Home Aktuelles, Nachrichten Wallis Zum Nikolaustag: Unia überreicht Appell an die Direktion von MitMänsch
Über 2'000 Unterschriften fordern ein tragfähiges und menschliches Arbeitsumfeld
Zum Nikolaustag: Unia überreicht Appell an die Direktion von MitMänschÜber 2'000 Unterschriften fordern ein tragfähiges und menschliches Arbeitsumfeld

Zum Nikolaustag: Unia überreicht Appell an die Direktion von MitMänsch

Über 2'000 Unterschriften fordern ein tragfähiges und menschliches Arbeitsumfeld
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Im Hinblick auf den Nikolaustag hat die Gewerkschaft Unia der Direktion und dem Stiftungsrat von MitMänsch einen umfassenden Appell überreicht.

Der Name Nikolaus steht für „Sieg des Volkes“ und könnte passender kaum sein, denn innert kürzester Zeit haben über 2’000 Menschen den Appell unterzeichnet, davon rund 370 Mitarbeitende, viele Angehörige und Betroffene.

Die breite Beteiligung zeigt die tiefe Betroffenheit und die starke Solidarität weit über die Belegschaft hinaus, so die Gewerkschaft. 

Überlastung, instabilen Abläufe, Kontroll- und Angstkultur

Die Rückmeldungen sprächen eine klare Sprache: Die Probleme seien nicht punktuell, sondern strukturell, so die Unia.

Viele Beschäftigte berichteten von Überlastung, instabilen Abläufen, einer Angstkultur und einem Klima, in dem Kontrolle mehr zählt als Vertrauen und Fachlichkeit.

Die professionelle Betreuung der Klienten sei dadurch gefährdet, so die Gewerkschaft weiter. Wenn Mitarbeiter aus Loyalität weiterarbeiten, obwohl sie längst am Limit stehen, zeige dies den Ernst der Lage. Es sei Zeit zu handeln.

Ein strukturelles Problem und Führungsversagen

Die Geschäftsleitung beschwichtigt die Berichterstattungen Rund um MitMänsch und verweist auf „einige wenige Wohngruppen“.

Diese Darstellung steht im krassen Widerspruch zu den hunderten Erfahrungsberichten, die die Unia erhalten hat.

Die Mißstände seien keine Ausnahmen, sondern Ausdruck eines autoritären Führungsverhaltens, das in einer sozialen Institution völlig fehl am Platz sei, so die Unia, und weiter: Wer Mißstände derart verharmlose, beweise nicht Führungsstärke, sondern schlicht Realitätsverweigerung.

Audit nur glaubwürdig, wenn die Mitarbeitenden ohne Angst sprechen können

Daß der Kanton inzwischen ein externes Audit angeordnet habe, sei ein Teilerfolg der Beschäftigten und ein direkter Effekt des öffentlichen Drucks, so die Unia.

Doch der Umgang der Direktion mit dieser Prüfung bereite Sorge. Bereits wenige Tage nach Ankündigung des Audits wurden gegenüber dem Personal Botschaften verbreitet, die einschüchternd wirken und suggerieren, daß nur die Direktion kontrolliere, kommuniziere und deute.

Die Unia stellt unmißverständlich klar: Ein Audit dient nicht dazu, die Version der Geschäftsleitung zu bestätigen, sondern die Wahrheit ans Licht zu bringen. Damit dies gelinge, müßten alle Mitarbeiter anonym sprechen können, ohne Angst vor Repressionen, Schuldzuweisungen oder subtilen Strafen.

Die Gewerkschaft Unia fordert dies aktiv ein und unterstützt ihre Mitglieder bei Fragen und Ihren Anliegen.

Wer Kritik äußert, riskiert Arbeitsplätze

Besonders heikel ist die Argumentation der Direktion gegenüber den Beschäftigten, wonach die „stabile Finanzlage“ Voraussetzung für sichere Arbeitsplätze sei.

Damit wird Kritik moralisch diskreditiert und den Mitarbeitenden indirekt Verantwortung für Mißstände zugeschoben.

In Wirklichkeit gefährdeten nicht die Beschäftigten den Betrieb, sondern die schlechten Rahmenbedingungen, die ihnen professionelle Arbeit erschweren, so die Unia.

Die Gewerkschaft hält entschieden dagegen: Die Beschäftigten kämpfen hier primär nicht für Privilegien wie mehr Lohn, sondern für die Sicherheit und Würde der Klient:innen. Wer Mißstände benennt, schützt Menschen und er gefährdet sie nicht.

Die Belegschaft fordert Veränderung

Nach Jahren der Überlastung genügt kein Feintuning mehr. MitMänsch brauche eine grundlegende Neuaufstellung.

Ein verbindlicher Gesamtarbeitsvertrag ist dafür der einzige glaubwürdige Weg, weil er stabile Standards für Personalressourcen, Arbeitszeiten, Qualifikation und Gesundheitsschutz schafft. Alles andere wäre reine Kosmetik.

Mehr als 2’000 Unterzeichnende zeigen, wie groß der Veränderungswille ist. Die Mitarbeitenden waren lange geduldig.

Jetzt sei ihre Stimme nicht mehr zu überhören. Die Verantwortung liegt bei jener Führung, die diese Situation entstehen liess und die nun entscheiden muß, ob sie Teil der Lösung sein kann oder ob sie Platz machen müsse für einen echten Neuanfang.

Der Nikolaustag steht für Mut und Gerechtigkeit. Für MitMänsch könnte er zum Symbol eines notwendigen Schnitts werden: Echter Wandel braucht neue Strukturen und die Bereitschaft, die Konsequenzen aus den eigenen Fehlern zu ziehen.

(pd, rm)
(Fotos: zVg)

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