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Oder wie Medien im Sommerloch hyperventilieren
‹Trumps Parasit›Oder wie Medien im Sommerloch hyperventilieren

‹Trumps Parasit›

Oder wie Medien im Sommerloch hyperventilieren
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Eine Kolumne von Thomas Baumann

Durchfall ist das Corona des Sommers 2026. So jedenfalls scheint es, wenn man dieser Tage durch den Blätterwald blättert.

Und wenig überraschend: Zusammen mit dem Durchfall gehen auch Augenmass und Rationalität der Medien das Loch hinab.

So titelten die Zeitungen des CH Media-Verlags von Grenchen bis Appenzell: «Wie Trumps Budgetkürzungen Menschen extremen Durchfall verursachen.» Wir kugeln uns vor Bauchschmerzen, pardon, vor Lachen…

Auslöser der Aufregung — neben dem Sommerloch — ist ein Parasit namens Cyclospora cayetanensis.

Dieser fühlt sich im Darm des Menschen offenbar pudelwohl und löst dort wässrigen Durchfall aus. In der Tat ist der Mensch der einzige bekannte Wirt für diesen Parasiten.

Dennoch findet in der Regel keine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung statt: Aufgrund der langen Reproduktionszeit ist der ausgeschiedene Parasit nicht direkt infektiös.

Schon seit einem Vierteljahrhundert kommt es zu regelmässigen Infektionswellen, vor allem im Sommer, meist zwischen Mai und Juli in den USA, aber auch in Europa. Und zusammen mit dem medialen Sommerloch dürfte auch diese Welle wieder abebben.

Importiertes Problem

Grund für eine Infektion sind meist importierte Früchte und Gemüse. In den USA war der Hauptschuldige in den letzten Jahren oft gewaschener und verpackter Salat aus Mexiko.

In tropischen und subtropischen Gegenden ist der Parasit endemisch und in die Salattüte gelangt er, weil der Salat entweder mit verunreinigtem Wasser gewaschen wird oder schon auf dem Feld mit dem Parasiten in Kontakt kommt.

Die U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schrieben am 14. Juli in einer Medienmitteilung, dass es heuer bis dato 1645 laborbestätigte Fälle gab, signifikant mehr als die 249 Fälle im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Ein Unterschied sicherlich, aber bei weitem kein Quantensprung.

Interessant ist allerdings, dass die Hälfte der Verdachtsfälle alleine auf den US-Bundesstaat Michigan entfällt. Dies wirft die Frage auf, ob es dort zu einer lokalen Weiterverbreitung des Parasiten kam.

Klärschlamm als Auslöser?

Wenn man verunreinigtes Wasser als Infektionsquelle ausschliesst, was man im Fall von Michigan wohl kann, müsste die Übertragung auf Nahrungsmittel auf dem Feld geschehen sein. Klärschlamm wäre ein naheliegender Verdächtiger.

Tatsächlich lautet sich das Michigan Department of Agriculture and Rural Development als glühender Fan der Verwendung von Klärschlamm als Dünger: Man «ermutige» dessen Verwendung in der Wald- und Forstwirtschaft.

Im Vergleich dazu die Schweiz: Hier ist die Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft seit Oktober 2006 verboten. Ein weiterer Grund, für hiesiges Gemüse etwas mehr zu bezahlen.

Aufgrund der langen Reproduktionszeit des Parasiten und weil in der Regel keine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch stattfindet sind Übertragungswege nur schwer nachzuverfolgen.

Bester Nährboden also für Verschwörungstheorien. Diese Infektionskette begann, wieder einmal, mit dem britischen Guardian. Und die Schweizer Medien schrieben — man spricht ja Englisch — natürlich fröhlich ab.

Am richtigen Ort gespart

Schuld sei Trump. Dieser habe nämlich letztes Jahr 11.4 Milliarden Dollar Fördergelder für Gesundheitsbehörden gestrichen. Zwar seien diese für Pandemie-Massnahmen zweckgebunden gewesen, aber trotzdem gelte selbstverständlich: Je besser Ämter mit Bürokraten ausstaffiert sind, desto besser sorgen sie für uns.

Das CDC schreibt in seiner Mitteilung übrigens weiter: «141 der 1645 Fälle führten zu einer Spitaleinweisung. Es wurden keine Todesfälle gemeldet.»

11,4 Milliarden Dollar gespart und kein einziger zusätzlicher Toter: Trump hat den Rotstift definitiv am richtigen Ort angesetzt.

Doch für die hiesigen Medien nicht genug: Ist Trump für einmal nicht für Tote verantwortlich zu machen, so ist er zumindest an Durchfall schuld.

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