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Zivis nötiger denn je!
Zwischen Armee, Gewissensfreiheit und gesellschaftlicher VerantwortungZivis nötiger denn je!

Zwischen Armee, Gewissensfreiheit und gesellschaftlicher Verantwortung

Zivis nötiger denn je!
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 Von Roger E. Schärer

Der Zivildienst rückt wieder in den politischen und öffentlichen Fokus mit der kommenden Abstimmung im Juni. Auch in Kirchen sind starke kritische Stimmen zur Gewissensprüfung hörbar. Aber auch gespaltene Standpunkte pro und contra in den Diskussionen in religiösen Kreisen. Bestandesprobleme der Armee sollen mit einer Verschärfung und Gewissensprüfung gelöst werden.

Kritik an Verschärfungen und historische Einordnung

Wenn „Kalte Krieger“ den Zivildienst als zu wenig herausfordernd qualifizieren und an erhöhten Zivildienstzeiten schrauben, dann entbehrt dies jeder Grundlage. Es waren die damals geächteten und bestraften und eingesperrten Dienstverweigerer, welche die Grundlagen für den Zivildienst aus Gewissensüberzeugungsgründen legten.

Ein „kalter Krieger“ im Ständerat meinte, dass sich das Gift der Wehrbereitschaft bereits mit dem Zivildienst in die Armee „hineingefressen“ habe.

Zahlen, Armee und Milizsystem

Tatsache ist, dass wir heute von 20’000 Jahrgangs-Militärdienst-Stellungspflichtigen über 6’000 auf dem blauen medizinischen Weg dem verfassungspflichtigen Militärdienst an den kritisierten „attraktiveren“ Zivildienst verlieren. Statt darüber zu lamentieren, sollten wir uns selbst an der Nase nehmen für einen motivierenderen und sinnvolleren Dienst für die Sicherheit unserer Schweiz in der Armee einsetzen. Es gilt in unserer Milizarmee die Synergien zwischen Wirtschaft, Beruf und privaten Bedürfnissen zu stärken. Miliz heisst, dass man dort seine Fähigkeiten einbringt, wo diese auch gebraucht werden.

Persönliche Erfahrung und historische Praxis

Ich hatte früher die Gelegenheit, an einigen Befragungen von Kommissionen dabei zu sein. Vor allem bei jungen Menschen, die aus religiösen Gründen den Wehrdienst verweigerten, wurden unsägliche Fragen gestellt, die an DDR-Zeiten erinnerten und jeglichen Respekt vor diesen mutigen entschiedenen Menschen vermissen liessen.

Entwicklung des Zivildienstes und politische Kritik

Die damalige Entkriminalisierung des Zivildienstes war der richtige Weg mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel. Es ist deshalb falsch, höhere Hürden mit der Wiedereinführung der Gewissensprüfung zu schaffen und unsere „Zivis“ damit zu diskriminieren. Damit eröffnen sich wieder Steilpässe für die Linke im politischen Diskurs. Das sind unnötige und falsche Politforderungen und führen zu Spaltungen im Hinblick auf die grossen aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen in einem sich völlig veränderten geopolitischen Bedrohungsumfeld. Digitalisierung, Robotik und der Krieg der Zukunft minimieren die personellen Bestände. Wir brauchen beides, soldatisches Können in neuen Bedrohungslagen.

Gesellschaftlicher Bedarf und Zivildienst als Ressource

Die Überalterung unserer Gesellschaft braucht in 25 Jahren über 30’000 Pflegekräfte und hat somit auch volkswirtschaftliche Bedeutung. Der Zivildienst ist bei Bundesrat Parmelin in seinem Departement Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und richtigerweise nicht im interessengetriebenen VBS angegliedert. Die Zivis sind eine grosse personelle Reserve für die zukünftigen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Soziales und Umwelt.

Wertung des Zivildienstes in der Gesellschaft

Zivis sind keine gesellschaftlichen Drückeberger, Parasiten, die sich vom strengeren Militärdienst drücken. Führungsmängel und unfähige Vorgesetzte sind in der Armee und im Zivildienst immer vorhanden.

Da werden auch pflegebedürftige alternde Politiker und Offiziere froh sein, wenn sie von Zivis im Rollstuhl betreut und gepflegt werden. Es gilt zu anerkennen, dass sich unsere Zivis mit ihren Motiven, Fähigkeiten, Überzeugungen und beruflichen und sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen für unsere Gesellschaft in den verschiedensten Bereichen engagieren. Es ist bemerkenswert, dass sich junge Schweizer mit ihren Pflichten und ihrer Rolle in der Zivilgesellschaft auseinandersetzen.

Gesellschaftliche Verantwortung und Vertrauen

Wie entsteht eine glaubwürdige Verteidigungsbereitschaft und Dienst an der Gemeinschaft? Sicher nicht durch Zwang, Gewissensprüfung und erhöhte Hürden für den Zivildienst. Eine Gesellschaft, die ihren jungen Menschen mit Misstrauen begegnet, untergräbt letztlich das, was sie einfordert: Bereitschaft und Verantwortung zu übernehmen und zur gelebten Resilienz unseres Landes beizutragen.

Schluss: Erfahrungen aus der Truppenführung

Als Truppenkommandant habe ich erlebt, wie unmotivierte zwangsweise rekrutierte Soldaten, die nicht in den Zivildienst überführt werden konnten, in einer militärischen Einheit nur Führungs- und Stimmungsprobleme verursachen. Es sind meistens intelligente und politisch erfahrene Soldaten, die wenig erfahrenen Kommandanten nur grosse Probleme in Führung und Dienstleistung schaffen. Es ist eine falsche Politdiskussion in einer falschen sicherheitspolitisch bedrohlichen Zeit!

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