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Stupid, es ist die Evolution...
Wo Roger Köppel irrtStupid, es ist die Evolution...

Wo Roger Köppel irrt

Stupid, es ist die Evolution...
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Ein Kommentar von Thomas Baumann

In seinem jüngsten Editorial sinniert Weltwoche-Chefredaktor und Verleger Roger Köppel über Moral. Beziehungsweise: Er tut das, indem er über den Literaturwissenschaftler und Mediävisten Clive Staples Lewis und dessen Begriff der «objektiven Moral» sinniert.

Da lesen wir: «Das Gespür für Recht und Unrecht, für die Würde des Anderen, das kennen alle Kulturen. […] Keine dieser Zivilisationen hat je behauptet, es sei in Ordnung, den Schwachen zu zertreten, nur weil man die Kraft dazu hat. […] Was der Mensch ‹Moral› nennt, die Gesamtheit aller Regeln, wie man richtig leben soll, ist nichts, was sich der Mensch ausdenkt oder auf dem Reissbrett seines Verstandes entwirft. Moral geht dem Menschen voraus, ist Ausdruck einer höheren Ordnung.»

Evolutionärer Vorteil

Stop, gemach! Egal ob die These von Köppel oder von C.S. Lewis stammt: Der Schluss auf eine höhere Ordnung, bloss weil etwas global existiert, ging doch etwas gar schnell.

Wie wäre es zum Beispiel mit dieser Alternativhypothese: Etwas, das (langfristig) existiert, existiert darum, weil es sich als evolutionären Vorteil erwiesen hat?

Moral kann ein evolutionärer Vorteil sein, weil dadurch Interessenkonflikte reguliert werden, ohne dass es zu kostspieligen Auseinandersetzungen oder Streitschlichtungsverfahren — konkret: der moderne Rechtsstaat mit teuren Anwälten und Gerichten — kommt.

Das spart Ressourcen — und das war und ist in Zeiten knapper Ressourcen ein Vorteil für die ganze Gemeinschaft.

Bleibt die Frage: Wenn Moral für die gesamte Gemeinschaft von Nutzen ist – warum sollen sich dann die einzelnen Menschen an Moral halten? Warum soll sich jemand, der stärker ist, gegenüber dem Schwächeren an Moral halten?

Antwort: Weil derjenige, der stärker ist, das nicht (mit Sicherheit) immer ist. Auch der Stärkste kann gebrechlich werden, Momente der Schwäche zeigen.

Schleier der Ungewissheit

Letztlich schwebt über jeder Existenz der Schleier der Ungewissheit. Und darum ist auch die Existenz desjenigen, der im Moment stärker ist, mit einer Unsicherheit behaftet.

Gegen Unsicherheit hilft Versicherung. Und Moral ist eine Art von Versicherung im zwischenmenschlichen Bereich.

Moral reguliert das zwischenmenschliche Zusammenleben und beugt Reibungen vor, die ansonsten durch konstantes Aushandeln und Adaptieren von Regeln an sich wandelnde Stärkeverhältnisse entstehen würden.

Dadurch werden Ressourcen frei. Ressourcen, die anderswo eingesetzt werden konnten und den entsprechenden Gemeinwesen so einen evolutionären Vorteil verschafft haben.

Gemeinwesen, welche die Moral kennen, sind darum überall auf dem Globus verbreitet, weil Gemeinschaften ohne Moral ausgestorben sind. Genau darum ist Moral ein globales Phänomen — und nicht deswegen, weil (ein) Gott die Finger im Spiel gehabt hätte.

Nun: Das ist natürlich ebenfalls eine Hypothese. Zu zeigen wäre daher, dass Gesellschaften ohne Moral tatsächlich ausgestorben sind.

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