Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Das Saastal vor den Trümmern eines Traums: Eishockey-Exil und die Millionen-Sorgen der Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn
Ein gescheitertes Hallenprojekt, ein Konkurs und ein umbenannter, neuer Verein "EHC Saastal Fletschorn" im Exil.
Das Saastal vor den Trümmern eines Traums: Eishockey-Exil und die Millionen-Sorgen der Raiffeisenbank Mischabel-MatterhornEin gescheitertes Hallenprojekt, ein Konkurs und ein umbenannter, neuer Verein "EHC Saastal Fletschorn" im Exil.

Das Saastal vor den Trümmern eines Traums: Eishockey-Exil und die Millionen-Sorgen der Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn

Ein gescheitertes Hallenprojekt, ein Konkurs und ein umbenannter, neuer Verein "EHC Saastal Fletschorn" im Exil.
0

Das Saastal ringt mit den Folgen des Hallenkonkurses: Horrend explodierte Baukosten, wohl bevorstehende Millionenabschreiber für die Gläubiger und Eishockey im Exil in Brig.

Es ist die sportliche und wirtschaftliche Bruchlandung des Jahres im Oberwallis. Während die Eishockey-Mannschaft auf dem Eis nach einer Serie von Niederlagen sportlich auf den letzten Tabellenplatz der 1. Liga abgerutscht ist – in der regionalen Gruppe West, welche die Westschweiz, die Suisse Romande und das Oberwallis umfaßt –, wurden hinter den Kulissen bereits vollendete Tatsachen geschaffen.

Der hochverschuldete Stammverein EHC Saastal befindet sich nach der Bilanzdeponierung in der Konkursabwicklung, während die unvollendete Erlebnisbank-Arena in Saas-Grund als versiegelte Bauruine im Tal steht. Doch durch eine gezielte Neugründung läuft der Spielbetrieb im Exil vorerst weiter – sehr zum Ärger der Gläubiger.

Vom Prestigeprojekt zur Blamage

Alles begann mit der Vision einer modernen Sport- und Veranstaltungshalle, welche die touristische und sportliche Infrastruktur der Region auf ein neues Niveau heben sollte. Das ursprüngliche Baubudget war mit 8,5 Millionen Franken veranschlagt. Am Ende war die Rede von fast 14 Millionen und es stand zu befürchten, daß weitere Millionen hinzukommen.

Auch die Bevölkerung des Saastals machte nicht mehr mit, zog die Reißleine. Die Verantwortlichen hofften auf eine jährliche Defizitgarantie von 200’000 Franken, doch nach Saas-Fee lehnten auch Saas-Grund, Saas-Almagell und Saas-Balen weitere Gelder ab.

Es gab eine historische Abfuhr für das immer undurchsichtiger erscheinende Projekt mit Protagonisten, die Doppelrollen innenhatten. Mit deutlichen 60 bis 68 Prozent wurde gegen neues Geld für die Erlebsnisbank-Arena, wie die Saastalhalle vom Hauptgläubiger-Namen abgeleitet benannt worden war, ab.

Es war das definitive Todesurteil für das Bauprojekt.

Unmittelbar nach dem Scheitern der Gemeindekredite reagierte das Konsortium aus den drei Hauptgläubigern – der Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn, dem Energieunternehmen Enalpin und den Zengaffinen-Unternehmungen – mit einer scharfen gemeinsamen Stellungnahme. Sie zogen alle zugesagten Sanierungs- und Finanzierungslösungen mit sofortiger Wirkung zurück und drohten den Verantwortlichen des EHC Saastal sowie den Gemeinden ausdrücklich mit rechtlichen Schritten.

EHC Saastal entzieht sich: Gläubiger gucken in die Röhre

Nach dem politischen Nein folgte der juristische Schnitt. Um den Spielbetrieb und die Nachwuchsmannschaften vor dem direkten Zugriff der Gläubiger zu retten, wurde ein strategisches Manöver vollzogen, über der Walliser Bote / das Portal Pomona berichtete: Noch vor der endgültigen Bilanzdeponierung wurden die Lizenzen und die Mannschaften auf eine Fördervereinigung übertragen. Diese tritt nun unter dem fast identischen Namen EHC Saastal Fletschhorn auf.

