Rede von Patric Zimmermann in Visp zum 1. August„Zusammenhalt ist unsere grösste Stärke“
Patric Zimmermann, Gommer Gemeindepräsident und Grossrat hat am 1. August in Visp am Sommerfest zum Nationalfeiertag gesprochen. Er rief zu Zuversicht und gemeinsamer Verantwortung auf.
An der 1.-August-Feier der Gemeinde Visp hat der 2. Vizepräsident des Grossen Rates und Gemeindepräsident von Obergoms, Patrik Zimmermann, den Wert des gesellschaftlichen Zusammenhalts in den Mittelpunkt seiner Ansprache gestellt.
Zimmermann betonte, Visp sei ein besonderer Ort, an dem sich Tradition und Moderne, Geschichte und wirtschaftliche Dynamik verbinden würden. Besonders hob er die Bedeutung der Lonza als Wirtschaftsmotor sowie das starke Vereins- und Kulturleben der Gemeinde hervor.
Im Zentrum seiner Rede – ganz SVP natürlich – standen die Werte, die die Schweiz prägen: Freiheit, Eigenverantwortung und Solidarität. Der Nationalfeiertag sei eine Gelegenheit, sich bewusst zu machen, woher das Land komme und welche Grundlagen die Generationen vor ihnen geschaffen hätten. „Den Zusammenhalt dürfen wir nicht verlieren“, lautete eine seiner zentralen Botschaften. Unterschiedliche Meinungen seien wichtig, doch am Ende brauche es das gemeinsame Handeln.
Auch die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen sprach Zimmermann an. Die Schweiz müsse wirtschaftliche, gesellschaftliche und globale Veränderungen mit Mut und Pragmatismus angehen. Besonders wichtig seien Dialog und Kompromissbereitschaft: „Miteinander sprechen und nicht übereinander“ sei entscheidend, um Gemeinden, Kanton und Land weiterzuentwickeln.
Zum Abschluss erinnerte Zimmermann an die Brandkatastrophe von Crans-Montana und sprach den Betroffenen und Beteiligten sein Mitgefühl aus. Seine Rede endete mit einem Appell, die Schweiz, den Kanton Wallis und die neue Gemeinde Visp mit Stolz und Verantwortung weiterzugestalten.
Die Rede von Patric Zimmermann Wortlaut
Werter Gemeindepräsident, lieber Niklaus
Werte Mitglieder des Gemeinderates
Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik
Liebe Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Visp
Liebe Gäste
Herzlichen Dank für die Einladung – und für die Möglichkeit, heute an diesem ganz besonderen Ort ein paar Worte an Sie richten zu dürfen. Ich habe mich riesig gefreut, als mich Gemeindepräsident Niklaus Furger für diese Rede angefragt hat.
Es ist für mich ein besonderer Moment, hier in Visp zu stehen. In Naters aufgewachsen und heutiger Gemeindepräsident von Obergoms sowie als Person, die sich in der Politik für unsere Region engagiert, fühle ich mich mit Visp sehr verbunden. Als 2. Vizepräsident des Grossen Rates und in meiner Tätigkeit als Gemeindepräsident darf ich tagtäglich erleben, was es heisst, Verantwortung für das Gemeinwohl zu tragen. Gerade hier in Visp, einem Ort, der wie kaum ein anderer im Wallis Tradition und Industrie, Geschichte und Moderne vereint, spürt man die Dynamik und die Herausforderungen der heutigen Zeit, wie nur in wenigen anderen Walliser Gemeinden. Die Lonza als Wirtschaftsmotor und gleichzeitig das lebendige Vereins- und Kulturleben – das ist eine beeindruckende Balance, die Visp auszeichnet.
Heute, an diesem festlichen Tag, blicken wir mit Stolz auf unsere Heimat. Wir feiern unsere Werte, unsere Traditionen und die Gemeinschaft, die uns trägt. In einer Welt, die sich rasant und manchmal auch beunruhigend schnell verändert, bleibt die Schweiz ein Leuchtturm der Stabilität, der Demokratie und des Zusammenhalts.
