
SRG-HalbierungsinitiativeFordert Marko Ković staatliche Lebensmittelläden?
Eine Kolumne von Thomas Baumann
Der umstrittene Sozialwissenschaftler und «Verschwörungsexperte» Marko Ković war während Corona-Zeiten ein Liebling von Fernsehen SRF.
Kein Wunder, zieht er gegen die Halbierungsinitiative so richtig vom Leder.
«Ideologischer Wahn»
Schon der Titel lässt keine Zweifel aufkommen: «Der ideologische Wahn der SRG-Halbierungsinitiative». In ähnlichem Ton geht es weiter: Bei der Initiative gehe es in Wirklichkeit um «ideologiegetriebene Versuche, unliebsame öffentliche Medien abzuschaffen». «Der ideologische Kampf gegen öffentliche Medien im Allgemeinen und gegen die SRG im Besonderen» sei «ausgesprochen irrational und enthemmt.»
Der Grund dafür? Die SRG-Gegner wollten «ein chaotisches Informationsumfeld schaffen, in dem man nach amerikanischem Vorbild mit der Strategie ‹Flood the zone with shit› die demokratische Debatte kurzschliessen kann.»
Experte für Verschwörungstheorien
Der Sozialwissenschaftler ist bekanntlich ein Experte für Verschwörungstheorien — und macht hier seinem Ruf wieder einmal alle Ehre.
Doch wie sieht es mit Argumenten aus? Auch darin versucht sich Ković: «Sind öffentlich finanzierte Medien heute überhaupt noch nötig?», fragt er sich.
«Die Menge an privaten Angeboten ist heute ja so gross wie noch nie. Aber: Öffentliche Medien haben einen qualitativ umfassenden Leistungsauftrag, den private Medien nicht haben. Private Medien können vielleicht im Prinzip alles leisten, was öffentliche Medien können. Aber es gibt bei privaten Medien keine Garantie, dass sie es tun.»
SRG ist auch eine Versicherung
«Öffentliche Medien sind aus demokratischer Sicht so etwas wie eine Versicherung: Sie garantieren, dass ein qualitativ möglichst hochwertiges journalistisches Grundangebot immer besteht. Auch dann, wenn private Anbieter ein solches Angebot aufgrund von Marktlogiken nicht herstellen können.»
Übertragen wir das Argument einmal auf Lebensmittelläden: Auch hier haben wir viele private Anbieter, der Markt funktioniert. Aber haben wir eine Garantie, dass die Anbieter jederzeit Bioprodukte, eine Billiglinie, lokal hergestellte Produkte im Angebot haben? Haben wir nicht — braucht es deswegen staatliche Läden, um das Angebot zu ‹garantieren›?
SRG-Halbierungsinitiative: Garantie gegen steigende SERAFE-Gebühren
Gerade lokale Produkte sind bei den Grossverteilern nur schwer zu finden — exakt wegen der von Ković angeführten Marktlogik. Deswegen ist aber noch niemand auf die Idee gekommen, dass es staatliche Lebensmittelläden brauche, damit alle Landesteile in den Regalen angemessen ‹repräsentiert› sind.
Mit demselben Argument, mit dem man ein öffentliches Fernsehen fordert, könnte man genauso gut staatliche Lebensmittelläden fordern.
Was das Garantie-Argument angeht: Exakt eine solche Garantie ist auch die Halbierungsinitiative. Nämlich eine Garantie, dass die SERAFE-Gebühren nach den derzeitigen strategisch motivierten Senkungen nicht plötzlich wieder rasant ansteigen.
(Beitragsbild: Bildschirmfoto Nau.ch)
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