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Der Mann aus Brig und die Grenzen der Macht
Gianni Infantino: Endet sein Fifa-Lebenslauf mit einer Abwahl?Der Mann aus Brig und die Grenzen der Macht

Gianni Infantino: Endet sein Fifa-Lebenslauf mit einer Abwahl?

Der Mann aus Brig und die Grenzen der Macht
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Als Gianni Infantino 2016 an die Spitze der FIFA gewählt wurde, war das Wallis erfreut. Einer aus Brig hatte es an die Spitze der mächtigsten Sportorganisation der Welt geschafft. Der Sohn italienischer Einwanderer, aufgewachsen im Oberwallis, galt als Beweis dafür, dass Beharrlichkeit und Talent auch aus einer Randregion bis ganz nach oben führen können.

Zehn Jahre später ist aus der Erfolgsgeschichte ein Lehrstück über Macht geworden.

Der jüngste Plan, einen Teil der kommerziellen WM-Rechte in eine neue Gesellschaft auszulagern und einen Minderheitsanteil an private Investoren zu verkaufen, hat weltweit Empörung ausgelöst. Besonders brisant war, daß als führender Investor ausgerechnet Thrive Capital von Joshua Kushner gehandelt wurde – dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn Donald Trumps. Daraus entstand rasch der irreführende Eindruck, Infantino wolle die FIFA an den Trump-Klan verkaufen. Tatsächlich stand zwar nie die FIFA selbst zum Verkauf, sondern ein Minderheitsanteil an einer neuen Vermarktungsgesellschaft. Doch ein Geschmäckle blieb. Zumal nach der Vorgeschichte, der ständigen große Nähe zu Trump inklusive Rückzug einer Roten Karte.

Unter Infantino sind die Einahmen der FIFA enorm gestiegen. Seine Amtszeit war wirtschaftlich erfolgreich. Doch wirtschaftlicher Erfolg ersetzt keine gute Führung. Wer weitreichende Milliardenprojekte ohne breite Einbindung der wichtigsten Anspruchsgruppen vorbereitet, riskiert Vertrauen – und genau dieses Vertrauen ist im internationalen Sport die wertvollste Währung.

Ob Gianni Infantino diese Lektion noch rechtzeitig annimmt, wird nicht in Brig entschieden, sondern von den 211 Mitgliedsverbänden der FIFA. Sein Ruf jedoch hat auch im Wallis Kratzer bekommen. Nicht weil er Großes erreichen wollte. Sondern weil der Eindruck entstand, daß im Milliardenfußball politische Nähe und wirtschaftliche Interessen plötzlich wichtiger wurden als Transparenz und Vertrauen.

Rückblende: Infantino war von 2009 bis 2016 Generalsekretär der UEFA und galt als enger Vertrauter des damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini. Nachdem Platini wegen einer Sperre nicht für das FIFA-Präsidentenamt kandidieren konnte, wurde Infantino 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt. Infantino wiederum distanzierte sich von der Blatter-Ära und stellte seine Präsidentschaft als Neuanfang mit mehr Transparenz und Reformen dar.

Die Mitteilung der UEFA vom 1. August im Wortlaut:

UEFA begrüßt den Rückzug der FIFA von den Plänen, einen Anteil an der Weltmeisterschaft zu verkaufen

Der Vorschlag wurde von den UEFA-Mitgliedsverbänden sowie von zahlreichen weiteren Verbänden und Konföderationen aller Größen weltweit einstimmig abgelehnt.

Die UEFA begrüßt die Entscheidung der FIFA, ihren Plan zurückzuziehen, einen Anteil an ihren Wettbewerben – einschließlich der FIFA-Weltmeisterschaft – an private Investoren zu verkaufen.

Der Vorschlag wurde von den nationalen Mitgliedsverbänden der UEFA sowie von zahlreichen weiteren Verbänden und Konföderationen weltweit, deren Aufgabe der Schutz des Fußballs ist, einstimmig abgelehnt.

Die UEFA dankt allen Fans, Ligen, Klubs, Spielern, Einzelpersonen, Verbänden und Konföderationen, die sich gegen dieses Vorhaben gestellt haben, ebenso wie den zahlreichen Regierungschefs, Staatsoberhäuptern und Kommentatoren, die dem FIFA-Präsidenten deutlich gemacht haben, dass der Fußball nicht zum Verkauf steht.

Wir können so nicht weitermachen – mit geheimen Plänen, die im Eilverfahren vorangetrieben, von anonymen Akteuren ausgeheckt wurden und deren Nutzen für den Fußball mehr als fragwürdig ist. Wir müssen die Verantwortlichen benennen und sie zur Rechenschaft ziehen.

Es ist richtig, dass die UEFA in den kommenden Tagen und Wochen gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden und in enger Zusammenarbeit mit den anderen Konföderationen analysieren wird, wie es dazu kommen konnte, und einen Plan erarbeitet, damit sich ein solcher Vorgang nicht wiederholt. Diese Überprüfung muss umfassend und grundlegend sein. Keine Option sollte von vornherein ausgeschlossen werden. Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler weiterer Mitglieder der internationalen Fußballfamilie.

Als Gianni Infantino 2016 um das Vertrauen und die Stimmen der FIFA-Mitgliedsverbände für seine Wahl zum FIFA-Präsidenten warb, sagte er:

„Natürlich müssen wir transparent sein. Das war ich in den vergangenen 15 Jahren meines Lebens bei der UEFA. Sie werden jeden Tag am Leben der FIFA teilhaben.“

Anschließend erklärte er den versammelten Vertretern:

„Das Geld der FIFA ist Ihr Geld. Es ist nicht das Geld des FIFA-Präsidenten. Es ist Ihr Geld. Sie sind die nationalen Verbände, und das Geld der FIFA muss der Entwicklung des Fußballs dienen – und keinem anderen Zweck.“

Beide Versprechen hat er nicht eingelöst. Der fragwürdige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er entwarf und durchzusetzen versuchte, hatte mit Transparenz nichts zu tun.

Und obwohl die FIFA über Rücklagen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar verfügt, hat er es ebenfalls versäumt, das Geld der Mitgliedsverbände zum Nutzen des Fußballs einzusetzen.

Die UEFA wird daher umgehend gemeinsam mit Partnern und Anspruchsgruppen auf der ganzen Welt Vorschläge erarbeiten, wie Mittel künftig im Rahmen des bestehenden FIFA-Forward-Programms anders verteilt werden können.

Wir müssen beginnen, einen Teil der Gelder, die derzeit ungenutzt auf den Bankkonten der FIFA liegen, einzusetzen, um dem Breitenfußball und dem Fußball insgesamt in allen 211 FIFA-Mitgliedsländern den dringend benötigten Impuls zu geben. Dafür müssen wir jedoch nicht das Tafelsilber der Fußballfamilie verkaufen.

Dies ist ein Sieg für den gesamten Fußball. Doch die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Der Vorschlag ist zwar vom Tisch. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, hat jedoch erst begonnen.

(pd, rm, ki)
(Foto: Fifa)

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