Wenn für viele der 1. August auch nicht mehr die Bedeutung von früher hat – ist es doch jedes Jahr wieder die Gelegenheit, sich zu fragen, was denn unser Land ausmacht. Darüber nachzudenken, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen, innezuhalten und dankbar zu sein. Es war der Mut unserer Vorfahren, die sich für Freiheit und Unabhängigkeit einsetzten. Diese Werte – Freiheit, Eigenverantwortung und Solidarität – sind nicht nur verstaubte Worte aus der Vergangenheit. Sie sind das lebendige Fundament, auf dem wir unsere Gegenwart bauen und unsere Zukunft gestalten.
Wir dürfen stolz sein auf das, was wir gemeinsam erreichen. Die Schweiz ist ein Land der Innovation, der Präzision und der Zuverlässigkeit. Doch was uns wirklich ausmacht, ist unser Zusammenhalt. Wir sind eine Nation, die aus verschiedenen Kulturen, Sprachen und Regionen besteht. Das ist unsere grösste Stärke. Den Zusammenhalt – den dürfen wir nicht verlieren. Diskussionen sind nötig, verschiedene Ansichten hilfreich, aber am Schluss braucht es ein Miteinander.
Dieser Zusammenhalt, dieser unbändige Wille, gemeinsam Grosses zu leisten, hat sich in diesem Jahr auf ganz besondere Weise gezeigt – und erlauben Sie mir bitte diesen Ausflug – nämlich in den Sport. 2026 ist ein Jahr, das in die Schweizer Sportgeschichte eingehen wird. Unsere Nationalmannschaften haben uns Momente beschert, die wir so schnell nicht vergessen werden. Sie haben uns gezeigt, was möglich ist, wenn man als Team auftritt, wenn man als Schweizer an sich glaubt und bis zur letzten Sekunde kämpft. Aber auch ist es unglaublich, wie wir alle zusammenstehen, wenn unsere Nationalmannschaften für unser Land an grossen Turnieren auftreten.
Denken wir zurück an den Mai dieses Jahres. Die Eishockey-Weltmeisterschaft fand hier bei uns statt, in Zürich und Freiburg. Das ganze Land war im Eishockey-Fieber. Ich erinnere mich noch gut daran, wie und wo ich die Spiele mitverfolgt habe. Die Spannung vor dem Fernseher, das Mitfiebern bei jedem Angriff, die Erleichterung bei jeder Parade. Unsere Nati hat ein unglaubliches Turnier gespielt und das ganze Land mitgerissen. Unter der Führung von Captain Roman Josi, der als wertvollster Spieler und bester Verteidiger des Turniers ausgezeichnet wurde, und mit einem überragenden Leonardo Genoni im Tor, hat sich unser Team bis in den Final gekämpft.
Im Endspiel im ausverkauften Stadion in Zürich trafen wir auf Finnland – Einige von Ihnen hier waren sicher sogar live vor Ort. Nach 60 Minuten stand es 0:0. Erst in der Verlängerung mussten wir uns mit 0:1 geschlagen geben. Es war die dritte Silbermedaille in Folge, und die Enttäuschung war im ersten Moment gross. Auch ich sass vor dem Bildschirm und dachte: “Schade, so knapp vorbei.” Doch was bleibt, ist der Stolz. Der Stolz auf eine Mannschaft, die mit Herzblut und Leidenschaft gespielt hat. Sie haben unser Land würdig vertreten und uns alle begeistert. Sie sind wahre Vorbilder für Einsatz und Teamgeist.
