
Wohl kaum mehr als aktuell hat der Ruf des Wallis größeren Schaden genommenWeltweite Negativschlagzeilen, täglich neue Kritik am Wallis
Ein Kommentar von Remo Maßat
Wohl kaum mehr als aktuell hat der Ruf des Wallis größeren Schaden genommen.
Dies nicht allein durch die Brand-Katastrophe in Crans-Montana sondern das Danach. Der fehlende Respekt gegenüber den Opfern, bei der der Gemeindepräsident offenbar die Gemeinde Crans-Montana als das größte Opfer sieht, machten weltweit Negativschlagzeilen. Die fehlende Aufarbeitung, eine offenkundig nicht funktionierende Justiz, die Tatverdächtige nicht verhaftet, dann freiläßt. Auch andere, die wichtige Zeugen in der Tatnacht sind wie einen französischen Saisonnier läßt man einfach ausreisen.
Die beiden Inhaber der Bar „Le Constallation“ können über Tage sich absprechen, Beweise in sozialen Medien löschen, eine Verdunkelungsgefahr sieht die Staatsanwaltschaft Wallis unter Leitung der Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud die schließlich die Leitung an 4 Frauen, wie sie betont, übergeben hat nicht.
Die Gemeindeverantwortlichen für Brandschutz werden nicht einmal einvernommen, geschweige denn werden Sicherstellungen von Brandschutzdossiers durch die Staatsanwaltschaft Wallis vorgenommen.
Die Generalstaatsanwältin muß sich schließlich öffentlich entschuldigen, weil den Angehörigen der Opfer Anwälte empfohlen wurden, die so eng mit der Walliser Justiz verwoben sind, daß sie schließlich ankündigten, in den Ausstand zu treten.
Politisch sieht es nicht besser aus. Die Unterwalliser Parteieen und Teile der Oberwalliser Parteien erklären, sie hätten vollstes Vertrauen in die Justiz anstatt, daß es eine PUK oder wenigstens eine Sondersession gäbe.
Tagtäglich kommen unterdessen weitere Unregelmäßigkeiten, Versäumnisse und Fehler bei den Ermittlungen ans Tageslicht, die weltweit negative Schlagzeilen produzieren. Schon sollen erste Gäste in Crans-Montana Stornierungen vorgenommen haben.
Es fragt sich: Wird sich erst dann etwas ändern, wenn dies mehr Gäste machen?
Seit Jahren werden von der Walliser Politik zudem Frauen in Ämter gehievt, was kein Walliser Phänomen ist. Wenn Ämter nach Geschlecht und nicht nach Kompetenz, Eignung und Erfahrung vergeben werden, so ist dies nicht bloß eine Diskriminierung. Sondern es treten dann wohl auch Inkompetenzen auf.
Auf die Frage der NZZ, „Die Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud ist erst seit zwei Jahren im Amt. Bis dato arbeitete sie als Anwältin und hatte noch nie ermittelt.“ antwortete Alain Macaluso, Anwalt und Direktor des Lausanner Universitätszentrums für Strafrecht: „Ich kann die Gründe nicht beurteilen, aber zu Beginn der Untersuchung mangelte es auf gravierende Weise an Professionalität. Die Staatsanwaltschaft hat unglaubliche Fehler gemacht. Das wundert mich umso mehr, als sie auch erfahrene Leute hat. Ich kenne im Wallis sehr gute Staatsanwälte. Für den Fall von Crans-Montana braucht es eine Person, die weiß, was sie tut – und sagt, was sie tut. Beides ist offensichtlich nicht der Fall.“
(Bild: Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud)

