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Auf dem Weg zur 15-Millionen-Schweiz
Kommentar zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!»Auf dem Weg zur 15-Millionen-Schweiz

Kommentar zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!»

Auf dem Weg zur 15-Millionen-Schweiz
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Ein Kommentar von Thomas Baumann

Nervenflattern allerorten wegen der 10-Millionen-Initiative. Am Montag liess Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider im Tages-Anzeiger verlautbaren: «Die ausländische Bevölkerung zahlt mehr in die AHV ein, als sie bezieht.»

Natürlich, das ist richtig: Menschen wandern in jungen Jahren als Ausländer in die Schweiz ein, werden nach vielen Jahren eingebürgert und beziehen dann AHV. AHV-Beiträge haben sie somit als Ausländer gezahlt, Rente beziehen sie als Schweizer. Der Taschenspielertrick ist einfach zu durchschauen.

Doch wie funktioniert unsere AHV eigentlich? Eine Person mit einem Monatslohn von 5000 Franken brutto zahlt jeden Monat 8,7% ihres Lohns in die AHV ein. Über ein Erwerbsleben von 44 Jahren für eine Vollrente macht das (inkl. 13. Monatslohn) insgesamt AHV-Beiträge von rund 250’000 Franken.

Grosszügiges Supplement

Wenn die Person nach der Pensionierung noch genau 21 Jahre und 8 Monate lebt, was exakt der statistischen Restlebenserwartung im Alter von 65 Jahren entspricht, dann bezieht sie insgesamt AHV-Renten im Umfang von 615’000 Franken oder 365’000 Franken mehr, als sie in die AHV einbezahlt hat.

Dasselbe bei einer Person, die den Medianlohn von 7024 Franken verdient. Sie zahlt im Lauf ihres Erwerbslebens 325’000 Franken ein und erhält 685’000 Franken an Rente oder ebenfalls 360’000 Franken mehr, als sie einbezahlt hat.

Mit anderen Worten: Unser liebstes Sozialwerk ist nichts anderes als ein Schneeballsystem. Die Ausländer, die heute die Beiträge bezahlen, wollen diese im Rentenalter natürlich ebenfalls zurück, plus das erwähnte «Supplement» von etwa 360’000 Franken. Von wegen: Ausländer zahlen mehr ein, als sie beziehen…

Gutschweizerischer Kompromiss

Noch ein Wort zum Medianlohn: Dabei handelt es sich um ein statistisches Konstrukt, nämlich den auf eine Vollzeitstelle hochgerechneten Median-Stundenlohn. Die Vorstellung, dass die Hälfte der Bevölkerung mehr und die andere Hälfte weniger als den Medianlohn verdient, ist — wegen der vielen Teilzeit-Erwerbstätigen — falsch. In Tat und Wahrheit verdienen die meisten Erwerbstätigen weniger als den Medianlohn von 7024 Franken. Entsprechend ist die Idee, dass die «Gutverdienenden» den weniger gut Verdienenden die AHV bezahlen würden, Unsinn.

Funktionieren tut so ein System natürlich nur, wenn immer wieder neue Beitragszahler hinzukommen — die Zuwanderung lässt grüssen. Am Ende des Jahrhunderts benötigen wir dann vielleicht eine 15-Millionen-Schweiz.

Doch ist die 10-Millionen-Initiative derart extrem, wie allerorten geschrieben wird? Gemäss dem Referenzszenario des Bundesamts für Statistik wird die Bevölkerung der Schweiz bis 2050 auf 10,4 Millionen Menschen anwachsen. Heute sind es 9,1 Millionen.

Anstelle eines Anstiegs um 1,3 Millionen fordert die 10-Millionen-Initiative «nur» einen Anstieg von höchstens 0,9 Millionen. Das sind immerhin zwei Drittel des erwarteten Anstiegs ohne Begrenzung.

Das ist kaum «extrem» zu nennen, sondern viel eher ein gutschweizerischer Kompromiss.

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