Und dann kam der Sommer, und mit ihm die Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Auch hier hat unsere Nati Grossartiges geleistet. Die Mannschaft von Trainer Murat Yakin hat Geschichte geschrieben. Nach einem dramatischen Sieg im Penaltyschiessen gegen Kolumbien im Achtelfinal stand die Schweiz zum ersten Mal seit 1954 wieder in einem WM-Viertelfinal! Dort trafen wir auf den Titelverteidiger Argentinien. Es war ein episches Spiel in Kansas City. Unsere Spieler haben alles gegeben. Erst in der Verlängerung mussten wir uns mit 1:3 geschlagen geben. Doch als die Mannschaft in Zürich nach ihrer Rückkehr von Tausenden Fans empfangen wurde, war klar: Wir sind stolz auf euch! Ihr habt gezeigt, dass die Schweiz auch auf der grössten Bühne der Welt mit den Besten mithalten kann.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, diese sportlichen Erfolge sind mehr als nur Resultate auf einer Anzeigetafel. Es geht auch im Sport um Werte. Werte die uns Schweizer auszeichnen. Diese Leistungen zeigen, dass wir Schweizerinnen und Schweizer hart arbeiten, dass wir diszipliniert sind, aber auch, dass wir Träume haben und bereit sind, dafür zu kämpfen.
Diese Werte – Einsatzbereitschaft, Ausdauer und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten – sind es, die unser Land stark machen. Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen, sei es wirtschaftlich, gesellschaftlich oder global. Doch wenn wir uns an unseren Sportlerinnen und Sportlern ein Beispiel nehmen, wenn wir zusammenhalten und als Team agieren, dann können wir jede Hürde meistern. In meiner politischen Arbeit sehe ich täglich, wie wichtig es ist, Kompromisse zu finden und den Dialog zu suchen. Nur wenn wir miteinander sprechen und nicht übereinander, bringen wir unsere Gemeinde, unseren Kanton und unser Land voran. Lassen Sie uns heute, an unserem Nationalfeiertag, diese Werte feiern.
Denn dieser Tag ist nicht nur ein Fest für die Schweiz – er ist auch ein Moment des Innehaltens. Wir erinnern uns an die Wurzeln unserer Gemeinschaft, an die Werte, die unser Land geprägt haben – und wir schauen gemeinsam und dankbar nach vorne:
Dankbar, dass unser Land über Jahrhunderte von grossen Konflikten verschont geblieben ist, während anderswo Krieg herrscht
Dankbar, dass unsere Vorfahren für eine stabile Grundlage gesorgt haben, auf der wir unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität aufbauen konnten.
Und Dankbar für unsere Demokratie – das Herzstück unseres Staatswesens. Bei uns hat das Volk das letzte Wort.
Neben der Dankbarkeit, dürfen wir aber auch Stolz sein. Stolz auf die Säulen, die unser Land prägen und unser Land seit Jahrhunderten ausmachen. Stolz auf
unsere Traditionen, die unser Land, aber auch unser Oberwallis ausmachen.
Stolz, auf unser Milizsystem. Ohne Freiwillige, ohne Milizstrukturen, ohne engagierte Menschen stirbt das Dorfleben.
Stolz auf unseren Föderalismus: Gerade in den Bergregionen müssen wir darauf achten, dass die ländliche Schweiz nicht durch zentralistische Tendenzen verdrängt wird
Stolz auf unsere wunderschöne Landschaft, unsere Berge und Täler
Aber lassen Sie uns auch den Blick nach vorne richten. Die Schweiz war immer dann am erfolgreichsten, wenn sie Tradition mit Innovation verbunden hat. Denken Sie an unsere Landschaft: die Gletscher, die Täler, die Berge. Sie sind seit Jahrhunderten dieselben, und doch verändern sie sich. Der Klimawandel stellt uns vor Herausforderungen, die unsere Vorfahren so nicht kannten. Wir müssen neue Wege finden, unsere Landschaft zu schützen und gleichzeitig zu nutzen. Das erfordert Mut, Kreativität und den Willen, Bestehendes zu hinterfragen – ohne dabei zu vergessen, woher wir kommen und was uns ausmacht. Der Klimawandel findet statt, dieser Tatsache müssen wir ins Auge schauen. Es geht nun darum, gemeinsam die richtigen Lösungen für unsere nächsten Generationen zu finden.
