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Bald eine Luchsregulation im Wallis?
Luchs Wallis: Die Population erholt sich, bleibt aber kleiner und weniger dicht als behauptetBald eine Luchsregulation im Wallis?

Luchs Wallis: Die Population erholt sich, bleibt aber kleiner und weniger dicht als behauptet

Bald eine Luchsregulation im Wallis?
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Von Prof. Dr. Raphaël Arlettaz

Eine aktuelle Studie von Forschenden der Universität Bern kommt zu dem Schluss, dass im vergangenen Winter (2025/2026) 37 selbständige Luchse im Kanton Wallis lebten. Damit setzt sich die Erholung der Population nach einer langen Geschichte illegaler Jagd fort: Zwischen 2010-2018 gab es im gesamten Wallis lediglich fünf bis acht selbständige Luchse. Gleichzeitig bleibt der Bestand jedoch weitgehend auf den nordwestlichen Teil des Kantons beschränkt, wo er mit der florierenden Population in den Waadtländer und Berner Voralpen verbunden ist. Diese Anzahl Luchse liegt deutlich unter den Zahlen von bis zu 80 Luchsen, die kürzlich in der Debatte über eine mögliche Regulierung der Luchspopulation kursierten. Selbst im Kerngebiet der aktuellen Walliser Luchspopulation, im Nordwesten des Kantons, ist die Populationsdichte dreimal geringer als von den regionalen Behörden behauptet. Die Forscher betonen, dass fundierte Entscheidungen zuverlässige Daten auf der räumlichen Ebene erfordern, auf der das Management stattfindet.

Nach Jahren systematischer Wilderei zeichnet sich im Kanton Wallis nun eine Erholung des Eurasischen Luchses ab: Während es zwischen 2011-2018 nur 5-8 selbstständige Luchse und 2 Fortpflanzungsereignisse im gesamten Kanton dokumentiert wurden, gibt es nun mindestens 37 selbständige Tiere. Diese positive Entwicklung hat eine Debatte über mögliche negative Auswirkungen und eine Regulierung der Population ausgelöst – insbesondere unter Jagdverbänden und kantonalen Behörden. Um aktuelle, kantonsweite Informationen zur Luchspopulation bereitzustellen und Extrapolationen sowie Fehlinterpretationen bestehender Daten des staatlichen Monitorings einzuordnen, analysierten Forscher der Universität Wildkameradaten aus den vergangenen drei Wintern, die sie unabhängig systematisch und kantonsweit erhoben haben.

Die Studie dokumentiert eine wachsende Luchspopulation, mit einer steigenden Anzahl erwachsener Tiere in jedem der drei Winter. Dazu verwendete sie das von Zimmermann erstellte offizielle Modell (KORA). Für den letzten Winter 2025/2026 schätzte die Studie 37 selbständiger Luchse (95%-Konfidenzintervall: 26–52) im gesamten Wallis, was einer Dichte von 1.09 Luchsen pro 100 km² entspricht. Die Tiere konzentrieren sich hauptsächlich auf den nordwestlichen Teil des Kantons. Dort ist die Walliser Population mit der etablierten Population in den Waadtländer und Berner Voralpen verbunden – und dort findet Fortpflanzung statt: Im Winter 2024/2025 wurden sieben Weibchen mit mindestens elf Jungen registriert, im Winter 2025/2026 vier Weibchen mit mindestens sieben Jungen. Gleichzeitig sind immer noch grosse Teile des Wallis, wie beispielsweise die Penninischen Alpen südlich der Rhone, nur spärlich besiedelt.

