
Posse im BäderdorfLeukerbad, oh Leukerbad!
Eine Glosse von Thomas Baumann
In Leukerbad gab’s Knatsch ums Abwasser. Sprich: Man war sich nicht einig, ob man eine eigene Kläranlage bauen oder das Abwasser einfach ins Tal in eine andere Abwasserreinigungsanlage (ARA) leiten solle.
Ansonsten vor allem mit sich selbst beschäftigt, sah die NEO – die sozialliberale Mitte in dieser Frage einen willkommenen Anlass, wieder einmal ihre Muskeln zu flexen und lancierte eine Initiative namens «ARA Leukerbad».
Stolz vermeldete man, dass man bereits 220 Unterschriften — «gut einem 1/3 der stimmberechtigen LeukerbadnerInnen» — beisammen habe, damit die Frage in einer postalischen Abstimmung entschieden werde. Zum Vergleich: An eine sehr gut besuchte Urversammlung verirren sich höchstens einmal hundert Nasen.
Misstrauen?
Doch warum eine postalische Abstimmung? Misstrauen in die Verhandlungsführung der Urversammlung? Der Verdacht ist nicht unbegründet, steht doch Gemeindepräsident Christian Grichting im Ruf, solche Versammlungen eher merkurial zu leiten.
Das wollten wir gerne von der neo wissen. Zuerst fragte diese Zeitung Anfang Dezember letzten Jahres an. Keine Antwort. Dann wieder. Dann nochmals. Schweigen im Walde, die neo befand sich offenbar in einem mehrmonatigen Meditationsretreat im Marianengraben.
Am 24. Februar platzte dann die «Bombe», oder wohl eher der Knallkörper.
Kotau vor Christian dem Grossen
Die Gemeinde Leukerbad vermeldete, dass die neo ihre Initiative zurückgezogen habe. Ja mehr noch: Die neo entschuldigte sich in einem Schreiben beim Gemeinderat und gab «Fehler» zu. Das Schreiben ist geradezu ein einziger in Worte gefasster Kotau.
Interessant auch die Ausführungen des Lokalpartei-Präsidenten, welche dieser Redaktion vorliegen: Man habe nach dem Urversammlung Gespräche geführt. «Die Gespräche nach der Urversammlung haben gezeigt, dass der Gemeinderat bereit ist, beide Varianten nochmals vertieft zu prüfen.»
Die Frage sei erlaubt: Warum werden solche Fragen nicht an, sondern nach der Urversammlung geklärt?
In vino veritas?
Also konkret: Beim Saufen, bim laffu. Hat Gemeindepräsident Christian Grichtung, von Beruf Getränkehändler, eine besonders edle Flasche geöffnet?
Oder hat er K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt — denn K.O. ging die neo im wahrsten Sinne des Wortes. Oder hat er gar mit einem Getränkeboykott gedroht? Die ultimative Waffe im Wallis. Wir werden es wohl nie erfahren.
Etwas wissen wir jedoch ganz gewiss: Christian Grichtung sitzt in Leukerbad derart fest im Sattel wie Xi Jinping im fernen China.
Und die neo? Die irrt einmal mehr umher wie ein führungsloser Supertanker. Und das nicht einmal auf einem richtigen Ozean — sondern im Abwasser.
Wähler gehen vergessen
Und noch etwas scheint die Partei nicht begriffen zu haben: Entschuldigen hätte sie sich nicht bei Christian dem Grossen müssen. Sondern bei all den Wählern, welche die Initiative in gutem Glauben unterschrieben haben — und nun von der neo im Abwasser stehen gelassen werden.
Wenigstens scheint die ganze Angelegenheit der neo durchaus peinlich zu sein: Dauerte es doch gestrichene zwei Wochen, bis die Medien im Oberwallis davon Wind bekamen.
Doch wann fand überhaupt die erwähnte Urversammlung statt? Natürlich sollte man das beim Schreiben dieses Artikels ebenfalls in Erfahrung bringen und machte sich auf der Webseite der Gemeinde schlau. Der letzte Termin, der in der Agenda vermerkt ist: 5. Dezember 2023. Ach, Leukerbad!