Visp ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine Region ihre Wurzeln bewahren und gleichzeitig die Zukunft gestalten kann. Visp ist heute durch die Positionierung der Lonza ein bedeutendes Zentrum für die Pharma- und Chemieindustrie und mittlerweile zum Wirtschaftszentrum des Oberwallis mit rund 14’500 Arbeitsplätzen gewachsen. Es gilt als ganze Region vom Aufschwung der Gemeinde Visp zu profitieren, aber es gilt auch die Herausforderungen zu meistern. Mobilität, Wassermanagement, Infrastrukturprojekte oder Raumplanung, um nur einige Stichworte zu nennen.
Denken Sie schliesslich auch an unsere Gesellschaft: Wir stehen vor grossen Fragen. Wie wollen wir zusammenleben? Wie gestalten wir den sozialen Zusammenhalt in einer Zeit, in der die Welt immer komplexer wird? Wie stellen wir sicher, dass niemand zurückgelassen wird? Diese Fragen haben keine einfachen Antworten. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir sie im Geiste unserer Vorfahren angehen – mit Besonnenheit, Pragmatismus und dem Willen zum Kompromiss –, dann werden wir auch diese Herausforderungen meistern. Genau das ist der Schweizer Weg.
Und der Blick nach vorne führt mich abschliessend zu einem ganz besonderen Thema, das Visp in den nächsten Monaten beschäftigen wird: der Gemeindefusion. Ab dem 1. Januar 2027 wird die Gemeinde Visp gemeinsam mit Eggerberg und Baltschieder als neue, vereinte Gemeinde Visp unterwegs sein. Das ist ein mutiger und richtiger Schritt – ein Schritt, der zeigt, dass man hier nicht auf der Stelle tritt, sondern aktiv die Zukunft gestaltet. Zusammenwachsen, Kräfte bündeln, gemeinsam stärker werden: Das ist der Geist, der auch unsere Eidgenossenschaft seit 1291 trägt. Ich wünsche der neuen Gemeinde Visp von ganzem Herzen alles Gute. Möge dieser Zusammenschluss für alle Einwohnerinnen und Einwohner – ob aus Visp, Eggerberg oder Baltschieder – ein Gewinn sein und eine neue Gemeinschaft entstehen lassen, die zusammenhält und gemeinsam Grosses leistet.
In diesem Zusammenhang möchte ich auch einen ganz persönlichen Moment nutzen. Mit dir, lieber Niklaus, und mit dir, lieber Philippe, verlassen zwei Persönlichkeiten den Gemeinderat Visp, die sich in den vergangenen Jahren mit grossem Engagement und viel Herzblut für ihre Gemeinde eingesetzt haben. Politisches Engagement kostet Zeit, Kraft und oft auch Nerven. Dass ihr diese Zeit und diese Energie für Visp und seine Bevölkerung eingesetzt habt, ist keine Selbstverständlichkeit. Mit euch zusammenzuarbeiten war stets ein Vergnügen, geprägt von Lösungsfindung und gegenseitigem Respekt. Ich wünsche euch beiden persönlich wie auch privat von ganzem Herzen alles Gute. Bleibt gesund, geniesst die neu gewonnene Zeit.
Zum Schluss, meine Damen und Herren – erlauben sie mir diesen Einschub, denn ich finde, im Jahr 2026 gehört dass in eine 1. August Rede in unserem Kanton – ein Gedanken an alle Opfer und Beteiligten der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Ein schreckliches Ereignis, eine Verkettung tragischer Umstände und ein Moment, der uns Walliserinnen und Wallisern leider noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Damit wäre ich am Ende meiner Ansprache. Nochmals Danke für die Einladung und ich wünsche Ihnen allen, einen wunderschönen und geselligen 1. August. Feiern wir unsere Schweiz, auf die wir so stolz sein können! Es lebe die neue fusionierte Gemeinde Visp, es lebe der Kanton Wallis und es lebe die Schweiz! Besten Dank.
(pd, rm, ki / Anriß)