Weniger Luchse als offiziell angegeben

Die Schätzung liegt deutlich unter den Zahlen von bis zu 80 Luchsen, die in den jüngsten öffentlichen und politischen Diskussionen genannt wurden. Die Forschenden zeigen, dass solche Zahlen nicht zuverlässig durch eine einfache Extrapolation von Daten aus den offiziellen Referenzgebieten des LuchsMonitorings ableiten lassen, das von KORA, einer vom Bund beauftragten Stiftung, in der ganzen Schweiz durchgeführt wird. Grund dafür ist die räumliche Ausdehnung der KORA-Referenzgebiete: Eines der drei für das Wallis relevanten Gebiete, das nordwestliche, erstreckt sich auch auf die benachbarten Kantone Waadt und Bern, wo die Luchsdichte deutlich höher ist. Wird die dort ermittelte Dichtewerte auf den gesamten Kanton Wallis übertragen, kann dies zu einer Überschätzung des dortigen Bestands führen. Zudem wurden die Daten in den Referenzgebieten in unterschiedlichen Jahren durch KORA erhoben. Tatsächlich geben die politischen Behörden, z. Bsp. der Regierungsrat Christophe Darbellay, der die Jagd überwacht, für das nordwestliche Wallis (das Gebiet mit der höchsten Luchsdichte im Kanton) eine Dichte von 5.2 Luchsen pro 100 km² an, während die Studie der Universität Bern mit 1.7 Luchsen pro 100 km² in diesem Gebiet auf einen dreimal niedrigeren Wert kommt, ein Wert der deutlich unter den Bestandesdichten in anderen Schweizer Referenzgebieten liegt.

Die Frage der Bestandesgrösse ist von besonderer Bedeutung, da im Kanton Wallis derzeit über eine mögliche Regulierung der Luchspopulation diskutiert wird. Die Forschenden betonen, dass Entscheidungen zum Management von Wildtierpopulationen auf belastbaren Daten basieren sollten, die den betroffenen Bestand auf der räumlichen Ebene korrekt beschreiben, auf die sich die Entscheidung bezieht – in diesem Fall ausschliesslich auf den Luchsbestand im Wallis.

Ein Plädoyer für ein evidenzbasiertes Wildtiermanagement

Wildtierpopulationen werden oft innerhalb ökologischer Einheiten erfasst, während Management- oder Bewirtschaftungsentscheide auf Basis administrativer Zuständigkeiten getroffen werden. Stimmen diese räumlichen Ebenen nicht überein, besteht die Gefahr, dass lokale Konzentrationen von Tieren fälschlicherweise als hohe Bestandsdichten in einem grösseren Gebiet interpretiert werden.

«Ein zuverlässiges Wildtiermanagement hängt von korrekten Informationen ab. Populationsschätzungen müssen mit der Ebene übereinstimmen, auf der Managemententscheide getroffen werden; andernfalls können Hochrechnungen ein irreführendes Bild der Situation vor Ort vermitteln», sagt Prof. Dr. Raphaël Arlettaz, Leiter der Abteilung für Naturschutzbiologie an der Universität Bern, der 2011 das Langzeitforschungsprogramm initiierte, das die Wechselwirkungen zwischen sich erholenden Grossraubtierpopulationen und ihren Huftierbeutetieren im Wallis untersucht.

Auf Grundlage ihrer Untersuchungen kommen die Forschenden zum Schluss, dass man der Luchspopulation im Wallis erlauben sollte, ihre Erholung und Ausbreitung fortzusetzen, bis die Tragfähigkeit im gesamten Kanton erreicht ist. Tatsächlich sind grosse Teile des geeigneten Lebensraums nach wie vor nur schwach besiedelt, insbesondere südlich der Rhone, wo der Luchs in den 1980er- und 1990er-Jahren durch illegale Verfolgung ausgerottet worden war. Die heutige Konzentration der Luchse im Nordwesten des Wallis deutet nicht darauf hin, dass sich die Population insgesamt ihren ökologischen Grenzen nähert. Die vollständige Zeitreihe der seit 2011 gesammelten Fotofallendaten wird derzeit analysiert, um die längerfristige Entwicklung der Luchspopulation zu rekonstruieren und die Faktoren zu identifizieren, die ihre Ausbreitung einschränken.


Prof. Dr. Raphaël Arlettaz ist Leiter der Abteilung für Naturschutzbiologie am Institut für Ökologie und Evolution an der Universität Bern


Weiterführendes

Verschueren, S., Braunisch, V., Debons, V. & Arlettaz, R. (2026) Anpassung der Luchs-Bestandsschätzungen an die Bewirtschaftungsebene: Naturschutzwissenschaft vs. Politik in den westschweizerischen Alpen. bioRxiv 2026.08.25.747176;
https://doi.org/10.64898/2026.08.25.747176

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(Fotos: zVg / Naturschutzbiologie am Institut für Ökologie und Evolution an der Universität Bern)

 

 

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