Während der alte Stammverein abgewickelt wird und das Konkursamt die unfertige Halle amtlich versiegelt hat, rettete sich der Eishockeysport so in einen schuldenfreien Nachfolgeverein. Der Gläubigerdruck prallt damit sportlich ins Leere.

Da die Lizenzen, Nachwuchsmannschaften und der gesamte operative Spielbetrieb rechtzeitig an die schuldenfreie Auslagerungsstruktur übertragen wurden, läuft das eishockeyspezifische Vereinsvermögen – die wertvollen Spielberechtigungen der Liga – am Konkursverfahren vorbei.

Für die Gläubiger bedeutet das: Sie können nicht auf die Erlöse des aktuellen Spielbetriebs zugreifen, um ihre Verluste zu minimieren, sondern bleiben auf den immensen Baukosten sitzen.

Der Preis für diesen Befreiungsschlag ist dennoch hoch: Da im Saastal kein nutzbares Eis zur Verfügung steht, muß der neue Verein für sämtliche Trainingseinheiten und Heimspiele vollständig nach Brig ausweichen. Das dauerhafte Exil schlägt sich spürbar auf die sportliche Leistung nieder, wie der jüngste Absturz ans Tabellenende zeigt.

„Kein schönes Erlebnis“: Raiffeisenbank im Kreuzfeuer der Kritik

Während der neue Verein im Exil aufläuft, brodelt es hinter den Kulissen der regionalen Wirtschaft gewaltig. Im Zentrum steht die Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn. Als Hauptgläubigerin hat sie Kredite in Millionenhöhe in das Projekt gepumpt und trat im Rahmen eines umfassenden Sponsoringvertrags stolz als Namensgeberin der Erlebnisbank-Arena auf.

Unsere eigenen Recherchen der vergangenen Monate werfen jedoch massive Fragen zur Informationspolitik der Bank auf. Statt Transparenz zu schaffen, mauerte das Geldhaus ebenso wie die Führung der Saastal-Arena AG und verweigerte konkrete Auskünfte über das Ausmaß der finanziellen Verstrickungen. Zusammen mit anderen Großgläubigern hatte die Bank bis zuletzt Druck auf die Gemeinden ausgeübt, um staatliche Garantien quasi zu erzwingen. Es war die Rede davon, daß ansonsten eine Bauruine drohe im Tal. Genau das ist eingetreten. Der Blick-Autor Martin Meul schrieb damals nach der Abstimmung “in Saas-Grund VS steht die teuerste Bauruine des Landes”.

Nun, da dieses Pokerspiel verloren ist und sich die Mannschaften durch die Neugründung dem direkten Zugriff entzogen haben, zeigt sich eine klassische Sackgasse im Schweizer Insolvenzrecht: Das Fremdkapital in Millionenhöhe wurde für das Bauprojekt, also die Saastalhalle, bereitgestellt.

Durch den Konkurs des Stammvereins und die amtliche Versiegelung halten die Gläubiger nun Pfandrechte an einer unfertigen, stillgelegten Bauruine, die auf dem Markt faktisch wertlos ist. Für die Erlebnisbank Raiffeisen Mischabel-Matterhorn ist das Prestigeprojekt zu einem Albtraum geworden, der mutmaßlich Millionenabschreibungen nach sich ziehen wird.

Quellenverzeichnis und Archivverweise

Eigene Berichterstattung (Walliser Zeitung): Siehe unsere Analysen „Abstimmung Saastalhalle vom 5. Juli 2026“ und „Saastalhalle / Erlebnisbankarena erhält kein weiteres Steuergeld“ (Ausgaben vom 6. und 10. Juli 2026).

Walliser Bote (Ausgabe vom 14. August 2026): Einzelheiten zur Bilanzdeponierung des Stammvereins und zur Übertragung des Spielbetriebs auf den Nachfolgeverein EHC Saastal Fletschhorn.

Le Nouvelliste (Ausgabe vom 14. August 2026): Bericht „Haut-Valais: un club de hockey en faillite, mais qui va continuer de jouer“ zu den endgültigen Abrechnungszahlen von 13,8 Millionen Franken und zur Versiegelung durch das Konkursamt.

(rm)

Fehler gefunden? Jetzt melden.

IHRE MEINUNGEN

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Close