzeit bestehen erhebliche Unsicherheiten, weshalb die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Im Hochschulbereich läßt sich nur schwer voraussagen, wie viele Studenten aus dem Ausland kommen werden. Ihr Anteil an den Bachelorstudenten ist beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren von 14 % auf 18 % gestiegen.
Weitere Unsicherheitsfaktoren sind strukturelle Veränderungen, die Zahl der künftigen Geburten und die Wirtschaftslage. Aus diesem Grund werden drei Szenarien berücksichtigt.
(pd, rm)


