Rückblick auf den Tag der Sozialen Arbeit 2026Zusammenarbeit im Notfall beginnt vor der Krise
Am 29. Oktober 2026 trafen sich an der Hochschule und Höheren Fachschule für Soziale Arbeit (HESTS) in Siders Fachpersonen aus der Sozialen Arbeit sowie dem Gesundheits-, Rettungs- und Sicherheitswesen zum Tag der Sozialen Arbeit. Sie tauschten Erfahrungen aus der Praxis aus und diskutierten, wie die Zusammenarbeit in Notfallsituationen verbessert werden kann. Dabei wurde deutlich: Gute Zusammenarbeit muss schon vor dem Ernstfall vorbereitet werden und auch nach der Krise weitergeführt werden, berichtet die HES-SO.
Fünf Referate und eine Podiumsdiskussion boten Gelegenheit, unterschiedliche Arbeitsweisen kennenzulernen und die Rolle der Sozialen Arbeit in den Notfallstrukturen zu diskutieren. Am Austausch beteiligten sich Studierende und Mitarbeitende der HESTS, Fachpersonen aus der Praxis sowie Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und aus der Politik, darunter Staatsrat Mathias Reynard.
Die Unterstützung endet nicht mit der Krise
Bei Naturkatastrophen, Gewalt oder persönlichen Notlagen sind Fachpersonen mit unterschiedlichen Kompetenzen gefragt. Die unmittelbare Hilfe ist entscheidend. Doch auch wenn die akute Gefahr vorüber ist, sind die Betroffenen oft weiterhin auf Unterstützung angewiesen.
Viele brauchen längerfristig psychosoziale Begleitung, Hilfe bei Behördengängen oder beim Zugang zu Hilfsangeboten. Auch Angehörige benötigen Unterstützung, und soziale Beziehungen müssen wieder aufgebaut werden. Wie sich die Berufsgruppen dabei ergänzen und eine durchgehende Begleitung sicherstellen, zeigten verschiedene Beispiele aus der Praxis: die Unterstützung nach den Überschwemmungen in Siders, die Einsätze des mobilen Sozialnotfalldienstes und die Arbeit der Opferberatungsstellen.
«Dieser Tag erinnert uns daran, dass die Soziale Arbeit bei der Bewältigung von Notfallsituationen einen festen Platz hat. Ihr Fachwissen über soziale Beziehungen, ihre Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort und ihre Fähigkeit, Menschen langfristig zu begleiten, sind für eine umfassende Betreuung unverzichtbar», betont Nicole Langenegger Roux, Direktorin der HESTS.
Sich vor dem Ernstfall kennenlernen
Damit die Zusammenarbeit im Notfall gelingt, muss sie schon vorher beginnen. Das wurde im Laufe des Tages immer wieder deutlich. Die Beteiligten müssen wissen, was die anderen Berufsgruppen leisten können, ihre Rollen klären und gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Fachpersonen der Sozialen Arbeit sollten deshalb bereits an der Krisenplanung mitwirken.
Wie weit diese Zusammenarbeit etabliert ist, hängt von der Situation ab. Bei individuellen Notlagen sind die Abläufe zum Teil schon gut eingespielt, zum Beispiel in mobilen Teams oder zwischen Polizei und Sozialer Arbeit. In die Vorbereitung und Bewältigung von Krisen, die grössere Bevölkerungsgruppen betreffen, müssen Fachpersonen der Sozialen Arbeit hingegen noch stärker einbezogen werden.
«In Notfallsituationen zeigt sich, wo die Zusammenarbeit funktioniert und wo sie an ihre Grenzen stösst. Wir müssen aus diesen Erfahrungen lernen und die Erkenntnisse langfristig nutzen, damit die Soziale Arbeit bei der Vorbereitung auf Krisen, bei deren Bewältigung und in der Nachbetreuung umfassend mitwirken kann», erklärt Jan Rosset, der den Tag mitorganisiert hat.
Perspektiven für Lehre und Forschung
Der Tag warf auch Fragen für die Lehre und Forschung auf: Wie können angehende Fachpersonen der Sozialen Arbeit besser auf Krisensituationen vorbereitet werden? Welchen Platz sollten diese Themen in der Aus- und Weiterbildung einnehmen? Und wie können Erfahrungen aus bisherigen Einsätzen dazu beitragen, die Praxis weiterzuentwickeln?
Diese Fragen betreffen unmittelbar den Auftrag der HESTS, die Lehre, anwendungsorientierte Forschung und Praxis miteinander verbindet. Auch das interdisziplinäre Forschungsprogramm RISK-S der HES-SO Valais-Wallis setzt hier an. Es untersucht, wie die Widerstandsfähigkeit von Systemen und Gesellschaft gegenüber Naturgefahren gestärkt werden kann.
Eine Erkenntnis zog sich durch den Tag: Um Notfallsituationen besser zu bewältigen, reicht schnelles Handeln allein nicht aus. Es braucht auch vorausschauende Planung, Zusammenarbeit und die Bereitschaft, gemeinsam aus Erfahrungen zu lernen.
Die HESTS dankt allen Referentinnen und Referenten, Teilnehmenden und Partnern sowie allen, die den Tag mitorganisiert haben. Der rege Austausch und die unterschiedlichen Sichtweisen haben gezeigt, wie wichtig es ist, diese Fragen gemeinsam weiterzuverfolgen.
(pd)
(Foto: HES-SO)






