Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Wim Wenders und Peter Zumthor: die Begegnung zweier außergewöhnlicher Künstler
Eine Begegnung von Film, Architektur und Kultur
Wim Wenders und Peter Zumthor: die Begegnung zweier außergewöhnlicher KünstlerEine Begegnung von Film, Architektur und Kultur

Wim Wenders und Peter Zumthor: die Begegnung zweier außergewöhnlicher Künstler

Eine Begegnung von Film, Architektur und Kultur
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Im Palazzo Trevisan in Venedig trafen zwei außergewöhnliche Künstler aufeinander: der deutsche Regisseur Wim Wenders und der Schweizer Architekt Peter Zumthor. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider würdigte die besondere Verbindung von Film und Architektur sowie die Bedeutung kultureller Begegnungen. Im Mittelpunkt stand eine Zusammenarbeit, die bereits 2012 in Venedig ihren Anfang nahm. Ihre Rede im Wortlaut: 

Es ist mir eine große Freude und eine große Ehre, Sie heute Abend hier im Palazzo Trevisan willkommen zu heißen. Dieses Gebäude ist gewissermaßen das Schweizer Haus von Venedig. Es ist ein Symbol für die Verbundenheit und das Engagement unseres Landes für die sprachliche Vielfalt, die als wahrer kultureller Reichtum gilt. Ein Ort, an dem Ideen Grenzen überwinden. Ein Ort, der Künstler, Architekten, Filmschaffende und Denker aus vielen Ländern willkommen geheißen hat. Ein außergewöhnlicher Ort, dessen Mauern viel über die unglaubliche Geschichte dieser Stadt zu erzählen haben. Denn ja, Gebäude sprechen. Sie sind Zeugen des Laufs der Zeit, wenn man sich die Zeit nimmt, sie anzuschauen und dem zuzuhören, was sie uns zu sagen haben.

Wenn ich mich heute Abend hier umschaue, kommt mir unweigerlich der Gedanke, daß man sich kaum einen besseren Ort vorstellen kann, um ein Projekt zu feiern, das selbst das Ergebnis von Neugier, Dialog und kreativer Freundschaft ist. Venedig ist eine Stadt, die uns etwas über die Zeit lehrt. Sie erinnert uns daran, daß die Werke, die Bestand haben, oft jene sind, die mit Geduld, Vorstellungskraft und einer klaren künstlerischen Vision erschaffen wurden. Vielleicht ist Venedig deshalb der ideale Ort, um die Begegnung zweier außergewöhnlicher Künstler zu feiern: Wim Wenders und Peter Zumthor.

Film und Architektur

Auf den ersten Blick mögen Film und Architektur zwei ziemlich unterschiedliche Berufe sein. Der eine schafft Gebäude, die Generationen überdauern. Der andere erzählt Geschichten, die unauslöschliche Spuren in uns hinterlassen. Und doch beschäftigen sich beide mit derselben Frage: Wie schaffen wir Lebensräume, soziale und emotionale Orte mit Bedeutung, in denen Menschen fühlen, nachdenken, sich erinnern und ihrer Vorstellungskraft freien Lauf lassen können? Peter Zumthor gelingt dies mit Architektur, Wim Wenders mit seinen Filmen. Und in diesem bemerkenswerten Film begegnen sich diese beiden künstlerischen Universen.

Eine Zusammenarbeit, die in Venedig begann

2012 arbeiteten Wim Wenders und Peter Zumthor erstmals hier in Venedig zusammen, im Rahmen der Architektur-Biennale – und beide waren inspiriert von dieser Stadt. Aus ihrer Zusammenarbeit entstand der Kurzfilm „Notizen aus dem Alltag eines Architekten“. Das Ergebnis ist jetzt bekannt!

Was Peter Zumthor so faszinierend macht, ist nicht allein die Schönheit seiner Werke. Es ist sein tiefes Bekenntnis zur Authentizität. Seine Gebäude laden uns dazu ein, langsamer zu werden, genauer hinzuschauen, zuzuhören und einen Ort intensiver zu erleben.

Die besondere Sensibilität von Wim Wenders

In vielerlei Hinsicht läßt sich dasselbe über die Filme von Wim Wenders sagen. Seit Jahrzehnten gehört er zu den herausragenden Beobachtern unserer Welt. Seine Arbeit verbindet Entdeckerfreude und Menschlichkeit mit einer außergewöhnlichen Sensibilität für Orte und Menschen. Das macht ihn vielleicht zum idealen Filmemacher, um sich dem Werk von Peter Zumthor anzunähern.

Doch heute Abend geht es um mehr als um einen Film und um mehr als um Architektur. Es geht auch um kulturellen Dialog. Ein deutscher Filmemacher porträtiert einen Schweizer Architekten. Wir feiern diese Begegnung hier in Venedig, in einer Stadt, die seit Jahrhunderten Kulturen miteinander verbindet. Und wir tun dies an einem Ort, dem Palazzo Trevisan, der für die Freundschaft und den kulturellen Austausch zwischen der Schweiz und Italien steht.

Begegnungen, Neugier, Zusammenarbeit und Offenheit

Diese schöne Konstellation erinnert uns an etwas Wichtiges: Große künstlerische Leistungen leben von Begegnungen. Von Neugier. Von Zusammenarbeit. Und von der Offenheit für Perspektiven jenseits der eigenen Grenzen. In der Schweiz kennen wir den Wert dieser Offenheit. Unser Land ist geprägt von unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Traditionen. Dialogfähigkeit ist für uns nicht bloß ein hehres Prinzip – sie prägt unseren politischen Alltag.

Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb Schweizer Kulturschaffende immer wieder die Verbindung mit der Welt suchen – und weshalb internationale Partnerschaften für unsere Kulturlandschaft so wichtig sind. Ich denke beispielsweise an die Vereinbarung, die hier heute Nachmittag zwischen der Tessiner Filmkommission, der Walliser Filmkommission und der Fondazione Film Commission Vallée d’Aoste unterzeichnet wurde. Sie soll die Zusammenarbeit benachbarter Alpenregionen im audiovisuellen Bereich weiter stärken.

Kultur baut Brücken

In diesem Sinne feiern wir heute Abend wunderbare Beispiele dafür, wie Kultur Brücken baut. Nicht Brücken im ingenieurtechnischen Sinn – obwohl ich vermute, daß Peter Zumthor auch dazu einige interessante Gedanken hätte. Sondern Brücken zwischen verschiedenen Arten, die Welt zu sehen – um sie besser zu verstehen und wertzuschätzen.

Und vielleicht liegt genau darin einer der wertvollsten Beiträge, die Kultur heute leisten kann. Sie schafft Räume, in denen Menschen einander nicht in erster Linie als Vertreter von Institutionen oder Nationen begegnen, sondern als Menschen, die Geschichten, Ideen und Gefühle miteinander teilen.

Dank und Ausblick

Heute Abend feiern wir einen außergewöhnlichen Filmemacher, einen außergewöhnlichen Architekten und einen außergewöhnlichen Dialog zwischen ihren Visionen. Im Namen der Schweiz möchte ich Wim Wenders, Peter Zumthor, allen, die zu diesem Projekt beigetragen haben, sowie unseren Gastgebern hier in Venedig unseren Dank aussprechen.

Möge dieser Film zu vielen Gesprächen, neuen Perspektiven und vielleicht sogar zu einigen künftigen Kooperationen anregen. Und mögen wir weiterhin durch Kultur, Kreativität und Freundschaft Brücken bauen.

(pd, rm)
(Foto: EDA)

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